JD McPherson / Signs & Signifiers
Signs & Signifiers Spielzeit: 34:42
Medium: CD
Label: Style Records, 2011
Stil: Rock'n'Roll

Review vom 11.09.2011


Markus Kerren
Eine Rock'n'Roll-Platte aus dem - als Redneck-Bundesstaat verschrienen - Oklahoma wurde angekündigt. Wobei mir allein der Klang dieses Namens immer schon ein Lächeln auf die Lippen zaubert, stammen doch auch die großartigen Leon Russell und J. J. Cale aus diesem großflächigen Teil Amerikas tief unten im Süden. Was natürlich faktisch keine Schlüsse auf die Qualitäten anderer Musiker aus dieser Gegend zulässt, sodass wir uns gleich mal mit dem Protagonisten dieser Scheiblette beschäftigen wollen.
JD McPherson legt mit "Signs & Signifiers" sein Debütalbum vor. Aufgenommen und produziert wurde dieses allerdings in Chicago, und zwar von Jimmy Sutton, der gleich auch noch den Bass, einen Teil der Gitarreneinspielungen und Background Vocals übernommen hat. Und der versprochene Rock'n'Roll steckt in dieser Platte wirklich drin. Dabei hat sich McPherson nicht nur mit der Ausübung dieses Stils begnügt, sondern er hat auch großen Wert darauf gelegt, dass sein Erstwerk dazu noch so klingt, als wäre es in den fünfziger Jahren in einem kleinen Nebenraum des Sun Records-Studios aufgenommen worden.
Der Sound klingt (gewollt) undifferenziert, das Gesangsmikro scheint ein ums andere Mal zu übersteuern und die Snare tönt um einiges lauter, als es bei der Bass-Drum der Fall ist. Dafür kommen die Saxophone der Gäste Jonathan Doyle und Josh Bell klar und deutlich und im Hintergrund hämmern abwechselnd der eigentliche Schlagzeuger Alex Hall sowie der Gast Scott Ligon auf den Tasten eines Pianos herum, das man in Gedanken als schon lange zu Brenn- bzw. Kleinholz verarbeitetes Häufchen sieht. Aber halt, diese Aufnahmen stammen ja erst aus dem letzten Jahr... Schier unglaublich, wie authentisch hier der Sound eines längst vergangenen Jahrzehnts eingefangen und auf CD gepresst wurde.
Von seiner Promotion-Abteilung wird McPherson mit Leuten wie James Brown und Little Richard verglichen, was ich allerdings nicht nachvollziehen kann. Denn dafür klingt alleine schon seine Stimme viel zu 'weiß'. Was allerdings nicht heißen soll, dass der Mann ein schlechter Sänger ist. Im Gegenteil: McPherson schimpft, rockt und haucht sich auch mal liebeskrank durch die insgesamt zwölf Tracks dieser Scheibe. Neben dem Rock'n'Roll ist dazu auch noch eine gehörige Dosis Rockabilly in die Scheibe eingeflossen. Das Songwriting ist klasse und auch die Spielzeiten der Songs authentisch, überschreiten sie doch nur ganze dreimal die Dreiminuten-Grenze.
Wenn so herrlich erfrischend wie auf "Scandalous" gerockt wird, die Gitarre, das Bariton-Saxophon und Piano sich die Bälle solistisch gegenseitig zuwerfen und der Amerikaner sich die Seele aus dem Leib zu singen scheint, kommt man einfach nicht drum herum, dieses Album zu mögen. Und die Beine müsste man wohl festbinden, um sie vom Mitwippen abzuhalten. Was das Songwriting und Arrangement dieses Genres betrifft, kann man einen Song wie "North Side Gal" wohl nicht besser bringen. Die mit Abstand längste Nummer ist der Titelsong, ein Shuffle mit angezogener Handbremse, der erst knapp vor der Fünf-Minuten-Grenze langsam verstummt.
JD McPherson ist ein herrliches Debüt gelungen! Ein Faible für den Rock'n'Roll und Rockabilly der Fünfziger muss man natürlich haben, um das Dargebrachte auch schätzen zu wissen. Wenn dem so ist, dann kann man mit dem Erwerb dieser Platte absolut nichts verkehrt machen. Wer sich erstmal einen eigenen Eindruck verschaffen will, dem würde ich "North Side Gal", "Dimes For Nickels", "Scandalous" oder den melancholischen Schmachtfetzen "Your Love (All That I'm Missing)" empfehlen. Eine absolut runde Angelegenheit, die einfach nur großen Spaß macht.
Line-up:
JD McPherson (lead & background vocals, guitars)
Jimmy Sutton (bass, electric-, baritone- & acoustic guitars, background vocals)
Alex Hall (drums, piano, organ, background vocals)

With:
Scott Ligon (piano - #5,6,7,8,11,12)
Jonathan Doyle (tenor saxophone - #1,6,9,11,12)
Josh Bell (baritone saxophone - #2,9,11,12)
Joel Paterson (guitar - #11)
Susan Voelz (violin - #7)
Alison Chesley (cello - #7)
Tracklist
01:North Side Gal
02:Country Boy
03:Fire Bug
04:Signs & Signifiers
05:Wolf Teeth
06:Scratching Circles
07:A Gentle Awakening
08:Dimes For Nickels
09:B.G.M.O.S.R.N.R.
10:I Can't Complain
11:Your Love (All That I'm Missing)
12:Scandalous
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