Naked! / A Crack In The Brick
A Crack In The Brick Spielzeit: 37:34
Medium: CD
Label: Setalight Records, 2014
Stil: Britpop

Review vom 30.08.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Naked! ist eine Band aus Berlin. Mit "A Crack In The Brick" bringt das agile Quartett ihr Debütalbum auf den Markt. Künstler oder Gruppen, die Naked! gut finden sind die Beatles, Jimi Hendrix, Rolling Stones, The Strokes und The Who. Selbst nennt sie Britpop/Garage als Genres. Im Informationsblatt finden sich dann noch Stichworte wie Mercybeat, Rock'n'Roll sowie »Akzente in Psychedelic, Pop und dem harten Ende des Mod Sounds.«
Alle Songs wurden von Sean Pepper, Sebastian Q-Beck, Johnny Lee und Lix Frantix geschrieben. Um die Texte kümmerten sich Bassist Johnny Lee sowie Rhythmusgitarrist und Sänger Sebastian Q-Beck.
Ohrenfällig legt Naked! einen seiner musikalischen Schwerpunkte auf den Gesang, besonders im Chor. Da sind die vier Männer beeindruckend gut.
Vor den ersten Klängen beginnt "Action Now" mit dem typischen Knistern einer LP und nach den abschließenden Tönen von "Stop Thinking" endet die Platte mit dem Sound der letzten Rille. Auch so will man den guten Sechzigerjahren die Ehre erweisen. Wie mit einem Brennglas fokussiert, sind darüber hinaus fast alle zehn Songs derart ausgerichtet.
Wer die Beatles mag, wird hier seine Hörfreude haben. Wer die scharfen Riffs der Rolling Stones mag, wird hier ebenfalls seinen Spaß haben.
Naked! hat die vergangenen Zeiten wohl mit der Muttermilch aufgesogen. Allerdings bewegt man sich gleichzeitig auf sehr dünnem Eis, denn trotz der angegebenen musikalischen Bezüge muss eine Combo in gewisser Weise auch über Alleinstellungsmerkmal verfügen. Der bereits erwähnte Gesang wäre schon ein solches Kriterium.
Der Naked!-Sänger Sebastian Q-Beck sagt: »Um ehrlich zu sein, wir sind auch nur eine dahergelaufene Band aus Berlin, aber zumindest bekommt ihr bei uns nicht nur leere Versprechungen, sondern das, was drauf steht: Sixties-Rock.«
Okay, da liegt der Frontmann durchaus richtig. In den Songs um die drei bis vier Minuten werden die Beziehungen zu den oben genannten Bands (Jimi Hendrix ausgeklammert) sehr offensichtlich. Aus den Spielzeit-Grenzen stechen "Drain" und der Rausschmeißer "Stop Thinking" hervor. In diesen beiden Nummern erweitert Naked! sein Potential um einige Grade, erhöht die Betriebstemperatur durch längere instrumentale Passagen. Ein Lied wie "Drain" wird so zu einem willkommenen Hinhörer. Tempo- und Rhythmuswechsel sind angesagt und sorgen so für besondere Aufmerksamkeit. Mehr davon!
Bei Tracks unter drei Minuten ist "Stop Thinking" mit knapp sechseinhalb Minuten Spielzeit geradezu ein episches Werk. Relativ harte Gitarrenriffs und eine ziemlich flotte Taktung konkurrieren mit dem Gesang. Siehe da! Naked! lässt im ruhigen Intermezzo die Hosen runter. Dieses Zwischenspiel hat seinen Nennwert. Fast ganz alleine unterwegs umgarnt den Hörer eine verspielte E-Gitarre. Sebastian Q-Becks Gesang steht prominent im Vordergrund und dann wird die Dynamik-Schraube wieder kräftig angezogen. Klasse! Naked! wird richtig furios. Solche Ausflüge hätte man sich vorher auch gerne gewünscht. Wie war das noch mit den Alleinstellungsmerkmalen? Hier werden sie geboten.
Bei der Combo aus Berlin wird Old School groß geschrieben. Auf den tollen Gesang kann man stolz sein. Bei dem musikalischen Output ist durchaus noch Luft nach oben. Einige Arrangements sind treffsicher ("You Know"), an anderen darf man noch feilen. Bei "A Crack In The Brick" darf sich jeder interessierte Musikfan selbst ein Urteil bilden.
Line-up:
Sean Pepper (lead guitar)
Sebastian Q-Beck (vocals, rhythm guitar)
Johnny Lee (bass)
Lix Frantix (drums)
Tracklist
01:Action Now (2:55)
02:Mad Men (3:18)
03:Stop Pretending (2:42)
04:Drain (5:39)
05:She's Got A Hold On Me (2:51)
06:Jobbles (3:39)
07:Ain't Nothing (3:53)
08:Long Enough (2:41)
09:You Know (3:31)
10:Stop Thinking (6:26)
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