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Klotzen muss man können. Misty Range aus Norwegen machen keine Musik, die aus dem Kühlschrank kommt. Ihr Heimatland scheint das Duo zu inspirieren. Die Höhenflüge von Arve Paulsen sowie Stig Rennestraum sind vortrefflich konstruierte Space- und Psychedelic-Trips, die nicht am Reißbrett, sondern im Herzen der beiden Musiker entstanden sind. Die Namen der Titel sind einfallslos, aber originell. Oder steckt eine Botschaft dahinter, die sich mir nicht erschließen will? Wie dem auch sei, Misty Range lässt einem auch keine Zeit zum Nachdenken, denn was dem Hörer bereits im ersten Track entgegenkommt, ist ein klangliches Gewitter, das sich unmittelbar über einem mit aller Kraft entlädt.
Die Gitarren scheinen an zig parallelgeschaltete Effektgeräte angeschlossen zu sein und Misty Range haut eine bestens formatierte Stoner Rock-Nummer raus. In den siebeneinhalb Minuten spielt der Gesang eine untergeordnete Rolle. Verstehen kann man von Paulsens verfremdeter Stimme eh nichts. Was allerdings auf dem Sechssaiter zustande gebracht wird, ist bombastisch.
Die allgemein verdächtigen Bands aus den Sechzigern beziehungsweise Siebzigern müssen im Zusammenhang mit Misty Range gar nicht erwähnt werden, denn die Ideenschmiede des Duos ist ziemlich eigenständig, auch wenn man mit dem einen oder anderen Refrain knietief in den besagten beiden Dekaden steckt.
Das Duo hat sich bei einigen Musikern tatkräftige Unterstützung geholt. Orgel, Gitarre und Gesang werden forciert und selbst in vermeintlich ruhigeren Fahrwassern ist die Gruppe ein Überzeugungstäter. Ein Bass findet sich nicht im Instrumentarium und dennoch klingt es stellenweise nach Peter Hooks ( Joy Divison, Freebass) Tieftöner.
Wow, diese Orgel in "19:21" muss man gehört haben. So etwas macht sich in Kooperation mit der Gitarre enorm gut und ganz allgemein sind die zehn Kompositionen richtig spannend. Ob punkig, rockig, spacig oder psychedelisch macht Misty Range auch Unpassendes passend. "19:17", einer der beiden Bonus Tracks, auch hier weiß ich nicht, warum die beiden letzten Nummern Extraausgaben sind, geht Stig Rennestraum mit seinen Beats ein hohes Tempo und die Gitarre schlendert verträumt durch den Äther. Zum Ende hin sind alle Instrumente von der Geschwindigkeit her ziemlich deckungsgleich.
Paulsen hat zusammen mit Marcus Forsgren ( The Lionheart Brothers, Jaga Jazzist) produziert und Ray Staff ( Primal Scream, T.Rex) hat gemastert. Das Statement aus dem Informationsblatt »Das Duo Arve Paulsen und Stig Rennestraum hat eine Formel gefunden, die nachhaltig beeindruckt«, kann nur unterschrieben werden.
Misty Range ist experimentierfreudig und weiß sehr wohl, wie weit man den Bogen spannen darf, ohne die Sehne zum Reißen zu bringen. "19:02" ist musikalisches Nervenfutter. Ähnlich wie in "19:17" befindet sich Rennestraum auf der Sprintstrecke und die Saitenklänge schrauben sich gemächlich in spacig-rockige Höhen.
Die Platte des Duos Misty Range ist ein Schmelztiegel an Sound-Ideen, die man für den Hörer in tollen Songs umgesetzt hat. Knüppelhart sind die Beats. Von Groove ist weit und breit keine Spur zu hören und so etwas erwartet man auch gar nicht bei dieser Band. Schwer vorstellbar ist es, diese Musik als Duo auf die Bühne zu bringen. Da braucht es doch meines Erachtens mehr als nur vier Hände. Die vorliegende Studioplatte ist jedenfalls toll.
Line-up:
Arve Paulsen (vocals, guitars, ace organ, flute, bows, sound scafes)
Stig Rennestraum (drums, percussion)
Emile Nikolaisen (guitar, screams - #1)
Ingunn Paulsen (background vocals - #2)
Marcus Forsgren (organ - #5,7, background vocals - #3)
Sondre Bjordal (ace organ - #5)
Lena Nymark (backing vocals - #10)
| Tracklist |
01:19:23 (7:30)
02:19:03 (3:37)
03:19:08 (3:38)
04:19:22 (2:57)
05:19:25 (3:59)
06:19:02 (4:35)
07:19:07 (5:08)
08:19:21 (4:08)
Bonus Tracks:
09:19:17 (3:49)
10:19:18 (3:57)
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Externe Links:
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