The Mercy Brothers / Strange Adventure
Strange Adventure Spielzeit: 69:24
Medium: CD
Label: CoraZong, 2006
Stil: Roots

Review vom 16.10.2006


Joachim 'Joe' Brookes
Gesucht, gefunden: Barrence Whitfield, bekannt als hervorragender Sänger und Kopf der Band Barrence Whitfield & The Savage, traf in den Staaten auf den Gitarristen Michael Dinallo (ex-Radio Kings). 2002 tourte man gemeinsam mit dem norwegischen Gitarristen Vidar Busk durch Norwegen und 2003 wurde das Album "Strange Adventure" unter dem Bandnamen The Mercy Brothers aufgenommen.
Das niederländische Label CoraZong bringt die CD nun mit einer Bonus-Abteilung auf den europäischen Markt.
The Mercy Brothers verkörpern musikalische Kraft, -Aussage und Feeling. Auch das Retro-Cover ist stimmig, denn der Inhalt dieser tollen CD ist amerikanische Roots-Musik par excellence.
Als wenn es ein eigener Titel wäre, zelebrieren Whitfield und Dinallo, mit Verstärkung in Form von Tim Taylor (harp) Blind Willie McTells (1901-1959) "Broke Down Engine".
Da kommt "Night Train To Memphis" gerade recht. Auch diesen Klassiker machen Whitfield, der mit bürgerlichem Namen übrigens Barry White heißt, und Dinallo als (fast) rein akustische Fassung zu einem Spotlight der CD. 'Fast' deswegen, weil dann das mit Samtfingern gespielte Solo Vidar Busk an der elektrischen Gitarre gehört.
Bleiben wir doch dann direkt bei den Coversongs: Eröffnet wird "Strange Adventure" mit "Another Man Done Gone" (Vera Hall / Alan Lomax), einem Song den von Savoy Brown über Jorma Kaukonen und Harry Belafonte bis hin zu Johnny Cash in ihrem Repertoire haben.
So ist schon die Einleitung mehr als gelungen.
Die weiteren sieben Tracks der CD stammen ausschließlich aus Michael Dinallos Feder und bestätigen ein ums andere Mal, welch ein herausragender Songwriter er ist, denn durch seine Nummern wird jedem Hörer wie in einem blank poliertem Spiegel amerikanische Country-, Folk-, Gospel- und Bluesmusik widergespiegelt.
Die Rhythmus-Fraktion, die hier ganze Arbeit leistet, muss selbstredend auch Erwähnung finden: Paul Kochanski (drums) und Andy Plaisted (acoustic bass) sind stets auf der Höhe der Dinge und wissen über die gesamte CD zu überzeugen. Ebenso Tim Kelly, der für einige Intermezzi zur Dobro greift. Der bereits oben erwähnte Tim Taylor gefällt immer wieder durch seine versierten Harp-Einsätze.
Alleine schon "Down That Road", im Zusammenhang mit "Broke Down Engine" ist sein Geld wert.
Auch wenn es nicht im schön aufgemachten Digi-Pack vermerkt ist, "Strange Adventure" vermittelt den Eindruck, als wenn es live im Studio eingespielt worden wäre. Man kann förmlich die Studioluft schnuppern und spüren.
Mit "Misery Train" und dem 'Schlussakkord' "Mr. Johnson" werden wir aus der Original-CD entlassen. 10 Tracks, die allesamt als Schmückstücke einzustufen sind!
Vielschichtig und abwechslungsreich. In jeder Nummer gibt es etwas zu entdecken. "Strange Adventure" muss man sich nicht 'erarbeiten'.
Was dann folgt, sind zunächst sechs Live-Aufnahmen der Mercy Brothers-Tour aus dem Jahr 2003, aufgenommen im Muddy Waters in Oslo.
Die Rock'n'Roll-Nummer "Long Black Train", mit der Eisenbahn scheinen es die Mercy Brothers zu haben, eröffnet die Bonus-Tracks. Der Übergang zum Live-Material ist nahtlos, auch wenn mit Bill Troiani (electric bass) und Martin Winstad (drums) zwei andere Musiker tätig sind und es weder eine Dobro noch einen Harp-Ton zu hören gibt.
Mit Woody Guthries "California Stars" landet die Band einen Volltreffer. Die Vermutung, dass "Strange Adventure" live im Studio eingespielt wurde, bestätigt sich.
Da ist sie wieder, diese Ohrwurm-Melodie von "The New Year Blues". Barrence Whitfield hat vorher bereits zigmal verdeutlicht, über welch ein Feeling und Flexibilität seine Stimme verfügt. Offensichtlicher als in "The New Years Blues" und dem folgenden "Down That Road" kann es nicht belegt werden.
Im Traditional "Pallet On The Floor" greift auch Michael Dinallo zur elektrischen Gitarre und der Spaßfaktor wird gegen Ende der CD abermals nach oben geschraubt. Vidar Busk und Dinallo ergänzen sich prächtig. Have mercy!
Die Bonus-Fraktion und damit das gesamte Album wird mit einem Studio-Demo der Mercy Brothers pur, im Duo, beendet. "Tennessee Blues", wieder von Michael Dinallo geschrieben, muss man mögen, genauso wie die gesamte CD.
The Mercy Brothers haben mit "Strange Adventure" ein Kleinod geschaffen, das aus dem Zentrum der musikalisch konzentrischen Kreise wie eine Wurfscheibe in die Öffentlichkeit katapultiert werden muss. Obendrein heißt es: Augen auf! Eine Europa-Tour der Mercy Brothers für Februar 2007 ist in der Mache.
Ich habe fertig.
Line-up:
Barrence Whitfield (vocals)
Michael Dinallo (acoustic-/electric-/baritone guitar)
Vidar Busk (electric guitar)
Paul Kochansk (acoustic bass)
Andy Plaisted (drums/percussion)
Tim Kelly (dobro)
Tim Taylor (harmonica)
Bill Troiani (electric bass - #11, 12, 13, 14, 15, 16)
Martin Winstad (drum - #11, 12, 13, 14, 15, 16)
Tracklist
01:Another Man Done Gone (3:30)
02:Stay Away From My Door (3:15)
03:Down That Road (3:36)
04:I Believe I'll Make A Change (2:50)
05:The New Year Blues (3:35)
06:Broke Down Engine (4:32)
07:Working On The Line (3:28)
08:Night Train To Memphis (5:13)
09:Misery Train (4:06)
10:Mr. Johnson (5:34)

Bonus Tracks (live at Muddy Waters, Oslo):
11:Long Black Train (3:36)
12:California Stars (4:48)
13:The New Year Blues (4:01)
14:Down That Road (4:03)
15:Misery Train (3:41)
16:Pallet On The Floor (6:32)

Studio Bonus Track:
17:Tennessee Blues (3:11)
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