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Irgendwie kommen die Mekons launisch rüber. Das fängt bereits beim Promotion-Material an, das den Rezensenten im Dunklen darüber lässt, welcher Musiker nun welches Instrument spielt. Worüber sich übrigens auch das allwissende Wikipedia ausschweigt. Aber da mag auch ein Konzept dahinter stecken, da man nachlesen kann, dass sich diese Truppe ohne wenn und aber als Kollektiv sieht und es bewusst vermeiden will, das (jeweils) einzelne Individuum hervorzuheben.
Zu erfahren ist immerhin, dass die Band 1977 im englischen Leeds gegründet wurde, etwa seit Mitte der achtziger Jahre in gleich bleibender Besetzung spielt, mit dem hier zu besprechenden Werk ihr bereits 26. (!!) Album vorlegt und dass die meisten der Mitglieder mittlerweile in den USA leben.
Und äußerst launisch kommt auch der Opener "Warm Summer Sun" rüber. Zu einer einsamen akustischen Gitarre gesellen sich 'Gequietsche' der Elektrischen und eigenwilliger, unmelodischer Gesang. Selbst wenn im Refrain die Drums etwas mehr Leben in diese Geschichte bringen, abheben tut diese Nummer auch nach vermehrten Hördurchläufen nicht. Das Bild ändert sich allerdings schlagartig mit dem folgenden "Space In Your Face", einem flotten Rocker mit psychedelischen Effekten. Aha, das hört sich doch schon ganz anders und wesentlich vielversprechender an.
Wie bereits der Album-Titel suggeriert, soll hier eine Brücke aus alten und neuen Songs gebaut werden. Ob tatsächlich auf bis zu einhundert Jahre altes Liedgut zurückgegriffen oder doch alle Stücke neu komponiert wurden, lässt sich mit den mir vorliegenden Informationen leider nicht eruieren. "Geeshie" hört sich dann allerdings tatsächlich wie aus einem längst vergangenen Jahrzehnt an. Lasziv jazziger (weiblicher) Gesang wird hier von Piano, einer Geige und shuffelnden Drums unterlegt. Nachtclub-Atmosphäre ... und das richtig gut gemacht.
Das Piano bleibt auch bei "I Fall Asleep" im Vordergrund, während die Engländer den folkigen, zweistimmig gesungenen Titel zum Besten geben. Das hat ebenfalls etwas, wenn man zugegebenermaßen auch in der richtigen Stimmung dafür sein muss. Was das Album unter anderem interessant macht, ist: Man hat oft das Gefühl, dass hier englischer mit amerikanischem Folk vermischt wird ("Afar & Forlorn"). Dann gibt es Stücke wie "The Devil At Rest", die zunächst eher sperrig erscheinen, sich erst nach mehrmaligen Anhören zu öffnen scheinen.
Auch der Titelsong wirkt ungewöhnlich und zieht nach sich, dass man ihn kaum in eine der gängigen Schubladen einordnen kann. Sehr gut kommt, dass bei den Songs oft mehrere Stimmen zum Einsatz kommen, wodurch das Aufmerksamkeits-Barometer immer im oberen Bereich gehalten wird. Eine Spur rockiger wird es wieder bei "Honey Bear", was für zusätzliche Abwechslung sorgt. Treibend schiebt das Schlagzeug diesen von coolen Breaks durchsetzten Song vor sich her und auch die Gesangsmelodien kommen richtig gut.
"Ancient & Modern 1911-2011" ist alles andere als ein Mainstream-Produkt, weshalb der geneigte Musik-Fan auf jeden Fall zunächst ein Ohr riskieren sollte, bevor er das Teil 'blind' ordert. Die Scheibe hat durchaus sehr interessante Aspekte zu bieten, eignet sich aber weniger zum Nebenbei-Hören. Man muss sich schon Zeit dafür nehmen und mehrere Hördurchläufe investieren. Meine Favoriten hören auf die Namen "Space In Your Face", "Geeshie" und "Afar & Forlorn". Dazu kommt die wirklich schöne Folk-Ballade "Arthur's Angel", die das Album sehr versöhnlich beendet. Und ihr wisst ja: Reinhören kostet nichts ...
Line-up:
Master J. D. Landfrog
Ambassador Lu Knee
Prince Erich Von Bellis
Lady Timms of Leeds
M Itch
Miss Sarah Spankhurst
The Marquess of Goulding
Dame Honeybear
Lord Tom Tom
With:
Louis Wrench and the Burlington Welsh Male Chorus (- #7)
Meiling (- #10)
| Tracklist |
01:Warm Summer Sun
02:Space In Your Face
03:Geeshie
04:I Fall Asleep
05:Calling All Demons
06:Ugly Bethesda
07:Ancient & Modern
08:Afar & Forlorn
09:Honey Bear
10:The Devil At Rest
11:Arthur's Angel
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