Die meisten Leser werden den Namen des Protagonisten mit seiner Band Guru Guru verbinden. Wer tiefer taucht, wird Mani Neumeier in vielen weiteren Projekten finden. Seine Zusammenarbeit mit anderen Musikern ist zum Teil auch in RockTimes dokumentiert: Mani mit Kawabata Makoto, bei Harmonia, Acid Motherts Guru Guru, Guru Freakout!, mit Ax Genrich oder Wolfgang Dauner.
Zu diesen, hier bei uns zu findenden Künstlern, gesellen sich viele weitere, mit denen Mani im Lauf seines musikalischen Lebens gemeinsam arbeitete und arbeitet. Daneben ist der Rock- und Jazzdrummer auch als Solist unterwegs und stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen, oder besser, er wird nicht müde, neue Ideen umzusetzen. Auch wenn das Wort Tausendsassa abgenudelt erscheint, auf Mani Neumeier trifft es trotzdem zu und nicht zu Unrecht war er der erste deutsche Musiker, der es geschafft hat, im Wachsfigurenmuseum in Tokio aufgestellt zu werden.
Das war im Jahr 1996 nach der äußerst erfolgreichen Japan-Tournee Guru Gurus. Die Beziehung zu Japan ist übrigens keine einseitige, denn neben Deutschland hat Mani auch Nippon als Wohnsitz auserkoren. Um den Kreis nun fast zu schließen, gibt es da einen japanischen Musiker, der in Deutschland lebt und mit dem Neumeier natürlich auch schon gearbeitet hat: Damo Suzuki (Ex- Can).
Ganz geschlossen wird der Kreis nun durch das neue Album "Talking Drums". Das führt - grob gesagt - durch die von Mani bereiste Welt und neben Australien und Neuseeland ist auch Japan auf der CD vertreten. Sein neuestes Album ist für Mani »das beste seit langem« und wie ich meine, auch sein vielleicht persönlichstes. Denn "Talking Drums" reduziert (im positivsten Sinn) auf das Notwendigste. Und dieses Notwendigste ist nichts weniger als das Wichtigste, was wir haben: die Natur.
Nun gibt es ja Menschen, die empfinden den Weckruf des Hahns als Lärm. Die mögen jetzt bitte gehen. Wer aber jemals das Glück hatte, z. B. als Jugendlicher bei den Pfadfindern an Zeltlagern teilzunehmen, der weiß, dass man ganz allein im Wald während der Nachtwache feststellen kann, dass Stille woanders stattfindet. Die Natur war schon lange vor der Musik und selbst in der Lage, Musik zu machen. Freilich, nicht auf die Art und Weise, wie wir das allgemein definieren. Aber wenn man die richtigen Sensoren besitzt, dann wird aus dem Knacken des Holzes, dem Wind, der durch die Blätter rauscht, dem Murmeln des Wassers und den Tierlauten schnell eine Symphonie ohne Zusatzstoffe.
Bei den meisten meines Alters sind die »Allzeit bereit«-Tage lange vorbei. Es gibt aber Menschen, deren Sinne nach wie vor auf Empfang für die Stimmen des Natur stehen. Im optimalen Fall sind das Leute, die diese Partituren lesen können und durch eigenes Können eine Symbiose schaffen, die entdeckt werden will und die dann auch verstanden werden muss. Weltenbummler Mani ist so einer, der zum einen als Musiker und dann im Besonderen als Rhythmiker diese Naturgeräusche mit seiner eigenen Ausdrucksweise verbinden kann. Der Percussion der Natur stellt Mani seine eigene zur Seite und verschmilzt beide zu einer stellenweise hypnotischen und tranceartigen Klangwelt. Natürlich ist das erstmal ungewohnt für die Mainstream-Ohren, die wir über die Jahre entwickelt haben. Aber wenn man sich in die gewaltige Dynamik (da geht es von... bis) der acht Tracks eingehört hat, kann man sich der Faszination schwerlich entziehen.
Es ist klar, dass man dazu Zeit und Muse braucht. Und es ist auch klar, dass man "Talking Drums" nicht beim Besuch der Schwiegereltern auflegen kann. Wobei das sicher für schelmische Freude sorgen könnte, wenn man dem Unverständnis der älteren Herrschaften einfach mit der Tatsache begegnen würde, dass hinter dem Gehörten ein Mann steckt, der Jahrgang 1940 ist. Alter schützt eben nicht unbedingt immer vor gutem Geschmack. Es schützt aber davor, sich anzupassen. Hier muss niemand mehr in die Charts oder den Rockstar raushängen lassen. Es ist der pure Luxus, die Erfahrungen und Eindrücke von vielen Reisen um die Welt musikalisch wiederzugeben. Ob das 'Gegenüber' nun fliegt und Federn hat oder zur Gattung der großen australischen Frösche gehört. Da tanzt ein Schamane, einige Maoris entfachen zusammen mit Mani ein rhythmisches Feuerwerk, zu ausgefeilten asiatischen Klängen hören wir einen beruhigenden Sprechgesang, es gibt ruhige meditative Momente und dann treibende Percussion.
Auf "Talking Drums" (der Albumtitel ist hier wirklich Programm) findet tatsächlich eine Reise statt, die Kulturen auf eine mir bisher unbekannte Art und Weise vorstellt. Man kann die Platte im Stillen für sich alleine genießen und wegspacen. Man kann sie aber auch mit Power durch die Anlage jagen und staunen, wie groß die Dynamik ist, wie Drums, Kalimba, Gong, Cymbals... und auch die Frösche die Membranen fordern. Freunde highfideler Ausbrüche werden ihre Freude haben. Ganz besonders dann, wenn Manis Erfindung, das Mani-Tom zum Einsatz kommt. Diesem eigentlich normalem Tom wurde ein Schlauch ins Schallloch gesteckt, durch den man Luft bläst, die dann die Spannung des Fells ändert und somit auch die Stimmung. Ob und laut durch den Hubraum großer Lautsprecher, oder intim unterm Kopfhörer: "Talking Drums" will entdeckt werden. Sind die Sinne für Natur und Musik dann in Einklang gebracht, geht es mit Mani samt seinen Mitmusikern menschlicher und tierischer Herkunft auf eine interessante Reise um die Welt.
Vielleicht schafft es das Album ja auch, dass der eine oder andere für (vermeintlich) Fremdes aufgeschlossener wird. Und sei es nur, dass Nachbars Hahn des Morgens als das empfunden wird, was es ist: Ein Stückchen Welt, das zu unserem Leben dazugehört.
Line-up:
Mani Neumeier (drums, percussion, voice)
Jan Fride (e-drums, darbuka, percussion, iron-gamelan - all on -#1,3,5,9)
Etsuko Watanabe (voice - #9)
Eiko Yamada (flute - #10)
Featuring
The Maori People
Tua Metti (log drum - #7)
Jakob Unuia (fate - #7)
Lindsay Unuia (pau - #7)
| Tracklist |
01:Timedrops
02:Jingle A
03:Shaman Dancer
04:Jingle B
05:Mori No Kaeru
06:Jingle C
07:Maori Haka News
08:Jingle D
09:Im Zaubergarten
10:Om Mani Tom
11:Jingle + Shiva-Bells
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Externe Links:
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