The Luke Mulholland Band / Midnight Carnival
Midnight Carnival Spielzeit: 52:20
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2010
Stil: Blues Rock

Review vom 09.09.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Einige biografische Daten des in Boston beheimateten Luke Mulholland lesen sich wie ein Märchen. Mit vierzehn Jahren trat er in Clubs auf und nur drei Jahre später hat der junge Gitarrist, Sänger und Komponist ein Konzert vor 18.000 Zuschauern für Bon Jovi eröffnet. Vor seinem einundzwanzigsten Geburtstag hat er bereits vier Alben aufgenommen und Touren mit
Dickey Betts, der ihm einiges auf dem Sechssaiter beibrachte, Blue Oyster Cult, Blues Traveler oder den Yardbirds sind für ihn schon Vergangenheit, an die er bestimmt gerne zurückdenkt. Noch im Kindesalter griff der kleine Luke zur Gitarre und The Doors, Jimi Hendrix sowie Led Zeppelin hatten es ihm angetan. Sein Vater nahm ihn mit zu einer Session und J.J. Cales "Cocaine" war der erste Live-Song, den er spielte. Ein dickes Lob bekam er von Jeff Healey, mit dem der auf der Bühne jammte. Allerdings kommen solche Sachen ja nicht von ungefähr. Man muss schon etwas vorweisen können.
Jetzt macht "Midnight Carnival" schon die x-te Runde im Player und man kann einfach von Luke Mulholland und seiner Band nicht genug bekommen. Alle Songs auf diesem Album sind Eigengewächse des Protagonisten und der hat die Vorbilder in seiner Jugend echt genau studiert und im Laufe seines Werdegangs spürt der Hörer jetzt, wie sich die Einflüsse zu seinem ganz individuellen Ding entwickelt haben. Oh Mann, alleine "Patch Of Blue" ist den Kauf des Albums Wert und nicht nur, weil hier Cooper Madison als Gast Tabla trommelt. Diese langsam schwebende Nummer ist ein Musterbeispiel für das Mulholland-Mischungsverhältnis von gelungener Blues-Metrik und gehaltvoller Psychedelic-Würzung. Seine Stimme (klingt ein wenig wie Richie Arndt) passt gut zur vielfältigen Musik und er hat eine klasse Band an seiner Seite.
Songs von einem Kaliber wie "Patch Of Blue" sind nicht die Ausnahme auf "Midnight Carnival". Wenn Mulholland Gas gibt, springt der Fußgänger lieber vom Bordstein aus in Sicherheit. Hammer, vor dem rockenden Youngster muss man sich in Acht nehmen. Nach einem stets weiter anschwellenden "Million Billion Bugs" geht der erste richtige Track schon mit tonnenschweren Blues-Riffs in die Vollen. Bei verhaltenem Tempo packt der Künstler einen am Schlafittchen und lässt nicht mehr los.
Die Vollbedienung bekommt man auch durch den Einsatz des Bottlenecks oder den aus dem Southern Rock so beliebten Zwillings-Gitarren. Explizit wird im Line-up kein Tastenmann ausgewiesen, aber die Songs sind voll von Keyboard-, Piano- oder Hammond-Sounds. Fachmännisch bedient der Bassist Seth Glennie-Smith den Synthesizer.
Mit "Cow Trippin'" gibt es mittendrin ein wunderschönes Jam-Instrumental. Für diese Nummer wurde Ben Gallagher für ein Gast-Solo gewonnen, der auf Augenhöhe über funkig-groovendem Unterbau herrlich soliert und dann folgt stante pede ein flink gespielter Hammond-Alleingang. Beste Unterhaltung!
Stimmungswechsel: Für "This World" schultert Mulholland die Akustische und zu Pianoklängen serviert er uns ein Lied mit mächtig viel Latin-Flair. Eine solche Komposition mit schöner Percussion-Begleitung darf durchaus an Santana erinnern.
In dieser Art und Weise könnte die Lobhudelei jetzt noch fortgesetzt werden, aber der äußerst positive Eindruck von The Luke Mulholland Band ist meines Erachtens hinreichend beschrieben worden. "Midnight Carnival" ist eine Eigenproduktion und zusammen mit Shiva Baum hat die Combo die Produktion übernommen.
Line-up:
Luke Mulholland (lead vocals, guitars, tambourine)
Seth Glennie-Smith (bass, synthesizer)
Jayme Tardiff (drums, percussion)
Kasey Pierce (background vocals)

Guests:
Ben Gallagher (guitar solo - #7)
Andy Aledort (guitar solo - #6)
Cooper Madison (tabla - #10)
Tracklist
01:Million Billion Bugs (0:58)
02:Midnight Carnival (6:20)
03:If I Only Knew (5:21)
04:I Can't See You (4:13)
05:The Truth (3:17)
06:Her Touch (4:30)
07:Cow Trippin' (5:40)
08:Love (3:27)
09:Until The End (4:01)
10:Patch Of Blue (5:23)
11:This World (3:40)
12:The Ocean Of Being (5:30)
(all sings by Luke Mulholland)
Externe Links: