The Mutants / Grave Groove
Grave Groove Spielzeit: 42:46
Medium: CD
Label: Spinefarm, 2008
Stil: Instr. Rock

Review vom 04.07.2008


Joachim 'Joe' Brookes
The Mutants bezeichnen ihre Musik selber als 'Afro-Garage-Mambo' und auf ihrer Homepage steht darüber hinaus 'Instrumental Madness from Finland'.
In diesem Mutantenstadl veränderten sich auch die bürgerlichen Musikernamen zu W. Abnormal, Lance Tougher, Jack Europa oder El Toro.
Bleiben wir bei der Mutation, handelt es sich auch um genmanipulierte Musik, die sich aus spacigem Rock, psychedelischem Blues und anderen Ingredienzien aus den Sechziger- und Siebzigerjahren wie Soul und Funk zusammensetzt.
Das Bild auf der Startseite ihrer Homepage verbindet man mit einer Filmszene.
Den Danksagungen im Booklet zufolge, wie könnte es auch anders sein, existieren noch mehr Interessenvertreter dieser abgedrehten Musik: Vanessa & Las Curvettes, Olli & Los Banditos, Vlad & Sick Sick Sinners, um nur einige zu nennen.
Der Mutants-Zirkus ist eine gigantische Parade an instrumentalen Kompositionen, die manchmal darin gipfelt, zuweilen schon einmal Gehörtes verarbeiten zu dürfen.
Ab und an verlieren die Musiker, ob ihres Spieltriebes, die Bodenhaftung und lassen ihre klangliche DNA ziemlich willkürlich, sprich, frei improvisiert, auf den Hörer los.
Das Mutants-Konzept ist allerdings nicht bis auf den letzten Punkt stringent, weil es letztendlich doch kein Instrumental-Album geworden ist.
Bereits im griffig-riffig-rockigen zweiten Song der "Grave Groove"-CD, "Outerspace Odyssey" steht Rayman Dale am Mikrofon und singt zusammen mit El Toro einen Lalala-Chorus.
Die Gangster-Trilogie "… Meadow Hill" findet, nach "The Ghost Of Meadow Hill" von ihrem Album "Death Cult" (2003) in "Queen Of The Meadow Hill" ihre Fortsetzung und mit abgrundtiefer Stimme spricht Nadi Hammouda den Text.
Die musikalische Mutation dieser Story ist wirklich spannend gemacht und hat einen tollen Groove. Martti Vesala bläst eine herrliche Trompete, die stellenweise effektvoll verändert klingt. Die E-Gitarren versorgen den Track mit ausreichenden Melodie-Molekülen und für das Ende wählt man ein jazziges Flair, wobei Vesala sein Instrument mit Dämpfer spielt.
Im mit funkiger Wah Wah-Gitarre und unerhört guten Keyboards gespielten Rausschmeißer "Dark Galaxy" kann ich leider keine Rayman Dale-Vocals, die im Booklet (mit 70er-Jahre-Tapetenmuster) aber angekündigt werden, registrieren. Vielleicht ist man an dieser Stelle etwas zu weit gegangen und hat seine Stimme Mutations-technisch so sehr verändert, dass sie zu etwas anderem geworden ist. Was immer es sein mag, das Stück ist klasse und mit Vesala ist eine gute Wahl getroffen worden, denn sein Trompeten-Sound fügt sich als Atom perfekt in den Mutants-Molekül-Verbund ein.
Großes Kino ist "Nacht im Café Ohne", dessen Einleitung an den Einzug irgendwelcher Gladiatoren erinnert. Beeindruckend sind abermals die simpel-schönen Melodien der Gitarren, die auch mal verzerrt klingen dürfen.
Mit seiner Fantasie am Ende war der Schöpfer von "El Matador Del Diablo", W. Abnormal, wohl, denn zumindest die Einleitung mit der akustischen Klampfe (El Toro?) hat tatsächlich iberisches Flair. Ansonsten ist das Stück dramatisches Instrumental-Theater pur und die Spielwiese von Saxofonist Jack Europa. Über die Spitznamen könnte ich mich beömmeln!
"Kalkutta" ist eine mit viel perkussiver Rhythmik versehene Hard Rock-Inszenierung. Überall Riffs mit einer richtig schönen Abnormal-Retro-Orgel und einem geilen Gitarren-Solo. Danach gibt es einen abgefahrenen Improvisationsteil…
Wenn Iron Butterfly, eine bluesige Slide-Gitarre und fette Hammond-Klänge mutieren, führt das zu "CMC (Carlos Muchas Cervezas)". Mehr Veränderung geht nicht! Klasse!
The Mutants schreiben und spielen Musik-Geschichten in abgedrehten, antörnenden Fassetten und Arrangements.
Dafür schicken wir 8 von 10 RockTimes-Uhren nach Helsinki und das Quintett kann beruhigt unsere Uhren zufrieden lassen, denn die sind äußerst resistent gegenüber Gen-Veränderungen…
Line-up:
W. Abnormal (organs,guitar)
Lance Tougher (drums, percussion)
Jack Europa (saxophone, guitars)
El Toro (guitar)
Bob Riappola (bass)

With:
Nadi Hammouda (vocals - #4)
Rayman Dale (vocals - #2, 8)
Victor Stereo (trombone - #6, 8)
Martti Vesala (trumpet - #6, 8)
Tracklist
01:Wham (5:26)
02:Outerspace Odyssey (5:02)
03:El Matador Del Diablo (6:59)
04:Queen Of The Meadow Hill (3:56)
05:Kalkutta (5:08)
06:Nacht im Café Ohne (5:09)
07:CMC (Carlos Muchas Cervezas) (4:50)
08:Dark Galaxy (6:10)
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