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Handclaps hört man auf "Form & Control" nicht, aber vielleicht kann der Hörer ja vor Freude selbst in die Hände klatschen. Die Phenomenal Handclap Band (PHB) gibt es seit 2009 und gegen Ende des Jahres brachte man gleich die erste Platte mit dem Titel "Phenomenal Handclap Band" auf den Markt.
Mit vorliegender Scheibe muss man erst einmal fertig werden. Das Musikerkollektiv um die DJs und Produzenten Daniel Collás sowie Sean Marquant fordern einen schon, denn sie und ihre Armada an Begleitmusikern vollführen einen Spagat, den man nur schwer nachvollziehen kann. Allerdings stellt "Form & Control" für alle vorurteilsfreien und aufgeschlossenen Hörer nicht im Geringsten ein Problem dar. Man muss nur »The Human League, MGMT, Fleetwood Mac, Black Devil Disco Club, Justice, Hercules & Love Affair, The Steve Miller Band« auf dem Schirm haben. Meinerseits möchte ich noch The KLF, Orchestral Manoeuvres In The Dark (wegen der schönen Klicks in "Winter Falls", die an "Enola Gay" erinnern) und vielleicht aus der Beliebigkeit des Indie Rocks kommende weitere Bands nennen. Dieser Spagat muss doch wehtun. Da bekommt der Spruch 'ich habe Rücken' eine ganz andere Bedeutung. Film noir trifft auf das Dschungelcamp.
Phenomenal Handclap Band bringt es tatsächlich fertig, die Disco-Phase aus den Endziebzigern/Achtzigern und handgemachte Indie Rockmusik einem Näherungsversuch zu unterziehen. An eine Trennschärfe, bezogen auf die Songs, denkt die Gruppe da eher selten. Doch, es gibt Tracks wie zum Beispiel "Mirrors", die nun wirklich nichts mit Tanzflächen-Mucke (im engeren Sinn) zu tun haben. Dafür fließen dann eben mehr orientalische Elemente in die Musik ein. Für die Phenomenal Handclap Band müssen musikalische Interessen sozusagen einmal auf die Grundeinstellung zurückgesetzt werden, sonst wird man sich in der "Form & Control"-Schlingware garantiert verheddern.
Alles klar? Wer bei den ersten beiden Tracks abgetanzt hat, sollte sich schon darüber wundern, dass PHB beim letztgenannten Indie Rock-Song landen würden. Der Band, oder vielleicht den beiden Vordenkern, würde ich die Frage stellen, ob sie schon einmal etwas von Kurt Hauensteins Band Supermax und "Lovemachine" gehört hat.
Der Hammer ist "Afterglow". Santanas Trommelwirbel begegnen himmlischen Frauenstimmen und dazu feuert eine E-Gitarre staubtrockene Riffs in den Äther. Oh Mann, Phenomenal Handclap Band ist echt frech. Wer auch noch auf groovende Rhythmik steht, bekommt hier obendrein noch eine weitere Vollbedienung. Das Kollektiv ist extrem experimentierfreudig und zum Teil ist die Musik explosiv.
Bei "Form & Control" ist das musikalische Korsett ausgeleiert, sonst würden die zwölf Nummern darin gar keinen Platz finden. Der Hörer ist hin und her gerissen. Soll man das jetzt gut finden? Jedenfalls muss man sich definitiv erst daran gewöhnen. Manche Leute wollen das aber gar nicht. Das Album hat keinen roten Faden. Hier ergibt sich ein irres Geflecht von Schnüren.
Die Band ist einerseits psychedelisch, andererseits bodenständig und hat ein Faible für Pop. Das Album strahlt Wärme und im Allgemeinen eine positive Atmosphäre aus. Neben den beiden Köpfen der Gruppe, die wohl einen Löwenanteil der Instrumente spielen, kann man, bei der schmalspurigen Promo-Ausgabe, bezüglich weiterer Akteure an dieser Stelle nur auf das Informationsblatt verweisen. Mit von der Partie sind Laura Marin (lead vocals), Quinn Luke (guitar, vocals), Patrick Wood (drums, vocals), Jason Roberts (lead guitar) und Emily Panic (bass).
Weil es so schön passt, kann als Zusammenfassung nochmals zitiert werden: »Form & Control - an ambitious work which takes their clever fusion of international psych, soul, and cosmic disco a bold step forward.« Anhören lohnt sich jedenfalls auf jeden Fall.
| Tracklist |
01:Following (3:52)
02:The Right One (5:46)
03:The Written Word (3:58)
04:The Unknown Faces At James Park (4:26)
05:Shake (4:26)
06:Form & Control (4:19)
07:Give (4:09)
08:Afterglow (4:08)
09:Winter Falls (2:44)
10:All Cliches (3:46)
11:Mirrors (3:47)
12:The Attempt (2:53)
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