Gilbert O'Sullivan / Gilbertville
Gilbertville Spielzeit: 51:13
Medium: CD
Label: Hypertension Music, 2011
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 20.03.2011


Markus Kerren
Der in Irland geborene Singer/Songwriter Gilbert O'Sullivan veröffentlichte bereits in den späten sechziger Jahren seine ersten, allerdings noch erfolglosen Singles. Ab 1970 wendete sich das Blatt jedoch und in den folgenden Jahren fuhr er mit Hits wie "Alone Again (Naturally)", "Clair" und "Get Down" riesige Erfolge ein. Und wenn es spätestens ab den Achtzigern ruhiger um den Briten wurde, so veröffentlichte er dennoch kontinuierlich weitere Alben mit mittelmäßigem Erfolg, der an die alten Zeiten zwar nicht anknüpfen konnte, ihm aber aufgrund einer festen Fanbasis erlaubten, sich weiterhin ausschließlich auf die Musik zu konzentrieren.
Mit "Gilbertville" stellt er nun sein brandneues Album vor, auf dem er 15 frische Kompositionen versammelt hat. Stilistisch hat sich darauf im Vergleich mit seinen vorherigen Alben kaum etwas verändert. Gekonntes Songwriting, das sich beim Folk wie auch beim Blues oder Rock'n'Roll bedient und insgesamt als 'erwachsene' Pop-Musik durchgeht. Der Opener "Can I Leave The Rest Up To You" punktet mit Pat Bergesons feiner Slide-Gitarre. Der Song zieht seine Kreise im Midtempo und verfügt auch über sehr gelungene Gesangsmelodien. Deutlich sanfter geht es bei "Missing You Already" zur Sache, während die samtweiche Stimme O'Sullivans von Streichern und mehrstimmigen Background Vocals begleitet wird.
"Gilbertville" umgibt eine einnehmende Lockerheit, Relaxtheit, die diese Scheibe praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit anhörbar machen. Diese Stärke ist auf der anderen Seite aber auch die Schwäche des Albums, denn obwohl durchaus auch nachdenklichere, melancholischere Tracks vertreten sind, bleibt davon nicht sehr viel hängen. Es ist nicht unbedingt ein Werk, das mit vermehrten Durchläufen wächst. Aber das muss ja nicht grundsätzlich negativ gewertet werden, denn gute Unterhaltung bekommt man hier auf jeden Fall geboten. Handwerklich und vom Sound her ist alles im grünen Bereich, und wenn man nicht jederzeit unbedingt auf tiefe, schwere Kost besteht, dann wird man sich mit O'Sullivans Musik schnell anfreunden.
Vergleichsweise rockig geht es auf "I Wanna Know" zu, das über einen wesentlich treibenderen Rhythmus verfügt und somit ein bisschen Zug in Spiel bringt. Gilbert O'Sullivan lässt auch immer viel Humor in seine Songs einfließen, nachhörbar zum Beispiel bei "Where Would We Be (Without Tea)" oder auch "Private Eye". Auf der anderen Seite stehen Stücke wie "One Drink To Many (Too Few)" oder "I Wish Something Good". Viele der Tracks verfügen über einen leichtfüßigen Swing, der gute Laune verbreitend nicht selten auch die Beine zum Mitwippen verleitet.
Erfrischend flott und härter im Beat dann wieder "Could Have Made It With You", wie immer gebracht mit dem sehr melodischen Gesang des Protagonisten. Hier dreht auch Pat Bergeson wieder auf und liefert ein gutklassiges Gitarren-Solo ab. Klarinetten und Streicher sorgen bei "Talking Of Murder" für ein neues Klangbild. "All They Wanted To Say" ist relaxter, unverfänglicher Pop, der niemandem weh tut, während "Here's Why" - anders gespielt und gesungen - glatt als waschechter Piano-Rocker durchgehen würde. Hayley Sanderson ist hier als Duett-Partnerin am Start und liefert einen sehr guten Job ab.
Was bleibt zu sagen? Ich bin sicher, dass die Scheibe ihre Freunde finden wird, denn der gute Gilbert spielt auch hier wieder all seine Qualitäten (Songwriting, sehr melodiöser Gesang, angenehm warmer Sound sowie Spitzen-Begleitmusiker) voll aus. Der Freund kraftvoller Rock-Musik wird weniger fündig werden und mir persönlich - auch wenn ich gar keinen Rock erwartet hatte - ist das Album insgesamt gesehen einen Tick zu süßlich, fast schon zu 'schön' ausgefallen. Hört also erstmal rein, bevor ihr euch die Scheibe zulegt. Dazu bieten sich "Can I Leave The Rest Up To You", "I Wanna Know", "Where Would We Be (Without Tea)" oder auch "One Drink To Many (Too Few)" an.
Line-up:
Gilbert O'Sullivan (vocals, piano, Fender Rhodes)
Fran Breen (drums & percussion)
Pat Bergeson (electric guitars, harmonica)
John Mock (acoustic guitars)
Don Johnson (bass) Will Barrow (Hammond B3, acoustic piano, Fender Rhodes)
Tracklist
01:Can I Leave The Rest Up To You
02:Missing You Already
03:Here's Why (featuring Hayley Sanderson)
04:All They Wanted To Say
05:One Drink To Many (Too Few)
06:The Allergy Song
07:Where Would We Be (Without Tea)
08:Interlude (featuring Harry Hill)
09:I Wanna Know
10:Down Down Here
11:Private Eye
12:I Wish Someghing Good
13:Could Have Made It With You
14:Talking Of Murder
15:School Meals
Externe Links: