Phantom Wingo / Where You Been?
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Grundgütiger, wer ist das? Nennen sich Phantom Wingo, kommen aus Georgia und werden von Artimus Pyle (Ex-Lynyrd Skynyrd) als: "The best live band I've seen in a long time!" bezeichnet.
"Hittin' The Note", das Allman Brothers-Magazin stößt ins gleiche Horn: "A can't-miss live show!....They really do reflect that swampy, mid-seventies Allman Brothers Win, Lose or Draw Period" und auch das "Gritz Magazin" lobt die Band und spricht von "ansteckendem Boogie a'la Allmans".
Jetzt gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ich schließe mich den zitierten Lobgesängen an, oder aber ich bin, ob meiner mittlerweile enormen Vorfreude auf "Where You Been?", mächtig enttäuscht.
Phantom Wingo, das sind Tyler Roe (g,v), Ronny Keel (g,v), Matt Picard (d) und Brooks McCarty (b).
So steht es auf der Bandpage und im Booklet. Verwirrung stifetet da eine weitere Bookletseite, die als Bassisten Adam Celeste und als Drummer Josh Fallin aufführt. Nun ja, wenn die diesbezügliche Antwort der Wingos eingetrudelt ist, werden wir das klarstellen.
(Anmerkung (11.01.2005): Tyler teilte uns mit, dass Josh und Adam bei der Aufnahme noch dabei waren. Nach deren Ausscheiden kamen dann Matt und Brooks.)
Die Jungs haben es drauf, mit super Harmonien und Melodien fast schon inflationär umzugehen.
Eine Gastslide in "I Can't Lose", gespielt von Peter Penebre (No Exit Band, in deren Line-up auch Tyler Roe zu finden war) lässt dieses wohlige, alte ABB-Feeling aufkommen. In diesem Track spielt Peter auch Lead-Solo.
Zwei Gitarren, Bass und Drums - überschaubares Line-up und meistens effektiv um ehrlichen Rock abzuliefern. Und so kommt es auch aus den Kalotten meiner JBL. Passiert äußerst selten, dass ich mich mit Papier und Stift ins Wohnzimmer setze und ein Review verfasse. Normalerweise geschieht das im Arbeitszimmer am PC, während die Musik aus der Zweitanlage kommt. Diese CD aber muss via Luxman, Marantz und JBL adäquat behandelt werden.
Gleich der Opener "Bibb County Line" groovt lässig mit angenehmen Akkordfolgen. Die Rhytmusgitarre lässt mich zu meiner akustischen Fender greifen und mitmachen. Dezente, unaufdringliche Gitarrensoli reiten auf dem Rhythmus. Southern geht es weiter. Erinnert mich stilistisch an die Winters Brothers Band, an die Marshall Tucker Band - also nicht an die harte Southern-Rock-Variante, sondern eher diese "aus-dem-Handgelenk-jammende" Spielart. Etwas alten Allman-Groove, genial eben.
Im Titelsong gibt es Unterstützung von Jason Anderson und Adrienne Brazle. Letztere steuert die backing vocals bei und Jason begeistert an der B3 und dem Fender Rhodes.
Lässige Southern-Jams, ab und an härtere Licks ("I Think To Myself", "Just Ain't Right"), leichter Country-Touch ("The Way It Used To Be") im Stil von Pure Prairie League - dieses lässige Jammen haben nur sehr wenige Bands drauf.
Neun Songs und null Durchhänger auf diesem ganz und gar amerikanischen Album. So locker und flockig habe ich schon lange nichts mehr gehört. Und mir kommt viel vor die Ohren.
Ich möchte mich nun mal selbst zitieren: Das ist Kerzenmusik, Marek.
Wer auf Southern-Jam steht, sollte die Phantom Wingos unbedingt im Regal stehen haben.
Für mich jetzt schon ein Anwärter auf die berühmte "CD des Jahres". Zumindest in diesem Genre.
Spielzeit: 41:50, Medium: CD, Burning Barn Records, 2004
1:Bibb County Line 2:Pass The Time 3:I Can't Lose 4:I Think To Myself 5:The Way It used To Be 6:Where You Been 7:Just Ain't Right 8:Take A Look 9:None Of What You Have
Ulli Heiser, 08.01.2005