Mani Neumeier & Kawabata Makoto / Samurai Blues
Samurai Blues Spielzeit: 50:53
Medium: CD
Label: Bureau B, 2011
Stil: Acid Rock, Psychedelic

Review vom 28.02.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Als Wachsfigur ist der Ausnahmeschlagzeuger Mani Neumeier in Tokio zu bewundern.1996 wurde sein Abbild aufgestellt und zum ersten Mal machte die Kultband Guru Guru eine Tour durch Japan. Natürlich lernt man dabei auch Musiker kennen und im Jahr darauf war Neumeier mit dem Damo Suzuki Network auf der Bühne. Künstler erzählten ihm von Kawabata Makoto (Acid Mothers Temple), einem der wildesten Gitarristen in der japanischen Szene. Tsuyama Atsushi organisierte 2006 ein Konzert. Die Musiker passten perfekt zusammen und man gab dem Kind den Namen Acid Mothers Guru Guru. 2007 war man für eine zehntägige Tour in Amerika unterwegs und weitere vier Auftrittsreisen durch Japan folgten.
So viel zur Vorgeschichte. Es gibt auch ein Nachspiel: Die erfolgreichen Bühnenspektakel führten schließlich zu Aufnahmen im Studio und nun liegen die Ergebnisse als "Samurai Blues" vor. Die fünf Songs sind schwerer Psychedelic und wenn man Makoto als komplett ausgeflippten Gitarristen bezeichnet, dann trifft das voll ins Schwarze. Psycho-Acid-Jam-Jazz-Rock-Improvisationen könnte ein Beschreibungsversuch der Klangkollagen von "Samurai Blues" sein.
Die gut fünfzig Minuten sind nichts für Weicheier. Das Album ist schon etwas sehr Spezielles. Alle Tracks lassen darauf schließen, dass man den Ideen freien Lauf gelassen hat und frisch von der Leber weg drauflos improvisiert hat. Oder sollte man es besser Jammen nennen? Ganz gleich, hier sind zwei hochkarätige Musiker am Werk und mit "Mushi" sowie "Spinning Contrasts" haben Neumeier und Makoto auch ein Doppel von Longtracks am Start.
Pure Energie wird geboten und wenn es zum kurzen "Another Romance" kommt, führt der Titel in die Irre. Entgegen der Musik ist ein Vulkanausbruch so weich wie ein Babyschnuller. Man hat den Eindruck, als geschehen hier mehrer Dinge gleichzeitig. Makoto stellt alles Mögliche mit seinem Arbeitsgerät an und zu kategorisieren ist diese Kollage gar nicht. Das ist Starkstrom ohne Isolatoren und kann den Hörer in die Isolation führen. Das Duo bohrt sich quasi in die Gehörgänge und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als sei nicht nur ein Gitarrist am Werk. Unglaublich, wie abgefahren diese Nummer an den Nerven zerrt. Erst gegen Ende vermag man sich halbwegs aus einer Art meterlangem Knäuel zu befreien. "Another Romance" ist harter Tobak.
Nicht minder bewegend-erregend ist "Tomorrows Twist". Neumeier und Makoto kreieren einen fast undurchdringlichen Ton-Dschungel, der scheinbar von der Theorie komplexer Systeme angelegt worden ist. In keiner Sekunde ist hier auch nur ein Ansatz von Vorhersehbarkeit in Sicht.
Verglichen mit den eben beschriebenen nicht linearen Stücken kann man den ersten knapp achteinhalb Minuten einen mächtigen Groove bestätigen. Der Titeltrack "Samurai Blues" hat nichts mit dem Genre zu tun und es mag sein, dass hier bereits einige Neugierige den Blues bekommen. Das Stück entwickelt sich prächtig, wechselt wie ein Chamäleon in Zeitlupe geschickt sein Äußeres und ist bei Weitem nicht so brachial, wie die kurzen Stücke.
"Mushi" lebt von Modulationen, sowohl rhythmischer wie auch gitarristischer Art. Immer zur rechten Zeit sind Neumeier sowie Makoto in der Lage, der tranceartigen Monotonie zu entkommen. Man scheint stets einen Schritt schneller zu sein und diese Nummer gleitet, über dem Boden schwebend, in sphärischer Entspanntheit dahin. Allerdings ist der Hörer mittlerweile auf alles Mögliche gefasst, weil die beiden Protagonisten unkalkulierbar sind. Mit "Samurai Blues" erschaffen Mani Neumeier und Kawabata Makoto einen sehr persönlichen Klang-Kosmos und die wabernde Ursprungszelle ist bereits bunter als die Spektralfarben es hergeben. Zur Halbzeit verändert sich die relaxte Struktur und das Stück entwickelt eine vom Wah Wah-Pedal dominierte, fesselnde Dynamik. Makoto lässt seinen Fantasien dann im jazzigen Stil freien Lauf und manchmal verändert er den Sound seines Sechssaiters in Richtung Keyboards.
Bei der gesamten Dramatik des Albums entsteht der innige Wunsch, so etwas live zu sehen. Was auch immer der Gitarrist an Effektgeräten zu Verfügung hat, er kann sein Instrument klingen lassen wie eine Säge und im nächsten Augenblick denkt man an eine vehemente Geige. Der Eindruck von nicht nur einer agierenden Gitarre bleibt bestehen. "Spinning Contrasts" ist Psychedelic ohne Worte.
Mani Neumeier & Kawabata Makotos "Samurai Blues" ist o(h)rale Kost der außergewöhnlichen Art und mit dem Album befindet sich das Duo in einer eigenen Welt. Vor dem Kauf ist ein Antesten dringend empfohlen.
Line-up:
Kawabata Makoto (electric guitar)
Mani Neumeier (drums, percussion)
Tracklist
01:Samurai Blues (8:24)
02:Mushi (15:20)
03:Another Romance (3:48)
04:Spinning Contrasts (20:07)
05:Tomorrows Twist (3:15)
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