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Bock auf räudig-rohen, ungeschliffenen Street Punk? Dann bitte schleunigst das Debütalbum der Holländer The Pagans ordern! Die vier Glatzköpfe mischen auf "Hate Till Justice Reigns" (sehr cooler Albumtitel übrigens) nämlich die altbekannten Zutaten Oi!, Hardcore und Rock'n'Roll zu einem arschtretenden Cocktail zusammen, der es wahrlich in sich hat.
Zwar rotiert diese feine Scheibe nur 25 Minütchen im Player, dafür gehen die zehn Songs dermaßen ab und ins Ohr, dass es eine wahre Freude für jeden Anhänger dieses Musikstils ist. Aber auch Rocker dürften Gefallen an diesem Sound haben, findet man hier doch außerdem eine gute Portion Biker-Romantik.
Was das Energielevel angeht, so wird hier fast permanent am Limit agiert, was aber nicht heißen muss, dass Shouter Tim Fleuren und seine Mannen das Gaspedal ständig bis zum Anschlag ins Bodenblech treten. Als Beispiel sei an dieser Stelle "The Storm" genannt. Die mit 3:49 Minuten längste Nummer des Albums wartet anfangs nämlich mit einer atmosphärischen Bassfigur auf, bevor dann amtlich losgeholzt wird.
Generell sollte man wissen, dass unter dem Etikett 'Street Punk' keine großen Innovationen zu erwarten sind. The Pagans stehen nämlich ganz klar in der Tradition großer Namen wie The Exploited, Angelic Upstarts, Cockney Rejects, The Business und anderer Arbeiterklasse-Bands aus dem Vereinigten Königreich - und erfinden das Rad also keineswegs neu. Das hat aber auch niemand ernsthaft erwartet bzw. gewollt, oder?!
Hier regieren knackige Riffs und simple Songstrukturen. Der rausgeschriene Gesang wird in den Refrains von mächtigen 'Gang-Vocals' unterstützt. Hier und da gibt es etwas Lead-Gitarre, polternde Hauruck-Trommeln treiben das Ganze unablässig nach vorn. Aber damit erzähle ich wohl niemandem etwas Neues, der sich ernsthaft für diese Art von Musik interessiert - das sind nun mal die klassischen Bestandteile, Punkt aus. Möglicherweise darf man The Pagans ein Quäntchen mehr Rock'n'Roll-Lastigkeit attestieren als anderen Oi!-Bands, das war es dann aber auch schon mit den Besonderheiten.
Das hier ist jedenfalls Skinhead-Musik, die ihre Wurzeln zweifellos im simplen, treibenden Oi! der 1980er Jahre hat, die aber keinesfalls vorschnell in die rechte Ecke gestellt werden sollte. Dass es nämlich auch linksgerichtete Skins gibt, darauf muss auch an dieser Stelle noch mal explizit hingewiesen werden!
Wie gesagt wird auf "Hate Till Justice Reigns" nichts neu erfunden. Es ist aber gut zu wissen, dass klassischer Street Punk bzw. Oi! auch ein gutes Vierteljahrhundert nach dessen Hochphase noch seine Anhänger und Genrevertreter hat. Und The Pagans sind definitiv eine Bereicherung für die Szene, denn ihr frisch rockendes Album macht ungemein Spaß. Kracher wie "Rock'n'Roll Loner", "War", "Moralist" oder "Cheers" treten einem jedenfalls beherzt in den müden Arsch! So soll das sein!
Anmerkung: Auf der nachstehenden Tracklist wurde die Reihenfolge der letzten beiden Songs vertauscht. Und warum gerade der Titelsong als Bonustrack ausgewiesen ist, will mir nicht so recht in den Kopf.
Line-up:
Tim Fleuren (vocals)
Olivier Haverman (guitar)
Frank Bogaart (bass)
Jacob Nagel (drums)
| Tracklist |
01:Intro (0:58)
02:Rock'n'Roll Loner (2:50)
03:We Don't Need (2:50)
04:Rebel Rider (1:39)
05:War (2:54)
06:Moralist (2:54)
07:Loyalty (3:03)
08:The Storm (3:49)
09:Cheers (2:02)
10:Hate Till Justice Reigns [Bonus Track] (2:03)
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