Ken Will Morton / All's Fair In Love & War
All's Fair In Love & War Spielzeit: 77:42
Medium: CD
Label: ra-ra a-vis Records, 2015
Stil: Alternative Country

Review vom 28.12.2015


Markus Kerren
Ach, du schöne Illusion, ich seh' dich schwinden! Aber keine Angst, weder werde ich euch hier mit sentimentalem Gedankengut zupflastern, noch ist mir Weihnachten zu tief unter die Perücke gekrabbelt... Tatsächlich ist es aber so, dass man sich immer mehr und mehr von dem schönen Gedanken verabschieden muss, dass sich wirklich noch Musiker in einem Studio treffen, um gemeinsam Songs und Alben aufzunehmen, die dann veröffentlicht werden. Zu teuer geworden oder zu anstrengend, sich mit anderen auseinander zu setzen oder welche Gründe auch immer dazu führen mögen, cool finde ich das nicht. Aber was mich eigentlich zu diesen Gedanken führt, ist das neue (offensichtlich bereits zehnte Album) des Amerikaners Ken Will Morton.
Sämtliche Instrumente hat er darauf selbst eingespielt, sämtliche, bis auf die Drums. Für diese hat er sich allerdings keinen Gast eingeladen, nee, dafür hat er sich vorgefertigte Sound Files gekauft... Die passen zwar alle ganz hervorragend zu den Songs, aber mich schüttelt's bei dieser Vorstellung schon gewaltig durch. Okay, Ken Will Morton war also definitiv der einzig anwesende Mensch, der für "All's Fair In Love & War" Aufnahmen während der eigentlichen Produktion gemacht hat. Ein echtes Soloalbum, offensichtlicher geht's nicht...
Die sage und schreibe zwanzig vorgestellten Tracks sind dagegen in den meisten Fällen sehr stark ausgefallen. Der Musiker präsentiert hier eine Mischung aus Singer/Songwriter, Blues, Folk, Country und Rock, die sich durchaus sehen lassen kann. Dabei ist er sowohl kompositorisch als auch textlich sehr clever unterwegs und bringt obendrein mit seiner angerauten Stimme zusätzliche Farbe in die einzelnen Stücke ein. Auf den meisten Tracks dominiert die akustische Gitarre, wobei auch die elektrische fast ständig für die Ausschmückung am Start ist.
Fit ist der in Athens, Georgia ansässige Ken Will Morton (außer besagten Drums) auf allen Gebieten, somit auch auf dem Terrain der Vielseitigkeit. Wobei er es hier ein bisschen übertrieben haben mag, was die Laufzeit angeht. Denn leider geht der Scheibe gegen Ende etwas die Luft aus. Einen tatsächlich schlechten Song gibt es zwar durchgehend nicht zu finden, weniger wäre dennoch etwas mehr gewesen. Denn knapp achtzig Minuten am Stück ist dann doch ein bisschen viel des Guten, um durchgehend die volle Aufmerksamkeit des Hörers auf sich zu ziehen.
Aber echte Perlen der Sorte "Long Gone Daddy" (very southern mit klasse Harp, Hillbilly-Rhythmus und Party-Text), "Little Bird" (eine Uptempo-Nummer, die von einer feinen Harp veredelt wird), "Straight From Your Lips" (deutlicher Rock-Anteil, wenn auch im Midtempo-Bereich angesiedelt) oder "Good Lord Willing & The Creek Don't Rise" (ein prächtig in die Beine gehender Two-Step) sind durchaus zu finden, Perlen, die von dem hohen Qualitätslevel Mortons ein... äh, Lied singen können. Oder das etwas melancholische "Conversation In A Bar", bei dem Morton ein weiteres Mal seine Fingerfertigkeit auf der Elektrischen unter Beweis stellt.
Schlussendlich kann ich festhalten, dass wir es hier mit einer richtig guten, wenn auch etwas zu langen Scheibe zu tun haben. Sowohl Songwriting als auch die Umsetzung (inklusive Sound und Arrangements) bestehen den Qualitätstest locker und wer auf etwas rauere Vocals steht, der wird hier ebenfalls aufs Beste bedient. Insgesamt also eine runde Sache mit kleinen Schönheitsfehlern.
Line-up:
Ken Will Morton (all instruments except drums, vocals)
Tracklist
01:Long Gone Daddy
02:Blindsided
03:Straight From Your Lips
04:Skywriting
05:Contact
06:Riding For A Fall
07:Vestiges Of You
08:Down The Drain
09:Reach Forward
10:Good Lord Willing & The Creek Don't Rise
11:The Way It Goes
12:Trail By Fire
13:Little Bird
14:Hitting Ditches
15:Falling From Grace
16:Conversation In A Bar
17:Little Miss 1565
18:A Wave
19:Hard Feelings
20:Hiden Track
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