Zu den Haudegen, die den Sound des britischen Hard Rocks und späteren NWOBHM mitgeprägt haben, gehört zweifellos John McCoy. Der markante Basser mit Glatzkopf, Ziegenbart und Pilotensonnenbrille war der Schubmann u.a. für Gillan
, Samson, Mammoth sowie seine eigene Band McCoy und ist derzeit wohl noch mit GMT aktiv. Daneben arbeitete er für eine ganze Reihe anderer Künstler verschiedener Genres, in weiteren Rock-Projekten und produziert auch.
Nun hat ihm das Label Angel Air die zweifellos große Ehre erwiesen und eine Retrospektive seines Schaffens auf dieser DoCD zusammengestellt. Die 30 Tracks stammen aus den Jahren 1969 bis 2006 und werden von einem dicken, mit raren Fotos illustrierten Booklet ergänzt, in dem McCoy selbst seinen Werdegang schildert und die Aufnahmen kommentiert. Das Vorwort stammt von Steve Pearson, der ihm attestiert, nicht nur eine ganze Generation von Bassspielern inspiriert zu haben, sondern auch Heerscharen von Nachahmern seines Aussehens.
Auf allen Aufnahmen ist seine typische Art des Bassspiels herauszuhören, stilistisch - nicht nach vorn gemischt. Äußerst druckvoll, richtiggehend 'muskulös', ein immer satter Groove, der jeden der Songs vorantreibt.
Begonnen hat er jedoch mit anderen Instrumenten. In der Kindheit plagte er sich mit Cello und Trompete herum, bis er Elvis und die Gitarre entdeckte und die er auch in seinen ersten Bands spielte. Erst als für eine Tourgruppe Gitarre und Bass gesucht wurden und der Sechssaitenjob schon weg war, sattelte er kurzerhand um.
CD 1:
Die ersten Tracks sind weit vom Hard Rock entfernt. Die Band Welcome war eine englische Version von Blood, Sweat & Tears und klang auch sehr ähnlich. ZZebra spielte im Stil von Colosseum, "1953 Austin Somerset" von Quadrant klingt dagegen entspannt instrumental prog-rockig, mit einem zur Abwechslung melodischen McCoy.
Dann geht's langsam zur Sache. Verspielt noch "Calling Out Your Name", "Big Boss Man", erstmals unter eigenem Firmennamen, ist ein satter Schweine-Boogie live, allerdings in sehr schlechter Tonqualität. Mit Samson, der Band seines langjährigen Gefährten Paul Samson, biegt der Bassmann dann endgültig auf die Hard Rock-Gerade ein. "Texas Modern" von NEO folgt als düstere Slow-Nummer, bevor es dann mit John Du Cann und V.H.F. wieder richtig losbrettert. Ein echtes Highlight ist die zweite Samson-Nummer mit wechselnden Tempi und einem glänzenden Paul an den Leadvocals. Ab gehen natürlich auch die Gillan-Titel, bei denen die tragende Rolle des Viersaiten-Dampfhammers unverkennbar ist (kaum zu glauben, dass da auf "Restless" der DP-Frontmann singt!). Der Schlusstrack auf CD1 ist live, leider wieder mit ausgesprochen miesem Sound. Angehängt, als 'Hidden Track', ein dreieinhalbminütiges Basssolo (in Bootleg-Qualität), bei dem McCoy über das gesamte Tonspektrum seines Instruments modulationsreich improvisiert und sein technisches Können demonstriert.
CD 2:
Auch bei Atomic Rooster hat das Bass-Ass ein Gastspiel gegeben, allerdings ist er auf der 1980er Aufnahme "Play It Again" im Soundbrei kaum auszumachen. In "The Russians" gibt er einmal mehr seinem Kumpel Samson in der Formation Joint Forces seine kraftvolle Unterstützung. Bei T.M.T. bildet er wieder mit Barry 'Thunderstick' Graham (Ex-Samson) die bewährte Dampfmaschine für Bernie Torme an der Gitarre, der auch mit bei Gillan aktiv war.
Die Songs der McCoy-Band überzeugen auch endlich mit sattem Klang, einem staubtrockenen Bass und einem Tony 'T-Bone' Rees in Hochform, der auch schon für The Coolies röhrte. Klasse 80er-Stoff mit allen bekannten Zutaten. Wieder brettert Paul Samson neben John, der teilweise auch die zweite Gitarre beisteuert. "The Demon Rose" erinnert nicht nur vom Titel an Thin Lizzy, ergänzt um die aus heutiger Sicht überflüssigen Keyboards. Mammoth war in jeder Hinsicht die heavierere Version, die sich mit "Fatman" und "All The Days" aus der metallischen Vita des Hauptakteurs eingefunden hat.
Dann wieder die McCoy-Band, ein Jahrzehnt später (1996) mit neuen Mitstreitern und zumindest bei diesen Titeln deutlich mainstreamiger. Ein Teil der Besetzung tritt auch bei Sun Red Sun an, das hämmert dann schon wieder ganz anders und Johns Bass knattert wie ein Zwölfzyinder. Mit dem kapitalen Midtempo-Kracher "Mean Woman Blues" verabschiedet sich dann Paul Samson. Die jüngste Aufnahme stammt von GMT und "Cannonball" macht seinem Namen alle Ehre: High Speed-British Metal mit einem wahren Donnergott McCoy. Mit der Spaßnummer "Shaving Cream" von den Split Knee Loons schließt die Werkschau des großen Rock-Bassisten.
Die würde noch mehr Spaß machen, wenn es nicht so große Soundschwächen gäbe. Es ist dem Booklet nicht zu entnehmen, ob irgendeine Nachbearbeitung stattgefunden hat, was allerdings bei einer solchen Produktion schon verwundert. Interessant ist, wer mit wem alles irgendwann mal zusammen gespielt hat, ein eigener kleiner Rock-Kosmos um den Bassman.
Die Veröffentlichung widmet McCoy seinen zwischenzeitlich verstorbenen Kollegen aus den verschiedenen Bands durch all die Rock'n'Roll-Jahre. Die Namensliste ist lang …
| Tracklist |
CD 1:
01:Walking Strong (Welcome)
02:Karrola (Zzebra)
03:1953 Austin Somerset (Quadrant)
04:Calling Out Your Name (The Coolies)
05:Big Boss Man (McCoy)
06:Not As Easy As It Seems (Samson)
07:Texas Modern (Neo)
08:Don't Be A Dummy (John du Cann)
09:Getting It Upside Down (V.H.F.)
10:Tomorrow Or Yesterday (Samson)
11:No Easy Way - alternative version (Gillan)
12:No Laughing In Heaven - alternative version (Gillan)
13:Restless - alternative version (Gillan)
14:M.A.D. - alternative version (Gillan)
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CD 2:
01:Play It Again (Atomic Rooster)
02:The Russians Are Coming (Joint Forces)
03:Hard Times (Torme, McCoy, Thunderstick)
04:Because You Lied (McCoy)
05:Free Mind (McCoy)
06:Temporary Threshold Shift (McCoy)
07:The Demon Rose (McCoy)
08:Fatman (Mammoth)
09:All The Days (Mammoth)
10:On And On (McCoy)
11:Josephine (McCoy)
12:I Know A Place (Sun Red Sun)
13:I Don't Want To Be Responsible (Sun Red Sun)
14:Mean Woman Blues (Paul Samson)
15:Cannonball (GMT)
16:Shaving Cream (The Split Knee Loons)
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Externe Links:
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