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Wo man auch nachschlägt, steht von der Schwierigkeit zu lesen, die Paperboys stilistisch einzuordnen. Ob sie eine Bluegrass- oder Celtic Folk-Band sind, weil sie beides spielen und neben mexikanischen Stücken auch noch andere von der musikalischen Landkarte. Damit mögen Puristen vielleicht ihre Schwierigkeiten haben, aber die interessieren uns nicht wirklich... Gegründet 1991, tourt die Band seither auch regelmäßig in Europa einschließlich Deutschland. Sechs Longplayer stehen weiterhin auf der Habenseite.
Die Combo gibt als Heimathafen Vancouver an, gut, da kommt schon einiges hin, was sich im Bandsound verarbeiten lässt. Und wenn das maßgebliche Mitglied selber einen mexikanischen ’Hintergrund’ hat, dann sollte sich das Verwundern doch in engeren Grenzen halten.
Aber da gibt es ganz andere Fragen, auf die die Musikwelt vielleicht eher gern Antworten wüsste. PaperBOYS – auf dem offiziellen Bandfoto sowie auf dem Cover ist ganz eindeutig ein Mädchen (Kendel Carson) zu sehen … Darauf besteht die Truppe aus fünf Mitgliedern. Aber, oh Wunder, im Line-up des neuen Albums finden wir dann sechs! Samt einer zweiten Lady (Ashley MacLeod). Auf der Bandseite wird zwar unter 'News' vermeldet, dass man in Deutschland ein ’Live im Studio – Album’ aufgenommen habe, das bei den Konzerten verkauft werde. Aber dass man von einer der feinsten Adressen in Good Ol’ Germany für diese ’Best Of’ samt drei neuen Stücke eingeladen war, verschweigt man seinen Fans. Auch wie es zu dieser ehrenvollen Gelegenheit kam, die bisher hauptsächlich Einzelkünstlern vorbehalten blieb. Bis dato taucht die Veröffentlichung auch nicht in der offiziellen Diskografie der Heimatadresse auf. Merkwürdigkeiten über Merkwürdigkeiten...
Egal, die Paperboys haben unter Aufnahmeleitung des Labelchefs Günter Pauler (natürlich) ein feines Album eingespielt, das parallel als SACD (hier Gegenstand der Besprechung) und Vinyl-LP erhältlich ist. Darauf sind elf fast nur akustisch arrangierte Stücke, die einerseits in bester Celtic- und Bluegrass-Tradition, mit zwei Abstechern in südamerkanische Gefilde, verhaftet sind, aber auch eine deutliche folkloristische Pop-Orientierung aufweisen. Das Sextett ist hervorragend aufeinander eingestellt, das flutscht nur so. Dass das Ganze relativ locker abgelaufen ist, hört man an den nicht herausgeschnittenen Bemerkungen zwischen den einzelnen Tracks. Die sind komplett bandeigen, den Großteil der Kompositionen steuerte Gründer Tom Landa bei.
Gegenüber anderen Bands aus dem weiteren kanadischen Lager, die bei RockTimes zuletzt reichlich zum Hörtest gelandet sind, bleiben die Paperboys doch relativ auf der Folklore-Seite. Den Roots Rock- oder Americana-Trend verfolgen sie zumindest mit diesen Aufnahmen nicht. Ihr „Live At Stockfisch Studio“ ist was für die romantischeren Seelen, die gern dem süßen Klang der irischen und schottischen Tunes lauschen und auch die schnellen Stücke aus den Appalachian Mountains mögen. Die beiden ’Exoten’ bringen willkommene Abwechslung ins Geschehen. Bei einer Produktion aus dem Hause Stockfisch erübrigt sich jeder weitere Hinweis auf die Soundqualität, die ist gewohnt exzellent und ’warm’ abgestimmt. Im stimmungsvollen Booklet finden sich die Songtexte.
Erst kürzlich waren die Kanadier bei uns auf Tour und wenn nichts dazwischen kommt, dann sind sie nächsten Herbst wieder in deutschen Clubs zu erleben. Bis dahin bleibt genügend Zeit, sich mit „Live At Stockfisch Studio“ einzuhören.
Line-up:
Tom Landa (vocals, guitars, jaranda)
Geoffrey Kelly (flutes, whistles, vocals)
Kendel Carson (fiddle, vocals)
Ashley MacLeod (fiddle, piano, vocals)
Brad Gillard (bass, banjo, vocals)
Matt Brain (drums, percussion)
| Tracklist |
01:Writing
02:Mary
03:El Baile Del Puma
04:Comfort And Kind
05:For Roberta
06:Worms/Door Of Steel
07:Stars
08:Dilapidated Beauty
09:Country Life
10:La Primavera
11:Good Thing
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Externe Links:
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