Pieska / Euphoria
Euphoria Spielzeit: 30:52
Medium: CD
Label: FinestNoiseReleases, 2011
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 07.10.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Bernhard Piesk aka Pieska ist Schauspieler und Multiinstrumentalist. Für "Euphoria" hat sich der Münchner in die Wohnung seiner Wahlheimat Berlin-Kreuzberg begeben und alle zu hörenden Instrumente (siehe Line-up) auf der Platte wurden selbst eingespielt. Vor "Euphoria" erschien von ihm das Album "Pimpiki".
Mit ihrem analogen Charme sammelt die CD schon einmal ihren ersten Pluspunkt. Pieskas Heimarbeit und handgemachte Musik beinhaltet Melancholie, Freude und Zeitlosigkeit. Ohne Umwege freundet sich der Hörer mit den Kompositionen an. Neben einem klasse Songwriting weiß der Mann auch noch, wie die Lieder-Perlen wirkungsvoll in Szene gesetzt werden.
Live-Auftritte dürfte der Münchner wohl nicht alleine bestreiten, denn im Digipak gibt es Bilder sowie Namen seiner Euphoria Band. Jackson spielt Gitarre, Mac D trommelt, Karl-Uwe Stegmann zupft den Bass, Gregory ist am Piano zu hören, Magdalena Rukola streicht über die Saiten des Cello und singt Backing Vocals.
Pieska präsentiert nicht nur Singer/Songwriter-Material der introvertierten Art und Moll-Weise. Er ist genauso versiert im Servieren von erotischem Großstadt-Tango oder bedächtiger Musik, die Lounge-Atmosphäre hat. Geschickt verknüpft der Künstler den roten Faden in seinen zehn Songs mit zum Teil minimalistisch eingesetzter Instrumentierung. Obwohl seine aussagekräftigen Texte mit Bedacht gewählte Zeilen enthalten, werden die Songtitel an der kurzen Leine gehalten. Fast alle Tracks bewegen sich so um die drei Minuten und auch wenn einem hier und da der Pop über das Trommelfell streichelt, wird pieska nie kitschig.
Bei der individuellen Musik eines pieska muss das beigefügte Booklet Erwähnung finden, denn es macht seinem Namen alle Ehre und ist in der künstlerischen Gestaltung ebenso wertvoll wie die Platte. Fast schon logisch ergibt sich, dass der Protagonist für das Artwork zuständig ist. Die extravaganten Bilder stammen von ihm sowie Maxi Warwel, die auch den Text zu "Shadows" geschrieben hat.
"Liebe" ist der einzige Song in deutscher Sprache und pieska begleitet seinen Gesang nur mit dem Rhodes-Keyboard. Inhaltlich reflektiert er die herzzerreißenden Gefühle einer Beziehung und so findet die Scheibe ein sehr nachdenkliches Ende.
Pieska kann nicht nur durch die Instrumente Emotionen transportieren. Der Bayer verfügt über eine sehr variable Stimme, die ohne Probleme auch in höheren Tonlagen überzeugt. Wenn es einerseits Pop-Anleihen gibt, hakt sich der Musiker andererseits auch bei der Klassik oder in kleinen Intermezzi beim Jazz ein. Im Zusammenhang mit der hier servierten Musik darf ein pieska auf der E-Gitarre sogar gehaltvoll rocken. "Euphoria" ist gespickt mit eingängigen Melodien und bei der Qualität des Songwritings ist es durchaus vorstellbar, dass Konzerte auch Solo einen nachhaltigen Wert darstellen.
Ein weiteres Charakteristikum der Musik ist die Raffinesse, mit der er uns um den Finger wickelt. Wer sich vermehrt im Singer/Songwriter-Milieu bewegt, wird bei "Euphoria" seine Freude haben. Die Lieder lassen sich nicht über einen Kamm scheren und jedes Stück hat seine eigenen Duktus. Die weitere Entwicklung des Wahl-Berliners muss man im Auge behalten und bei diesem Album darf man gespannt auf ein Konzert sein.
Line-up:
Pieska (guitar, bass, cello, accordion, Rhodes, organ, harmonica, piano, drums, vocals)
Tracklist
01:All Of You (3:18)
02:Morning Sorry (3:18)
03:Lady Love (2:44)
04:Snooze (3:17)
05:Clown (1:14)
06:Euphoria (2:21)
07:Red (4:12)
08:Shadows (2:42)
09:Never Poor (3:00)
10:Liebe (4:42)
(all songs written, performed & produced by Bernhard Piesk aka Pieska; #8 lyrics Maxi Warwel)
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