Osssy / Serum
Serum Spielzeit: 66:53
Medium: CD
Label: MIG-Music, 2012
Stil: Rock

Review vom 20.04.2012


Markus Kerren
Der Name Osssy Pfeifer dürfte jedem halbwegs Musikinteressierten mittlerweile ein Begriff sein. Mir persönlich fiel der Niedersachse immer wieder als Produzent und Musiker bei Alben auf, die in den Frida Park Studios in Hannover getätigt wurden. Dieses Studio wird von ihm und seiner (Lebens-) Partnerin Anca Graterol bereits seit geraumer Zeit geleitet und geführt, wobei die beiden bereits auf eine beachtliche Anzahl an nationalen wie internationalen Produktionen zurückschauen können. Über einige Jahre hinweg hat Osssy dann in seiner freien Zeit auch an seinem ersten eigenen Album, dem hier vorliegenden "Serum" gearbeitet.
Dabei hat er fast die ganze Scheibe im Alleingang eingesungen und -gespielt, wollte es sich aber auch nicht nehmen lassen, knapp anderthalb Dutzend Gäste einzuladen. Kontakte waren durch seine Hauptaktivität natürlich massenhaft vorhanden und so konnte sich aus einem sehr breiten Feld bedienen. Mit am Start waren u. a. die Gitarristen JJ Marsh (Glenn Hughes), Steve Mann (Lionheart, MSG) oder Kai Reuter (Ex-Peter Panka's Jane, Jutta Weinhold) sowie die lebende Drum-Legende Simon Phillips (The Who, Toto), aber auch auf weitere deutsche Musiker wie Martin Huch oder Lars Lehmann (UFO) hat er zurück gegriffen.
Herausgekommen ist ein Rock-Album, das weitab von jeglichen Trends und Strömungen liegt. 15 Tracks, bei denen alles handgemacht ist und die dazu auch noch sehr stark eingesungen wurden. Apropos Gesang: Der Osssy hat (positiv) überraschenderweise auch noch eine ganz ordentliche Portion Soul in seiner Stimme, was immer wieder sehr gut kommt. Und für "Out Of Control" hat Anca Graterol (Ex-Lady Jane) die Lead Vocals übernommen, womit sie durch ihre erstklassige, kraftvolle und sehr 'schwarze' Blues-Stimme auf voller Länge überzeugt. Wie die meisten anderen auch kommt die Nummer sehr melodisch und einer schönen 'Jon Lord-Orgel' durch die Boxen.
Kai Reuter stellt bei "I Know" sein Können auf der Sechssaitigen einmal mehr unter Beweis, wodurch das Stück (während der Gitarren-Passagen) einen heavieren Sound verpasst bekommt. "I'll Get Over You" ist insgesamt etwas ruhiger und kommt vollkommen ohne Gäste aus. Die deutliche Mehrzahl der Stücke sind aber sehr rockig ausgelegt, wie zum Beispiel auch der Opener "Hungry Souls" mit Steve Mann an der Axt. Die große Stärke der Scheibe ist (neben den hochklassigen Kompositionen), dass Osssy immer wieder mit Überraschungen innerhalb der Songs aufwarten kann, die die Tracks durch unvorhersehbare Windungen und Wendungen führen. Das Wort 'Langeweile' ist definitiv kein Bestandteil im Wortschatz des Protagonisten.
Fett gerockt wird auch auf "6 And 6 Ain't 23", das mich aus irgendeinem Grund etwas an den Sound von Lenny Kravitz erinnert. Hier singt Pfeifer in ungewohnt tiefer Stimmlage und deutet lediglich an, was er als Vokal-Akrobat so drauf hat. Und wenn wir schon bei Vergleichen sind, dann will ich euch auch nicht verschweigen, dass mir beim Gesang hier und da auch mal der Name David Coverdale vor dem geistigen Auge rumschwirrt. Anspieltipps gibt es sehr viele auf dieser Scheibe. Um nur mal ein paar wenige zu nennen, würde ich euch "Hungry Souls", "Riding On The Gun", "Staring At The Mirror" oder auch "Out Of Control" empfehlen.
»Nach fast zwanzig Jahren Arbeit im Studio war es einfach an der Zeit, ein eigenes Statement zu setzen. Dieses Album... das bin ich, zu 100 Prozent!«, so der Hannoveraner selbst. Klasse, dass Osssy Pfeifer die Entscheidung für dieses Projekt getroffen hat, da die Scheibe einfach riesengroßen Spaß macht und man mit jedem Durchlauf wieder Sachen hört, die einem zuvor entgangen waren. Ich wage jetzt mal die Behauptung, dass "Serum" zwar kein Jahrhundertwerk ist, aber dass uns hier über 66 Minuten grundsolide, starke Rockmusik mit viel Liebe zum Detail und jeder Menge Überraschungen geboten wird. Definitiv also eine sehr lohnende Angelegenheit, die man nicht versäumen sollte, mal genauer unter die Lupe zu nehmen!
Line-up:
Osssy (all vocals and instruments)

With:
Anca Graterol (lead vocals - #6, background vocals - #2,4,7,9,13)
Steve Mann (guitars - #1,3)
Kai Reuter (guitar - #7)
JJ Marsh (guitar - #4)
Simon Phillips (drums -#1,9)
Patrick Manzecchi (drums - #6)
Martin Huch (pedal- and lapsteel - #3,8)
David Milzow (saxophone - #10)
Gero Drnek (clarinet - #14)
Reto Wild (rap and background vocals - #13, background vocals - #4)
Lars Lehmann (bass - #2,3,4,5,9,10,14)
Andrea Schwarz (background vocals - #4,7)
Gaby Neitzel (background vocals - #4,7)
Pascal Luder (background vocals - #4,7)
Juergen Wulfes (background vocals - #4,7)
Dodo Leo (background vocals - #4,7)
Tracklist
01:Hungry Souls
02:All I Can Do
03:Riding On The Gun
04:Everytime
05:Certain Things
06:Out Of Control
07:I Know
08:Living Without You
09:Rendezvous
10:Brown Eyes
11:I'll Get Over You
12:6 And 6 Ain't 23
13:Situation
14:Staring At The Mirror
15:Too Much Fun
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