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The Members waren eine der vielen Londoner Punk-Bands, die im Jahr 1977 wie aus dem Nichts plötzlich auf der musikalischen Landkarte erschienen. Mit ihrem ersten Album "Sound Of The Suburbs" und der Single "Working Girl" konnten die Engländer damals einen richtig fetten Überraschungserfolg verbuchen, sodass sie neben anderem bezüglich Tourneen ordentlich herumkamen. Unter anderem spielten sie 1978 auch im Berliner Club Wild At Heart ein so wildes wie berauschendes Konzert. Danach ging es erfolgsmäßig leider bergab, die Plattenfirma verlor das Interesse und schließlich lösten sich die Members auf, um danach mehr oder weniger sporadisch wieder zusammen zu kommen.
So kam es dazu, dass die Punk-Rocker, mittlerweile auf Trio-Format geschrumpft, 2010 genau den gleichen Berliner Club wieder heimsuchten, den sie 32 Jahre davor zum ersten Mal wie ein Blizzard durchgewirbelt hatten. Und dieses Mal wollte man nicht den gleichen Fehler wie in der Vergangenheit machen und ließ das Konzert für eine spätere Veröffentlichung, das mir nun vorliegende "Live In Berlin", mitschneiden. Entgegen dem, was sich heute alles so Punk Rock nennt bzw. nennen darf, haben wir es bei den elf hier gebrachten Tracks mit dieser Stilrichtung in ihrer ursprünglichsten Form zu tun. Es gibt pro Song drei Akkorde, mit musikalischen Feinheiten wird sich nicht aufgehalten und 'schön' ist hier auch nichts.
Vielmehr wird schweißtreibender, typisch englischer Rock'n'Roll mit viel Dreck unter den Fingernägeln geboten. Dass diese drei Kollegen die 50 allesamt schon weit überschritten haben dürften, hört man ihrer Musik dabei überhaupt nicht an. Der Bass pumpt und macht ordentlich Druck, Neuzugang Nick Cash lässt hinter seiner Schiessbude kräftig die Löffel kreisen und die Gitarre setzt neben den Powerakkorden hier und da sogar noch richtig effektive Akzente. Es kommt zu Rückkopplungen, die Sechssaitige fiept teilweise ganz gefährlich aus den Ritzen und auch der Gesang liegt hier und da schon mal einen Ton daneben. Na und?
Das Wichtigste beim Punk Rock war immer schon die Attitüde, zwei ausgestreckte Mittelfinger in die Richtung einer Gesellschaft, die das Individuum einreihen will, gleichförmig machen will und ihm somit jede Individualität rauben möchte. Und über diese Attitüde verfügen The Members in Hülle und Fülle. Der Sound hört sich mit allen Stärken und Schwächen authentisch an und ich glaube nicht, dass da nachträglich noch rumgedoktert wurde. Die Kommunikation mit dem Publikum läuft gut und intensiv, wenn auch nicht nach jedem Song, was ja sowieso nicht sein muss. "Working Girl" war ihre alte Hit-Single und der Dreier lässt es sich natürlich nicht nehmen, diese Nummer ausgiebig zu zelebrieren.
Neben ihren Eigenkompositionen haben The Members auch einen Cover-Song in petto. Und dabei handelt es sich witzigerweise um "Das Modell", bzw. "The Model" von den Düsseldorfern Kraftwerk, hier natürlich in englischer Sprache zum besten gegeben. Der Bass übernimmt die Melodieführung, während die Gitarre - im Vergleich zum Original - die Akkorde nur unwesentlich schneller schrubbt. "I Ain Gon Be Yo Bitch No Mo'" ist ein durchaus witziger Rocker, der keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Und zwischen einem weiteren Fan-Favoriten ("The Sound Of The Suburbs") wurden dann mit "Bleak" und "Midlifecrisis" sogar noch zwei neue Songs vorgestellt, die kaum Qualitätsverluste erkennen lassen.
Wenn man ein Faible für den Punk Rock der Endsiebziger hat, kann man mit dieser Live-Scheibe der Members eigentlich gar nichts falsch machen. Sie waren ganz sicher auch vor 30 Jahren nicht unbedingt eine der besten Bands dieses Genres, aber die vorliegenden mehr als 50 Minuten gehen so richtig gut ab, machen Spaß und lassen die Hütte wackeln. Der Sound mag vielleicht nicht ganz so druckvoll sein, wie er hätte sein können, aber dafür bekommen wir ein authentisches Live-Werk vorgelegt. No bullshit, no overdubs, no cleaning up! Genau so, wie es sich am Abend der Aufnahmen angehört hat. Und alleine das ist doch zur Abwechslung mal so richtig schön erfrischend.
Line-up:
JC Carroll (vocals, guitar)
Chris Payne (bass, vocals)
Nick Cash (drums)
| Tracklist |
01:Muzak Machine
02:Soho A-Go-Go
03:New English Blues Part II
04:At The Chelsea Nightclub
05:Working Girl
06:I Ain Gon Be Yo Bitch No Mo'
07:The Model
08:Solitary Confinement
09:Bleak
10:The Sound Of The Suburbs
11:Midlifecrisis
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