Ein von mir immer gerne angewandter und oft strapazierter Spruch lautet: »Das Auge hört mit!« Wenn dies im CD-Zeitalter auch nicht mehr ganz so relevant ist, so werde ich hier und da immer noch von einem Bandnamen wie vom Blitz getroffen. Dies war auch bei Medusa Stone der Fall. Warum?
Wahrscheinlich einfach nur reine Assoziation. Zum einen gibt es da nämlich dieses hammerstarke, zweite Album der Band Trapeze ( Glenn Hughes, Mel Galley und Dave Holland) mit dem Namen "Medusa". Naja, und die zweite Assoziation in eine Erklärung zu fassen, dürfte sich wohl erübrigen. Verraten sei schon mal, dass mich auch hier mein Auge nicht im Stich gelassen hat.
Medusa Stone aus Wilmington, North Carolina bieten bluesigen Rock mit rauem, souligem Gesang à la Chris Robinson von Justin Fox. Fast nicht zu glauben, dass diese Stimme zum Zeitpunkt der Aufnahmen gerade mal 19 Jahre jung war. Aber nicht nur das, Fox ist auch der sehr begabte Gitarrist dieses Power-Trios. Am Bass finden wir Dave Morse, der mit Jazz der alten Schule aufgewachsen ist und dann ist da noch Jeremy Summers an den Drums, der im
Alter von acht Jahren begann, auf die Felle einzudreschen und seitdem, so die Legende, seinen Drumhocker nur noch in Richtung Bad oder Schlafzimmer verlassen hat.
Äh...alles klar, liebes Infoblatt!
Zurück zum gleichnamigen eigenproduzierten Debüt-Album aus dem Jahr 2004: Wenn es Eines gibt, was man der Band vorwerfen könnte, dann, dass noch ein wenig die Eigenständigkeit fehlt. Einen ganz großen Einfluss auf den Dreier hatten offensichtlich die Black Crowes. Wenn ich bei den ersten Durchläufen der CD die Augen zugemacht und es nicht besser gewusst hätte, ich wäre mir sicher gewesen, es mit Chris Robinson ('Krähen'-Vokalist) in jungen Jahren zu tun zu haben.
Dass Justin Fox auch die legendären Stevie Ray Vaughan und Jimi Hendrix sehr oft gehört hat und liebt, wird ebenfalls ziemlich schnell klar. Nun, ein wenig Ausdauer ist erforderlich, aber wenn man seiner ersten Intuition, das Album als Black Crowes-Kopie zu verbannen, nicht nachkommt, dann wird "Medusa Stone" spätestens beim dritten Durchlauf und bei allen danach folgenden besser und besser. Der Bass und die Drums können nicht nur höllisch grooven, sondern sind auch ein Powerhouse vor dem Herrn. Dazu kommen Justin Fox' bereits erstaunliche Fähigkeiten an der Gitarre, wenn man mal sein Alter berücksichtigt.
Meine Anspieltipps sind "Stay The Night", bei dem die ganze Band brennt und Fox ein Killer-Solo hinlegt, sowie "My Oldest Friend", bei dem die Stevie Ray Vaughan-Einflüsse deutlich hörbar werden, das sehr gekonnte Tempi-Wechsel aufweist und der würdige Abschluss eines sehr starken und gelungenen Debüts ist. Okay, die Band war hier noch auf der Suche nach ihrem autarken, ganz eigenständigen Sound und das Songwriting ist auch noch nicht hundertprozentig ausgereift, aber wenn man von einem kleinen Fauxpas (die Melodie des Refrains bei "Can't Help But Stare" wurde direkt von einer Zeile des BC-Songs "Good Friday" übernommen) absieht, haben die Jungs hier trotzdem eine Granate abgeliefert.
Die Produktion und der Sound an sich finden die volle Zustimmung des Rezensenten, der seinen Rock am liebsten rau und mit Ecken und Kanten mag. Bezüglich der genannten Punkte, die noch verbessert werden können, bin ich aber auch sicher, dass genau dies in der Zukunft geschehen wird. Bei dem vorliegenden Potenzial mache ich mir da die wenigsten Sorgen.
Diese Band, wenn sie so zusammenbleibt, wird wachsen und gedeihen. Ich bin mir sicher, dass wir da noch einiges erwarten dürfen und werde ab sofort meine Augen offenhalten, um die Jungs vielleicht auch mal live zu erwischen.
Ein sehr gelungenes Debüt einer noch sehr jungen Band. Bin beeindruckt und gespannt, was da wohl als nächstes kommt!
Line-up:
Justin Fox (guitars, vocals)
Dave Morse (bass)
Jeremy Summers (drums)
Tracklist |
01:Whisper To Me
02:Blowing Smoke My Way
03:Mother Earth
04:Stuck Inside A Rainy Day
05:Stay The Night
06:Medusa's Ballad
07:Trend Setter
08:Can't Help But Stare
09:Claire
10:My Oldest Friend
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