Simon McBride / Since Then
Since Then Spielzeit: 56:57
Medium: CD
Label: Nugene Records, 2010
Stil: (Southern) Blues Rock

Review vom 01.12.2010


Norbert Neugebauer
Vor zwei Jahren hat Simon McBride seinen Erstling "Rich Man Falling" veröffentlicht, der von der Kritik recht wohlwollend aufgenommen wurde. Als gitarrespielender Blues Rocker aus Irland wurden natürlich sofort die Vergleiche mit seinen berühmten Landsmännern Rory Gallagher und
Gary Moore gezogen. Aber diese Art von 'Promotion' hat er gar nicht nötig. Mit 15, bereits als offizieller Endorser von PRS, wurde er in Großbritannien zum 'Young Guitarist Of The Year' gekürt und anschließend von den Belfaster Metallern Sweet Savage 'getradet'. Aber auch das mag er nicht mehr so gern hören, denn 'seit dem' ("Since Then") ist viel passiert. Dass er trotzdem damit kokettiert, muss ja niemand stören…
Auf der Liste der Größen, mit denen er in den nächsten Jahren zusammengearbeitet hat, finden sich Namen wie Slash oder Steve Lukather; später ging er dann als Support von Jeff Beck,
Joe Bonamassa und Joe Satriani auf Tour, was unzweifelhaft eine erstklassige Referenz ist.
Das Zweitwerk des mittlerweile Dreißigjährigen wurde wieder in der klassischen Dreierformation und ohne Gäste eingespielt, mit Paul Hamilton ist allerdings nur noch einer aus dem ursprünglichem Team für einen Teil der Aufnahmen dabei. Dafür zeigt der Chef, dass er auch mit der Hammond sehr gut umgehen kann. Klar, die die gestalterischen Möglichkeiten sind begrenzt, im Blues Rock ist längst alles 'gesagt und getan'.
Also noch einmal mehr die Dutzendware?.
Simon McBride unternimmt einen Streifzug durch die enge Welt seines Genres, orientiert sich dabei aber diesmal eher an seinem amerikanischen Kollegen. Fast jeder Song klingt 'irgendwie' nach einem oder mehreren der bekannten Klampfer, wobei der lockenköpfige Ire die Grenzen schwerpunktmäßig in Richtung Southern und Jam Rock erweitert. Da er zudem über eine zwar nicht unbedingt variable, aber immerhin kräftige und absolut bluesgetränkte Stimme (die oft
Gregg Allmans verdammt ähnlich ist) verfügt, lässt sich daraus schon einiges machen. Nein, er kupfert nicht ab, das braucht er wirklich nicht. Seine Songs sind gut, das, was er auf seiner PRS veranstaltet, ist schon die wirklich höhere Schule. McBride kommt sicher in den Clubs gut an, aber auch auf großen Bühnen und als Headliner hat er zumindest schon im Nachbarland Holland aufgetrumpft.
Mit einem satten Slide-gespickten Southern-Speed-Boogie eröffnet er sein zweites Album. »The Sky is burnin' red …« - ohne eine Verbeugung vor dem größten aller Gitarren-Götter geht's natürlich nicht und dann zeigt der Irishman, was er bei seinen Schwertbrüdern in jungen Jahren gelernt hat. Direkt aus dem Gator-Stadl kommen "Save Me" und "Down On The Wire", zwei Songs, bei der die Sassern-Fraktion schnurstraks die Rebel Flag zum Schlafzimmerfenster raushängt. Texas ist die nächste Station und da wird bekanntlich auch eine ordentliche Klampfe geschrubbt. Wie hieß der eine Axeman noch mal? Johnny Ray Gibbons? Und der hatte einen dicken Vetter aus North Carolina, den Worren Heinz? - Der schaut fast bei jedem Song mal vorbei.
"The Promise" nimmt das Tempo raus, aber dafür glüht es nun unter der Haut umso mehr. Bei "Tear Down My Soul" sprühen die Funk-en wieder. Und bei "Dead Man Walking" kocht der Southern Soul. Dass "Dancing On The Sidewalk" ein 'kleines Meisterwerk' ist und bei "Sweet Angel" der Gruß an einige Kollegen und Brothers geht, die schon lange in anderen Gefilden jammen, wird schnell offenbar. Die Blechgitarre kommt bei "Coming Home" zum Einsatz - und ein Dudelsack. Das abgefahrenste Stück ist zweifelsohne "Devil's Road", bei dem er der verehrten Zunft ganz schnell zeigt, wie man mit vielen bekannten Klischees einen modernen Blues Rock durch die Boxen Rea-rt. "The Truth" ist, dass trotz aller Ausflüge in das Homeland des schwerblütigen Blues Rocks ein durch und durch keltisches Herz (siehe Cover) in der Brust unseres Axman schlägt. Seine Sidemen bilden dazu eine richtig starke Rhythmustruppe, die dem Album zusätzlichen Pfeffer gibt.
Ma Cher Amis, hier kommt was Gutes aus einer nicht erwarteten Richtung. Southern Soulfood von der Grünen Insel. Rein in den Player und den Lautstärkeregler nach rechts!
Line-up:
Simon McBride (vocals, guitar, additional instrumentation)
Paul Hamilton (drums)
Adrian McIlduff (drums)
Carl Harvey (bass)
Tracklist
01:Take My Hand
02:Hell Waters Rising
03:Save Me
04:Down To The Wire
05:Be My Baby
06:From The Other Side
07:The Promise
08:Tear Down Your Soul
09:Dead Man Walking
10:Dancing On The Sidewalk
11:Sweet Angel
12:Coming Home
13:Devil's Road
14:The Truth
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