Pantommind / Lunasense
Lunasense Spielzeit: 52:10
Medium: CD
Label: Spectastral Records, 2009
Stil: Prog Metal

Review vom 10.07.2009


Boris Theobald
Auch Bulgarien ist in Sachen Progressive Metal kein Entwicklungsland mehr. Das beweisen Pantommind aus Gabrovo. Deren zweites Album "Lunasense" kann man der globalisierten Metal-Welt nicht nur allerbesten Gewissens empfehlen - die vier Jungs haben es sogar verdient, im internationalen Prog-Zirkus ein gehöriges Wörtchen mitzureden!
Seit 1993 gibt es die Band schon, 1995 kam die Umbenennung von Lavender Haze in Pantommind. Es folgten zwei Demos und nach etwas Personal-Rotation im Jahr 2005 schließlich das Album "Shade Of Fate". Damit schaffte man es ins Vorprogramm namhafter Bands wie Fates Warning und Helloween und löste das Ticket zum Progpower Europe 1996.
Mit "Lunasense" bestätigen Pantommind ihren guten Ruf. Sie können gut mit ihren Instrumenten umgehen/singen und schreiben saustarke, fesselnde Songs mit der notwendigen Portion Extravaganz. Ähnlichkeiten zu diversen Genre-Größen lassen sich nicht leugnen. Doch bei der Qualität zum Beispiel des instrumentalen Openers "Transmission Part I" dürfen die 'Großen' gern mal hinhören.
In technischer Hinsicht trumpfen Pantommind nicht derart auf wie Dream Theater - was die Emotionalität, die intuitive Durchentwicklung und diverse süchtig machende Überraschungsmomente angeht, da dürften die New Yorker Helden mit ihrer immer konstruierter wirkenden Musik jedoch inzwischen auch mal den 'Kleinen' wie Pantommind ein Ohr leihen. Das ist Musik, die einen nicht mehr loslässt!
Später gibt es mit "Transmission Part II" noch eine Fortsetzung, dieses Mal aber mit Gesang. Und (nicht nur) da klingen Pantommind wie ein Mix aus Dream Theater und Prog-Stoff mit stärkeren Referenzen zum 80er-Metal, nur mit (größeren) Keyboard-Anteilen, ähnlich wie es Ivanhoe praktizieren. Die frühen Fates Warning kommen einem da in den Sinn, Conception, ganz stark Mystic Force (glücklich der, der sie kennt!) oder Queensrÿche. "Sandglass" ist schon eine etwas zu deutliche Reminiszenz an die frühen Jahre von Tate & Co. - spätestens beim "Queen Of The Reich"-Gedächtnis-Pfeifen muss man sich schon ein Schmunzeln verkneifen.
Ansonsten wird aber nicht gelacht, sondern gestaunt. Spannungsgeladene und vielschichtige Songstrukturen mit extrem gut platzierten Balladen-Breaks, hochemotionalen Soli auch in Intros und Outros und dramatischen Wendungen lassen den Prog-Fanatiker mit den Ohren schlackern. Der leidenschaftliche Gesang Tony Ivans mit beeindruckenden Abstechern in ganz hohe Tonregionen erinnert an Andy Kuntz. "To The Days Of Old" und insbesondere "Letter To No One" besitzt sogar diese ganz spezielle Vanden Plas'sche Melodieführung - klasse!
So kann jeder Prog-Feinschmecker bei der nächsten Heißhunger-Attacke im Plattenladen blind zu Pantommind greifen, ohne es hinterher zu bereuen. Klar müssen die Bulgaren sich noch ein wenig selbst finden und von diversen Einflüssen freischwimmen. Das ist aber verdammt schwer und sicherlich kein Muss, um zumindest ein überdurchschnittlich starkes Album abzuliefern. Und das haben sie mit Sicherheit getan!
Line-up:
Tony Ivan (vocals)
Drago (drums, percussion)
Pete Christ (guitar, keyboard)
Peter Vichew (guitar)
Tracklist
01:Transmission Part I (4:00)
02:Erasable Tears (4:23)
03:Wolf (6:15)
04:Sandglass (5:51)
05:Letter To No One (5:08)
06:To The Days Of Old (5:08)
07:Blank (2:43)
08:Transmission Part II (6:43)
09:My Home (Into Infinity) (5:53)
10:I'll Never Be The Same (6:00)
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