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Der Marathonlauf wurde ja bekanntlich im antiken Griechenland 'erfunden' ... da passt es irgendwie zu den fünf griechischen Metallarbeitern von Need, dass ihr zweites Album "Siamese God" mancherorts schon 2009 Plattenladenluft erschnupperte, aber erst im Herbst 2011 auch in Deutschland vertrieben wird. Einen langen Atem haben die fünf also schon einmal gebraucht. Dennoch empfinde ich - um bei olympischen Vergleichen zu bleiben - die Band nicht so sehr als Marathonläufer, denn vielmehr als eine gemischte Truppe aus Kugelstoßern und Diskuswerfern. Brachial und bullig, aber auch technisch sehr gewieft.
Schon wenn sich im Opener die ersten Keller-Riffs heranwalzen, wird klar: Das hier wird nichts, was kleine Kinder als letztes hören sollten, bevor sie ins Bett gehen. Es ist bedrohlich und heavy - die Riffs sind düster und die Drums sind fett ... ach was, fett! Es folgt ein feines Geholze im Mid Tempo mit der Anmutung eines spannenden Bulldozer-Wettrennens. Und dann wird bald klar, dass auch der Gesang wahrlich nichts für Sissies ist. Wir haben es mit cleanen Power-Vocals zu tun, in ungefähr der Hälfte der Songs angereichert und schön 'böse' gemacht mit vereinzelten Growls.
Es steckt ein bisschen Nevermore drin - Nevermore zur Zeiten ihres Debütalbums - zum Beispiel bei "Soon": Fieses, tief grummelndes Riffing - angeproggt!! - und ein sehr melodischer Refrain, der trotzdem immer noch sehr düster ist. Das reißt mit, das tritt Arsch, sehr schön! Die dunklen Detuned-Atmos haben auch einen Hauch 'Alternative', ein bisschen Grunge ... aber auch Spuren von Bands wie Metallica und Pantera ("Inbetween"!). Und beim astreinen Titelstück "Siamese God" auch noch dieses leicht orientalisch angehauchte Flair eines typischen Tea Party-Songs.
Aber was spielen Need nun für einen Metal? Power Metal, könnte man sagen. Groove Rock, beim Titelsong. Progressive Metal, steht auf dem Waschzettel des Promoters. Huh?! Nun gut, sie veredeln ihre donnernden Drives durch kleine, aber megafeine rhythmische Sperenzchen. Und auch das Songwriting ist zum Teil angenehm abgehoben. Bei "Lie Before You Sleep" treiben sie es auf die Spitze. Ein Mix aus übler Abrissbirne und Ballade (!) - eine richtig, richtig geniale Spannungskurve, klasse.
Der derbe Heavy-Melodiker "War/ning" dürfte Evergrey-Jünger zu Need-Mögern machen; und "Flesh Memories" (hah, das ist doch schon mal ein Name!) ist ein hervorragendes Hightech-Heavy-Gehäcksel, wo instrumentales Uptempo mit getragenem, verzögerndem Gesang kombiniert wird. Hat etwas von Communic. Am meisten staune ich beim Schlusstrack "The Lesson": Ich hätte das zu Beginn des Albums nicht für möglich gehalten - aber die betörend langsamen Riffs, diese schwermütige Heavy-Atmosphäre ... ich muss an Fates Warnings "FWX" denken ("River Wide Ocean Deep" etc.).
Okay, ich mach den 'Power Metal' wieder weg und verpasse der Band den Stempel 'Prog Metal' ... dennoch etwas widerwillig, denn Need sind weder hundertprozentig Prog noch 'nur' Prog - das ist rumpelnder, mammutöser, progressiver Thrash Groove Dark Power Metal. Und das ist doch schon mal ein Ohr wert, oder?!
Line-up:
Jon V (vocals)
Ravaya (guitar, vocals)
K. K (bass)
Pete (drums)
Anthony (keyboard)
| Tracklist |
01:Rainy Pieces Of Hell (4:14)
02:Soon (5:00)
03:Lie Before You Sleep (7:15)
04:Flesh Machines (4:30)
05:Siamese God (7:32)
06:Inbetween (3:45)
07:War/ning (4:15)
08:C.M.R. (4:19)
09:The Lesson (7:30)
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