Peloton / The Early Years
The Early Years Spielzeit: 43:12
Medium: CD
Label: Parallell, 2011
Stil: Jazz

Review vom 27.11.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Peloton ist ein schwedisches Quintett, das auf seinem zweiten Album bereits einen Rückblick vornimmt. Normalerweise macht man das so nach zirka zehn Jahren oder vielleicht fünfzehn Tonträgern. Nein, so ist der Platten-Titel nun nicht zu verstehen. Bei "The Early Years" geht es im Schwerpunkt um den Drahtesel oder das Fahrrad. Am Niederrhein heißt das Fortbewegungsmittel einfach Fiets.
Bekannt ist ja mittlerweile, dass im skandinavischen Teil Europas sehr gute Musik aus vielen verschiedenen Genres entsteht. Pelotons vertonte Abenteuer kommen, grob umrissen, aus dem Jazz. Folglich darf man sich bei diesem Fünfer ohne Steuermann auf Improvisationen freuen. Oder sollte man besser von einer ganz freien musikalischen Anlage sprechen? Dem kommen die zwölf Peloton-Elaborate wohl eher nicht nahe, denn kompositorisch sind fast alle Band-Mitglieder zum Zuge gekommen. Dennoch sind die Arrangements mit einem gewissen Freiraum versehen.
Daraus resultiert eine sehr persönliche Färbung der Tracks und dennoch bleibt allen Nummern der experimentelle Jazz-Charakter erhalten. Man kann bei "The Early Years" durchaus auch von Avantgarde sprechen, selbst wenn es Klangphasen gibt, die mit Lounge-Jazz umschrieben werden können.
Tja, in "The Early Years" steckt halt viel gehaltvolle Musik drin und neben den allgemein verdächtigen Instrumenten wie Trompete, Saxofon, Klarinette, Gitarre und Schlagzeug beziehungsweise Percussion werden auch verschiedene Synthesizer eingesetzt. Bei den Stücken sind ganz unterschiedliche Instrumente federführend und so entstehen auch verschiedenfarbige Sphären.
Peloton setzt auch Sound-Erzeuger ein, die im Line-up gar nicht angegeben wurden. So bekommt man in "Aquarium" den Eindruck, dass auch Papier zerrissen wird. Die experimentellen Stücke kommen einem so vor wie eine Reise im Zeitraffer vom Niederrhein bis zu den Alpen. Mit überraschenden Klang-Offensiven muss der Hörer bei Peloton immer rechnen. "The Early Years" fordert den Hörer und das ist auch gut so. Bestimmt ist der Jazz des Quintetts nicht jedermanns Sache, aber für vorurteilsfrei aufgeschlossene Musik-Fans mit einem Hang zu diesem Genre ist die vorliegende Platte eine Empfehlung.
Viele fantasievolle Tracks drehen sich um das Fahrrad und älteste Radrennen, das noch ausgetragen wird: Lüttich-Bastogne-Lüttich. Es wird auch "La Doyenne" genannt und "Leon Houa" war sowohl der erste Sieger bei den Amateuren als auch bei den Profis. Hinter "Eugene Meyer" (kontra James Starley) steckt die Erfindung des Fahrrades und "Baron Karl Von Drais" haben wir die Entwicklung des Laufrades oder der Draisine zu verdanken. Persönlich nannte er das Holzgefährt "Laufmaschine". Im Inneren ist das Digipak in einer Art von Zeitungsmeldungen gestaltet worden.
Peloton präsentiert sehr experimentelle Musik, deren Fundament der Jazz ist und man muss für die tonalen Ideen des Quintetts schon offene Ohren haben. Im Sinne von nervig ist die Gruppe ist allerdings nie grenzüberschreitend, man braucht nur ein gehörige Portion an Vorstellungskraft, um die ungewöhnlichen Klangabenteuern zu folgen.
Die Arrangements der Stücke sind inspirierend und lassen den Hörer durchaus zu ganz anderen Namen für die Nummern kommen. So ist das nun einmal bei instrumentaler Musik. "The Early Years" ist eine Sammlung von beeindruckenden Klang-Collagen, die man mit einem Hördurchgang gar nicht voll aufsaugen kann. Man muss sich geradezu in die Musik hineinknien. Das Album fordert den Hörer. "The Early Years" ist höchst interessant und wird sich bei seiner Extravaganz nicht durch hohe Verkaufszahlen auszeichnen.
Line-up:
Karl Strømme (trumpet, synthesizer)
Hallvard Godal (saxophone, clarinet)
Petter Vågan (guitar and more)
Steinar Nickelsen (Oberheim OBX synthesizer)
Erik Nylander (drums, percussion)
Tracklist
01:Lonely Bird Song [Nickelsen] (3:29)
02:Aquarium [Peloton] (4:18)
03:La Doyenne [Peloton] (3:57)
04:Constantinople [Peloton] (5:25)
05:Leon Houa [Godal] (1:33)
06:Eugene Meyer [Godal] (4:11)
07:Laufmaschine [Godal] (4:12)
08:Gone [Pelozon] (2:12)
09:Baron Drais [Peloton] (5:24)
10:Pedestrian Curricle [Nickelsen] (1:53)
11:Royal Salvo [Nickelsen/Godal] (3:17)
12:One In A Row [Godal] (3:16)
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