Moon Coven / Amanita Kingdom
Amanita Kingdom Spielzeit: 34:30
Medium: EP
Label: Transubstans Records (Record Heaven), 2014
Stil: Stoner Rock

Review vom 22.01.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Allgemein gibt es für den ersten Eindruck ja keine zweite Chance. Die EP "Amanita Kingdom" erzeugt nach dem ersten Durchgang nur Fragezeichen, die ein etwas fades, mit einem komischen Beigeschmack versehenes Aussehen haben. Bei Stoner Rock-Bands aus den skandinavischen Breitengraden kann ja kaum was schiefgehen ... meint man. Der Moon Coven-Silberling hatte vielleicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort den Weg in den Player gefunden. Allerdings gibt es bei der Musik, zumindest was Tonträger angeht, durchaus eine zweite und weitere Chancen. So war es natürlich auch bei vorliegender Platte der Fall.
Trotz mehrerer Sitzungen bleiben dennoch in den über vierunddreißig Minuten und insgesamt fünf Kompositionen mehr oder weniger große Sandkörner im Getriebe des Stoner Rock-Monsters mit Sludge-psychedelischen Tentakeln.
Wenn man an einigen Stellen der "Amanita Kingdom"-EP durchaus psychedelisch-hypnotische, sich ständig wiederholende Klangbilder erzeugt, können diese doch eine gewisse Tristesse nicht verbergen. Da werden heftig rotierende Gitarrenriffs von gleich drei Musikern zu einem Durchhaltetest für die Nervenstränge.
So könnte man sinnbildlich sagen, dass einen der vehemente Opener "Ruler Of Dust" nicht unbedingt wegen herausragender musikalischer Wendungen aus den Puschen haut. Weder der bis zum Anschlag verzerrte Gitarrensound im Solo noch der emulgiert-verfremdete Gesang von David Leban machen Staat. Bei diesen Klang-Wänden sucht der Hörer verzweifelt nach Haltegriffen, findet sie aber leider nicht.
Allerdings sollte vielleicht an dieser Stelle erwähnt werden, dass es auch sehr interessante Songs (oder Teile davon) auf der Platte gibt. Alleine bei der bereits erwähnten Spielzeit wäre man bei so manch anderer Band schon bei einem kompletten Album ausgekommen. Der Titelsong "Amanita Kingdom" mag etwas besser gefallen, allerdings hat sich die Band abermals für ein verzerrtes E-Gitarrensolo entschieden. Hier ist eine Wiederholung nicht das Gelbe vom Ei. Ab "Amanita Kingdom II" beginnt die Platte interessant zu werden. Aus einem ruhigen und überzeugenden Start wird ein Szenario kreiert, das einen bei der Stange hält. Der Gesang hat einen klareren Klang und mit sehr guten dynamischen Mitteln werden die etwas über acht Minuten aus meiner Sicht zur ersten richtigen Duftmarke von Moon Coven.
"East" punktet durch einen deutlichen Mehrwert an Melodie. David Lebans Gesang befindet sich jetzt gleichberechtig, auf einer Höhe mit den Sechssaitern. Dafür klingt das Schlagzeug jetzt bedenklich hölzern. Phasenweise wirkt es wie ein Fremdkörper in der Nummer. Beim Gitarren-Alleingang hat man die Effekthascherei um einige Grade heruntergeschraubt, was die Angelegenheit schließlich angenehmer macht.
Der letzte Track zieht den Moon Coven-Karren dann doch noch (zum Teil) aus dem Stoner Rock-Dreck. Bei angenehmem Tempo und von der akustischen Gitarre angetrieben, wird "We Were Conquerors" noch zu einem finalen Genuss. Geht doch! Man musste nur etwas länger warten, bis der Hörer zum Höhepunkt der EP kommt. Das Gütesiegel für diesen Song kann allerdings nicht die vielschichtigen Wogen der Fehlschläge in den ersten Nummern glätten.
Mit "We Were Conquerors" würde Moon Coven bei einem Stoner Rock-Kompositions-Wettbewerb definitiv auf den vorderen Plätzen rangieren. Mit der kompletten EP wären sie unter ferner liefen gelandet. Nur dabei sein war dann der Zweck der Übung.
Trotz des nicht gerade als toll zu bilanzierenden Gesamteindrucks, hat Moon Coven durchaus das Zeug, um aus den positiven Merkmalen ihrer Musik in Zukunft einen größeren Nennwert herauszuspielen. Warten wir also ab, was das Quintett in Zukunft zu bieten hat.
Line-up:
David Leban (vocals, guitar)
Axel Ganhammar (guitar)
Justin Boyesen (guitar)
Frederik Dalqvist (drums)
Oscar Johansson (bass)
Tracklist
01:Ruler Of Dust (7:21)
02:Amanita Kingdom (7:05)
03:Amanita Kingdom II (8:02)
04:East (6:39)
05:We Were Conquerors (5:23)
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