Mario Nyeky And The Road / To The Wind
To The Wind Spielzeit: 43:18
Medium: CD
Label: Meyer Records, 2013
Stil: Singer/Songwriter, Folk

Review vom 14.03.2013


Markus Kerren
Mal was Seltenes: Ein Album mit lupenreiner Folk Music 'Made in Germany'! Die vier Kölner Musiker Mario Nyeky, Joon Laukamp, Pierce Black und Andres Maraia fanden nicht ausschließlich durch die Musik zueinander, sondern waren teilweise bereits davor dick befreundet. Dass das Ganze dann auch noch musikalisch so wunderbar zusammenpasste, war für das Quartett natürlich noch ein fetter Bonus oben drauf. Das Debütalbum wurde in den Kölner Topaz Audio Studios aufgenommen und verfügt bei gerade mal acht Tracks über immerhin eine knappe dreiviertel Stunde Spielzeit.
Die Musik der Rheinländer ist sehr feinfühlig und die Songs werden manchmal in sehr bedächtigem Tempo, manchmal beherzt nach vorne marschierend vorgetragen. Nicht zu überhören ist auch die Liebe zu vergangenen Jahrzehnten, etwa beim Opener "Hoalheray", bei dem dem Hörer zum Beispiel bezüglich der Atmosphäre eine feine Brise Simon & Garfunkel um die Lauscher weht. Und auch wenn die Nummer zunächst etwas verhalten erscheint, so verfügt sie dennoch über sehr viel Charakter, die gesetzte Stimmung ist eher nachdenklich, während der Protagonist des Titels die Aura eines stillen Tages auf dem Land auf sich wirken lässt.
Sämtliche Stücke wurden mit akustischen Instrumenten eingespielt, was sich natürlich ebenfalls auf die Ausstrahlung der Scheibe auswirkt. In dieselbe Kerbe wie der Opener haut auch der Titelsong, dessen Gesang zunächst nur von der Akustikgitarre und Violine untermalt wird. Sehr gut zur Geltung kommt hier auch der gemeinsame Gesang des Vierers, der die erneut sehr melancholische Atmosphäre sogar noch verstärkt. Nach etwa viereinhalb Minuten ändert sich die Szenerie jedoch und gleitet in einen flotten Part über, der (vor allem durch die Violine) einen deutlich irischen Bezug hat.
Direkt gefolgt von "Irish Melody", bei dem der Name selbstredend Programm ist. Geradezu treibend drückt sich das Stück aus den Speakern, ohne jedoch die Schönheit, die Verlorenheit und Sehnsucht der Grünen Insel außer Acht zu lassen. Einen richtigen Hinhörer kann der Bandleader hier durch sein ausdrucksstarkes Harmonikaspiel verzeichnen. Aber auch bei "Feed The Fire" wird reichlich Wert auf Tempo gelegt, während die Jazz-Besen auf der Snare so richtig einen losmachen. Nun ist Mario Nyeky nicht unbedingt der ausdrucksstärkste Sänger unter der Sonne, sodass diesbezüglich zwar ein paar Abstriche gemacht werden müssen, aber ins Minus rutscht die Band dadurch auch nicht wirklich.
Richtig kräftig nach vorne geht es nochmal bei "New Shoes Blues", das gar nicht mal so besonders weit von einem Hillbilly-Shuffle entfernt ist. Klasse Gitarrenarbeit trifft hier auf eine treibende Rhythmusabteilung, die sich bei diesem Song vorgenommen zu haben scheint, nahezu alles, was nicht schnell genug auf den Bäumen ist, in Grund und Boden zu spielen. Sehr cool! Beim letzten Track "White Street" wird es dann erneut Zeit, einen richtig guten Roten zu öffnen und vor dem Lagerfeuer (bzw. wahlweise heimischen Kamin oder einfach nur bei gedämpftem Licht) zu sitzen, sich an den Wohlklängen zu erfreuen und die Seele baumeln zu lassen.
Letztendlich also ein sehr feines Album, das seine Kraft aus der Hingabe der Musiker, dem guten Songwriting und seinem unumstößlichen Idealismus schöpft. Mit den Albumcharts oder irgendwelchen überkanditelten TV-Auftritten wird die Band höchstwahrscheinlich weniger zu tun haben, aber darauf kommt es schließlich weder dem wahren Musikfreund, noch Mario Nyeky And The Road an. "To The Wind" ist für die Musikfreunde gedacht, die ihre Alben zelebrieren und genießen. Und dafür ist diese Scheibe allerbestens geeignet. Wie stark die Platte einschlagen wird, hängt natürlich nach wie vor - und wie immer - vom persönlichen Gusto und Zuspruch des interessierten Fankreises ab.
Definitiv klasse gemacht ist die Fusion von Folkmusik vergangener Jahrzehnte mit dem Zeitgeist bzw. dem Standard des Hier und Jetzt.
Line-up:
Mario Nyeky (guitars, harmonica, vocals)
Andres Maraia (percussion, vocals)
Joon Laukamp (violin, mandolin, vocals)
Pierce Black (double bass, vocals)
Tracklist
01:Hoalheray
02:Feed The Fire
03:To The Wind
04:Irish Melody
05:Raise Your Voice
06:Heart In The Wild
07:New Shoes Blues
08:White Street
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