Joe Moe ist FX-Artist, designt Geisterbahnen, schreibt Drehbücher - und er singt. Der polynesische Künstler beweist ein breit gefächertes Repertoire an Talenten. Und wer sein erstes Solo-Album "Mainland" zu hören bekommt, der wird ihm zumindest für den Gesang eine beachtliche Leistung attestieren. In seiner Stimme liegt
Ray Charles-Blues und die Kraft und Sanftheit eines
Ian Gillan (
Deep Purple). Das sind keineswegs typische Grundvoraussetzungen für eine hawaianisch angehauchte Pop-Platte - und genau darum handelt es sich bei "Mainland". Doch gerade hieraus bezieht das Album seinen Reiz. Die zwölf zusammengesuchten Kompositionen stammen aus einem Zeitraum zwischen 1973 und 2008 und aus der Feder von zwölf verschiedenen Songwritern, darunter
Joe Moe selbst.
Dieser Umstand bringt viel Abwechslung ins Spiel und treibt wunderliche Blüten, wie den lässigen Hawaiian-Country-Song "Cowboy" oder das schön-schräge Duett "Dark And Wrinkled" mit Countertenor Dylan Hostetter des Vokalensemble Chanticleer aus San Fransisco. Neben diesem und den sieben festen Bandmitgliedern lud Joe Moe für "Mainland" außerdem noch acht weitere Gastmusiker ein.
Außer den experimentelleren Titeln finden sich mit "Ku'u Home O Kahalu'u", "Married Man" und "Aria" natürlich auch geradlinige, Ukulele-bewehrte Hawai-Nummern. Modern wird's dagegen bei "The Green Shade", dessen eingängige Grundmelodie mit einem geheimnisvollen und unheilschwangeren Keyboardteppich unterlegt ist. Der lässt die Atmosphäre im Verlaufe des Songs dichter und dichter werden - ein weiteres Highlight, das sogar ein wenig an
Arjen Lucassens Ayreon erinnert. Ganz abrupt geht es im Anschluss weiter mit "Lotus Festival" - einer starken Nummer à la
Jethro Tull. Die zunächst heitere Stimmung weicht hier ab der Mitte nach und nach einer feinen Melancholie, ohne einen erkennbaren Bruch entstehen zu lassen.
Bezogen werden kann der Output beispielsweise digital über den iTunes-Store. Für alle, die die Möglichkeit haben, an das Digipack zu kommen, das genauso abgefahren gestaltet ist, wie sich die Musik anhört, gilt: Ein paar Euro Aufpreis ist es locker wert!
8 von 10 RockTimes-Uhren