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Nathalie Nahai kommt aus der englischen Metropole London und ist nicht nur Musikerin sowie Sängerin. Sie hat, bis auf eine Ausnahme, alle Titel geschrieben und ist für das Artwork ihres zweiten Albums "Fortune Teller" zuständig.
Ryan Pitchford hat produziert und mit einem oft sparsamen Line-up hat er die intimen, filigranen Songs der Nahai sehr gut in Szene gesetzt.
Da muss man schon von vornherein am Lautstärkeregler drehen, um überhaupt alles mitzubekommen.
Zehn Songs schrauben sich in eine schwindelerregende Spielzeit von etwas über 38 Minuten.
Ausgerechnet die längste Nummer ist ein Fremdprodukt und in französischer Sprache gesungen. Wen wundert es, bei einem Titel von Charles Aznavour. "La Boheme" ist ein Chanson, in dem sich Nathalie Nahai auf der akustischen Gitarre begleitet.
Dreht die Lautstärke hoch… Singen kann die junge Engländerin vortrefflich. Klar, hell sowie in allen Tonlagen zuhause und emotional.
Folkig sind ihre Eigenkompositionen und durch die Tatsache, dass sie auch Violine spielt, kommen darüber hinaus ebenfalls klassische Elemente in den Titeln vor.
Ups, "Sly Girl" ist doch glatt eine Blues-getragene Nummer. Nahai rührt dafür im Getriebe ihrer Musik und schaltet mal zwei, wenn nicht gar drei Gänge höher. Richtig rasant, das Stück. Immer gemessen an dem, was dem Hörer sonst noch so an die Ohren kommt. Die Nummer ist dann auch eine Ausnahme, sowohl Genre-mäßig, als auch das Tempo betreffend.
Schlicht sind die Songs, haben schöne Melodien und wenn der Produzent im Aufnahmeraum anwesend war, spielte er die Pedal Steel, wie z.B. im Opener "Polly Ride On", einem Song, in dem sich Nahai erst nach zirka einer Minute von den anderen Musikern begleiten lässt. Alles sehr dezent hier. Pitchford bringt die Saiten seines Instruments sehr sanft zum Schwingen. So fließt der Song friedfertig dahin, ohne groß anzuecken.
Jetzt aber… vielleicht! "Blood & Cyanide" könnte ja vom Titel her etwas Kräftigeres erwarten lassen. Ne, dem ist aber nicht so. Durch den Einsatz des Mellotrons gibt es nun, fast hätte ich geschrieben, anstelle der Pedal Steel, Gestrichenes an die Lauscher. Andy Bauer spielt ein astreines Schlagzeug.
Überhaupt hat die Rhythmus-Abteilung, ergänzt durch JT Hall am Bass, eine verdammt schwere Aufgabe zu lösen. Bloß nicht viele Wellen erzeugen, so kann man deren Beiträge einstufen. Machen die beiden Musiker aber gut. Andererseits kann man ja auch sagen, dass das ins Konzept der Nahai passen muss. Ins Schwitzen kamen die beiden Männer bestimmt nicht.
Na also, geht doch!
"Queen & Country" hat endlich mehr Schwung. Da spielt die Protagonistin doch glatt auch einige Riffs hintereinander. Die Einstellungen am Mellotron vermitteln nun Flötentöne. Die erinnern an King Crimson. Dann ist aber zunächst Schluss damit, denn Warren Ullom darf mal ran. Mit seiner elektrischen Gitarre zieht er ein bluesiges Solo von den Saiten. Richtig gut, der Mann! Dann übernimmt wieder das Mellotron und die Nahai.
"Where Children Play"… Violine… klassische Elemente. Singen kann das Schätzchen und selbst mit ihrer akustischen Gitarre zupft sie Klassik.
Richtig gespannt ist man dann auf den letzten Track, "Softly Now". Musik als schönstes Element nach der Stille? Fast wie erwartet, eine Solo-Nummer der Londonerin. Gesungene Gefühle pur. Dieses Stück hätte sie auch a cappella vortragen können. Ohne Gitarrenbegleitung wäre bestimmt noch mehr Intensität drin gewesen. Trotzdem ein schöner Abschluss einer reichlich ruhigen, sehr persönlichen CD, die nicht für alle Momente des Alltags gemacht ist.
Darin liegt die Stärke von "Fortune Teller" und bekommt 7 von 10 RockTimes-Uhren. Fast hätte ich Tarot-Karten geschrieben.
Line-up:
Nathalie Nahai (vocals, violin, banjo, guitar, mellotron, Wurlitzer)
Andy Bauer (percussion, organ)
JT Hall (bass)
Ryan Pitchford (pedal steel)
Warren Ullom (piano, electric guitar)
| Tracklist |
01:Polly Ride On (3:13)
02:Blood & Cyanide (3:32)
03:Overboard (3:48)
04:Queen & Country (4:22)
05:La Boheme (4:29)
06:Winter (4:07)
07:Where Children Play (5:07)
08:Only There (3:06)
09:Sly Girl (3:27)
10:Softly Now (3:16)
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