Auweia, liebe Ananasdiebe: Mit diesem neuen Silberling haben sich die britischen Prog-'Rocker' The Pineapple Thief einen klassischen Rohrkrepierer eingehandelt. War der 2008er Vorgänger Tightly Unwound noch eine stimmige, organische Angelegenheit und vor allem deutlich rockiger orientiert, legt man nun mit "Someone Here Is Missing" ein wenig überzeugendes Opus vor. Mir fehlen eindeutig die griffigen Rock-Arrangements des Vorgängers. Stattdessen bekommt man nun viel 'pappige' Drum-Computer und 'weichgespülten', beliebigen Einheitsbrei.
Ich hasse es, einen Verriss zu schreiben, liebe Pineapple Thief-Freunde, denn eigentlich bin ich ein harmoniebedürftiger Mensch. Es ist definitiv nicht vergnügungssteuerpflichtig, ein sicherlich mit Herzblut produziertes Werk dieser ambitionierten britischen Vollblutmusiker auseinander zu pflücken. Aber auch nach zwanzig Hördurchgängen kann ich persönlich "Someone Here Is Missing" nur sehr wenig Positives abgewinnen und somit muss ich nun in diese saure Ananas beißen.
Bereits der Opener "Nothing At Best" ist eine zwiespältige Angelegenheit: Uninspiriertes Synthie-Geblubber wechselt sich mit einem durchaus gelungenen, treibenden Refrain ab und stürzt den Hörer somit in ein Wechselbad der Gefühle. "Wake Up The Dead" ist da schon etwas eindeutiger. Hier sorgen Synthie-Bässe und Drum Machine für alles andere als erbauliches 'Prog-Feeling'. Mit "The State We're In" wird ein Pop-Liedchen hinterher geträllert, wieder mit diesen an die berüchtigten 'Dash-Trommeln' erinnernden Rhythmen. Alle drei Songs sind für Pineapple Thiefs Verhältnisse extrem kurz - um es positiv zu formulieren: kompakt - ausgefallen.
Der erste Longtrack folgt mit "Preparation For Meltdown", aber auch hier werden die fehlenden Ideen mit reichlich 'Synthie-Gezirpe' verkleistert. Die heftigen und ansprechenden Breaks wirken da schlichtweg wie Fremdkörper. Da weiß "Barely Breathing" schon eher zu überzeugen, da hier auf Gimmicks jeglicher Art verzichtet wird. Auch "Show A Little Love" beginnt sehr ansprechend, ja erstmals sogar richtig losrockend, bevor das Stück bei Spielzeit 1:06 in einen undifferenzierten, synthetischen Soundbrei abgleitet.
Ein richtig guter Song, "3000 Days", überaus gefällig arrangiert und an frühere Werke der Jungs erinnernd, vermag den sprichwörtlichen Braten leider nicht fett zu machen. Zumal das abschließende "So We Row" wie ein Eintopf, quasi ein Reprise, aus den Zutaten der eher unrühmlichen Songs dieses Albums wirkt.
"3000 Days" beweist eindeutig, dass The Pineapple Thief nichts verlernt haben, was man diesen überaus ambitionierten Musikern ohnehin nicht zutrauen würde. Nach dem bereits eingangs angeführten, überzeugenden Vorgänger, "Tightly Unwound", mit kleinen Meisterwerken wie "Shoot First" und "And So Say All Of You", ist das hier vorliegende "Someone Here Is Missing" eine ernüchternde Enttäuschung. Bei allem Verständnis für neue Konzepte, scheint dieser Versuch, in 'poppige' Gefilde vorzustoßen, eher in eine Sackgasse zu münden.
Großartig ist dagegen das Cover zu werten, obwohl mir nur die 'abgespeckte' Promo-Version vorliegt. Es bleibt zu hoffen, dass der traurige, mit Schnipseln der Songtexte verklebte Mann kein Gleichnis für Pineapple Thiefs Zukunft ist ...
Line-up:
Bruce Soord (vocals, guitars)
Jon Sykes (bass, background vocals)
Steve Kitch (keyboards)
Keith Harrison (drums)
Tracklist |
01:Nothing At Best (4:09)
02:Wake Up The Dead (4:24)
03:The State We're In (3:19)
04:Preparation For Meltdown (7:28)
05:Barely Breathing (3:45)
06:Show A Little Love (4:00)
07:Someone Here Is Missing (3:53)
08:3000Days (6:10)
09:So We Row (8:16)
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