Memories Of Machines / Warm Winter
Warm Winter Spielzeit: 49:49
Medium: CD
Label: Mascot Records, 2011
Stil: Art Pop, Ambient

Review vom 30.05.2011


Michael Knoppik
Wem No-Man ein Begriff ist, wird mit dieser Scheibe was anfangen können. Zumindest erst einmal thematisch. Denn Memories Of Machines ist ein Duo, bestehend aus Tim Bowness (No-Man) und Giancarlo Erra (Nosound). "Warm Winter" ist das Debütalbum des Duos, welches u.a. schon für deren jeweiligen Hauptprojekte zusammengearbeitet hat. Aufgenommen wurde die Platte in England, USA, Italien und Schweden.
Die Besetzungsliste der Gastmusiker liest sich wie das Who is Who der Progszene. Mit dabei sind Colin Edwin (Porcupine Tree), Peter Hammill (Van Der Graaf Generator), Julianne Regan (All About Eve), Jim Matheos (OSI / Fates Warning) und Ricard Huxflux Nettermalm (Paatos), die alle ihre musikalische Zutaten über das Internet beigesteuert haben. Zusätzlich haben u.a.
Steven Wilson und Robert Fripp (King Crimson) vor Ort mitgewirkt.
Bowness und Erra hatten bereits 2005 die Idee, zusammen etwas Musikalisches auf die Beine zu stellen. 2006 fanden sogar schon die ersten Aufnahmen statt, sodass wirklich lange an dem Werk gearbeitet wurde. Steven Wilson mischte das ganze natürlich zusammen. Der Mann hat halt keine Hobbys.
Jetzt ist die Frage, können No-Man-Kenner auch musikalisch mit der Platte etwas anfangen? Nun, das Label schreibt, dass das Album reich an Melodien, erhebenden Chorus und atemberaubenden Gitarrensoli ist, sowie ätherische Ambient Experimente wie eindringliche, erzählende Songs enthält. So ein Label kann aber viel schreiben, da es seine eigenen Platten gut verkaufen möchte.
Man kann es aber auch kurz fassen: Man lege No-Mans "Together We're Stranger" immer und immer wieder auf und schriebe und produziere daraufhin auf dieser Basis ein neues Album. Fertig ist das Endprodukt. Denn genau diese zerfahrene, schwebende Eigenschaft, die No-Mans Meisterwerk auszeichnet, enthält auch "Warm Winter" von Memories Of Machines. Die Musik fließt im Slowtempo dahin. Sanfte Pop-Songs, die durch Ambient-Elemente veredelt werden.
"Beautiful Songs You Should Know" wartet wie "Schoolyard Ghosts" (hier hat man sich einfach einen Albumnamen von bekannter Stelle geliehen) mit Violine auf. Im Titeltrack treten die Singer/Songwriter-Elemente eher zum Vorschein. Die Gitarrenakkorde sind sehr simpel, aber die elegisch-dahinfließende Komponente setzt dem Song den No-Man-Stempel auf, und das Gitarrensolo ist großartig. In "Lucky Me, Lucky You" wird die Gitarre richtig bluesig. Bowness' Stimme klingt aber wie in jedem anderen Song immer gleich. Das vokale Spektrum des Musikers ist ohnehin begrenzt auf eher gehauchten, geflüsterten Gesang. Auch "Change Me Once Again" plätschert angenehm dahin. Mit den berühmten Klanglandschaften und einem floydigen Gitarrensolo.
Manchmal, wie beim Wechsel vom ersten zum zweiten Track, merkt man gar nicht, dass ein neuer Song beginnt. Und oft wird sich mit dem Aufbau der Stücke viel Zeit gelassen. Der Abschlusstrack zum Beispiel beginnt nahezu mit zweiminütiger Stille.
Der Strudel, der Sog in dem man nach mehrfachem Auflegen von "Together We're Stranger" landet, ist auf "Warm Winter" leider schwächer. Das Suchtpotenzial geringer. Die Platte ist insgesamt gut und der No-Man-Fan kann locker zwei RockTimes-Uhren draufaddieren! Aber aus objektiverer Sicht ist das Ding nur 6 von 10 RockTimes-Uhren wert! Besonders im Prog-Bereich und dessen Umwelt kann eigentlich mehr Innovation erwartet werden.
Line-up:
Tim Bowness (vocals)
Giancarlo Erra (vocals, guitars, keyboards)

Guests:
Aleksei Saks (trumpet)
Andi Pupato (percussion)
Peter Hammill (guitar)
Robert Fripp (soundscapes)
Colin Edwin (bass guitar)
Steven Wilson (guitar, keyboards)
Jim Matheos (guitar)
Ricard Huxflux Nettermalm (drums)
Tracklist
01:New Memories Of Machines
02:Before We Fall
03:Beautiful Songs You Should Know
04:Warm Winter
05:Lucky Me, Lucky You
06:Change Me Once Again
07:Something In Our Lives
08:Lost And Found In The Digital World
09:Schoolyard Ghosts
10:At The Centre Of It All
Externe Links: