Michael Miller / I Made You Up
I Made You Up Spielzeit: 47:52
Medium: CD
Label: Shiny Shiny Records, 2009
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 07.03.2010


Joachim 'Joe' Brookes
"I Made You Up" ist Michael Millers zweite Langrille.
Viel gibt es über den Sänger, Gitarristen und Komponisten nicht zu erzählen. Man liest, dass er bereits mit sechs Jahren Lieder schrieb, nun gerne für ihn fremde Teile der Welt erkundet, dort mit den Leuten lebt und diese Erfahrungen natürlich in seine Songs einfließen lässt.
Kaum Luft zum Atmen gibt ihm sein aktueller Tourkalender. Der ist vollgestopft mit Terminen und das kann ja nur ein Zeichen für gute Musik sein. Oder?
Beim ersten Hören wirkte die Miller-Musik nicht spritzig, aber sympathisch.
Wo war er denn auf seinen Erkundungsfahrten?
Zweimal gibt er uns geografische Tipps, denn "Gomer Put Your Fist Down" ist zum Ende hin ein wenig mit indisch angehauchten Klängen durchsetzt. Wenn man will, ist der zweite Song, mit dem Titel "Between Us And Them" streckenweise mit viel Wohlwollen von indianischen Rhythmen durchsetzt.
Alle anderen Songs lassen keine weiteren Hinweise zu.
Die zehn Kompositionen sind fein gesponnene Musikdramen.
Um es ein wenig überspitzt auszudrücken, verleiht "I Made You Up" Flügel... für die Seele. Das ist vielschichtig bewegte Gefühlsakustik in zehn Aufzügen. So etwas als Rock zu bezeichnen, wäre am Ziel vorbei geschossen. Ambiente würde eher passen, wenn sich Orgeln, Melltron, Chamberlin, Synthesizer, Spielzeugpiano oder das Harmonium ein Stelldichein der Sounds bieten.
Das Album ist ein Riesenangebot an Wohlfühl-Klängen. Miller liefert passable Kulissen für Träumereien. Musik wird mit echtem Feeling präsentiert, allerdings auf einem gleichförmigen Level. Übertragen auf Personen, würde man von ausgeglichen sprechen.
Zum Teil sind einige Songs mystische Klänge mit poetischen Texten.
Dabei ist Miller mit einer guten Stimme gesegnet. Damit kann er problemlos auch höherere Lagen erreichen. Über einen Wert von zwei auf der nach oben offenen Tonusskala kommen die Stücke nicht hinaus. Wie ein Kind, das von seinen Eltern aus dem Spielparadies abgeholt werden möchte, findet man ein vereinsamtes E-Gitarrenriff im Umfeld von Stevie Blackes (Beck, Madonna) Streicherinstrumenten. So etwas kommt in "Munkie" vor und man fragt sich: Was zum Teufel ist ein Marxophone? Aha, eine bundlose Zither! Und warum hört man dieses Instrument nicht? Da ist ein Patrick Warren (Fiona Apple, Tom Waits), der mit seinen anderen Arbeitsgeräten wie ein Verputzer so ziemlich alles andere überdeckt.
Der Hörer muss Michael Miller ein Kompliment aussprechen, daran führt kein Weg vorbei.
Mit welcher Rhythmik im Gleichschritt er uns durch die zehn Tracks führt, hat Qualität. So etwas schaffen nicht viele Künstler. Luxuriös arrangierte Lieder mit mäßig fesselnder Dramatik sind angesagt. Ein flottes Spektakel sucht man genauso vergebens wie grelle Farben.
Seine Begleitmusiker sind Alleskönner.
Mit von der Partie sind unter anderem Eric Heywood (Ray LaMontagne, The Pretenders), Lyle Workman (Jellyfish, Sting) oder Jami Raffee (The Wallflowers, Foo Fighters).
Konturen hat das Album... typisch Miller eben.
Wunderbar warmherzig, mehr oder weniger fantasievoll gestylt, erlaubt uns der Kalifornier Einblick in sein Seelenleben. Dem Mann scheint es richtig gut zu gehen. Nur kommen mir seine gefühlvollen Inszenierungen zu schablonenhaft daher.
"I Made You Up" ist emotionales Epos, in dem verträumte Postkartenmotive in Töne umgesetzt werden. Der Protagonist liegt in seiner weit geöffneten Muschel und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Es kommt echt selten vor, aber Millers Platte kann ich mir nicht am Stück anhören. Einen Braten schneidet man ja letztendlich auch in Scheiben...
Line-up:
Michael Miller (vocals, acoustic guitar)
Julian Adam Zimmon (electric guitar, 12-string electric guitar, acoustic guitar)
Ben Peeler (electric guitar, lap steel, mandolin, banjo)
Lyle Workman (acoustic guitar, glissentar)
Mike Roe (slide guitar, electirc guitar, backing vocals)
Eric Heywood (pedal steel guitar, mando guitar, electirc guitar)
Rami Jaffee (piano, keyboards, celestre, bells, Hammond B3, pump organ, harmonium)
Albert Sterling Menendez (synthesizer)
Patrick Warren (chamberlin, piano, organ, pump organ, mellotron, celestre, tony piano, chamberlin strings, marxophone)
Stevie Blacke (esraj, violin, cello)
Dan Rothchild (bass, upright piano)
Joe Ongie (bass)
Brendan Buckley (drums, percussion, bells, vibraphone, pump organ, synthesizer, vocoder, keyboards, Wurlitzer, mellotron, claps, tabla machine)
The Lonely Hearts Choir:
Kristin Mooney, Amy Correia, Pete Yorn, Tracy Bonham, Jeremy Toback, Brendan Buckley, Mari Jaramillo, Joel Graves, Johnny Scaglione, Mike Roe, Marc Dauer, Butch Norton, Mark Johnson
Tracklist
01:I Made You Up (4:17)
02:Tipsy (3:34)
03:Between Us And Them (5:26)
04:Sweetness (4:20)
05:Munkie (4:40)
06:Carolina Skyline (5:18)
07:Gomer Put Your Fist Down (4:46)
08:Sutures (5:22)
09:Alas I Am Your Dirty Secret (2:48)
10:Million Lonely People (6:00)
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