Wem
No-Man ein Begriff ist, wird mit dieser Scheibe was anfangen können. Zumindest erst einmal thematisch. Denn
Memories Of Machines ist ein Duo, bestehend aus
Tim Bowness (
No-Man) und
Giancarlo Erra (
Nosound). "Warm Winter" ist das Debütalbum des Duos, welches u.a. schon für deren jeweiligen Hauptprojekte zusammengearbeitet hat. Aufgenommen wurde die Platte in England, USA, Italien und Schweden.
Die Besetzungsliste der Gastmusiker liest sich wie das Who is Who der Progszene. Mit dabei sind
Colin Edwin (
Porcupine Tree),
Peter Hammill (
Van Der Graaf Generator),
Julianne Regan (
All About Eve),
Jim Matheos (
OSI /
Fates Warning) und
Ricard Huxflux Nettermalm (
Paatos), die alle ihre musikalische Zutaten über das Internet beigesteuert haben. Zusätzlich haben u.a.
Steven Wilson und
Robert Fripp (
King Crimson) vor Ort mitgewirkt.
Man kann es aber auch kurz fassen: Man lege
No-Mans "Together We're Stranger" immer und immer wieder auf und schriebe und produziere daraufhin auf dieser Basis ein neues Album. Fertig ist das Endprodukt. Denn genau diese zerfahrene, schwebende Eigenschaft, die
No-Mans Meisterwerk auszeichnet, enthält auch "Warm Winter" von
Memories Of Machines. Die Musik fließt im Slowtempo dahin. Sanfte Pop-Songs, die durch Ambient-Elemente veredelt werden.
"Beautiful Songs You Should Know" wartet wie "Schoolyard Ghosts" (hier hat man sich einfach einen
Albumnamen von bekannter Stelle geliehen) mit Violine auf. Im Titeltrack treten die Singer/Songwriter-Elemente eher zum Vorschein. Die Gitarrenakkorde sind sehr simpel, aber die elegisch-dahinfließende Komponente setzt dem Song den
No-Man-Stempel auf, und das Gitarrensolo ist großartig. In "Lucky Me, Lucky You" wird die Gitarre richtig bluesig.
Bowness' Stimme klingt aber wie in jedem anderen Song immer gleich. Das vokale Spektrum des Musikers ist ohnehin begrenzt auf eher gehauchten, geflüsterten Gesang. Auch "Change Me Once Again" plätschert angenehm dahin. Mit den berühmten Klanglandschaften und einem
floydigen Gitarrensolo.
Manchmal, wie beim Wechsel vom ersten zum zweiten Track, merkt man gar nicht, dass ein neuer Song beginnt. Und oft wird sich mit dem Aufbau der Stücke viel Zeit gelassen. Der Abschlusstrack zum Beispiel beginnt nahezu mit zweiminütiger Stille.
Der Strudel, der Sog in dem man nach mehrfachem Auflegen von "Together We're Stranger" landet, ist auf "Warm Winter" leider schwächer. Das Suchtpotenzial geringer. Die Platte ist insgesamt gut und der
No-Man-Fan kann locker zwei
RockTimes-Uhren draufaddieren! Aber aus objektiverer Sicht ist das Ding nur
6 von 10 RockTimes-Uhren wert! Besonders im Prog-Bereich und dessen Umwelt kann eigentlich mehr Innovation erwartet werden.