Erwähnte ich in meiner Review der CD "3" Twin-Guitars à la Wishbone Ash, so passt das hier erst Recht, denn mit "F.U.B.B." gibt es eine (und was für eine!) Cover-Version eben dieser Band.
"Rare Tracks 1998-2005" besteht, bis auf den Wishbone Ash-Hammer, aus bisher unerveröffentlichten Tracks und ist keine - wie der Jahrezusatz vielleicht vermuten läßt - Zusammenstellung, oder eine Best Of-Sammlung. Von Best-Of zu reden, wäre auch fehl am Platz, denn das Niveau der Musik und Musiker zieht sich auf gleichbleibend hohen Level durch die 11 Nummern.
Viele 70er-Jahre Elemente lassen sich ausmachen. Mal klingt es partiell nach Kin Ping Meh ("Remember Me"), dann leicht nach 'twingitarrendursetzten' Black Sabbath (Baboon).
"Crow Jazz", jazzt veträumt vor sich hin, von energiegeladenen lospreschenden Gitarren (Bass eingeschlossen), das ein oder andere Mal um die Ruhe gebracht.
Leichter, Wah Wah-durchsetzter Funkrhythmus macht uns den "Pimp Cocktail" schmackhaft, bis eine ' Lee Ritenour-Gitarre' dazustößt. Und neben dieser 'dazugekommenen' Gitarre fetzen die Twin-Guitar weiter ihre Licks, denn bei diesem Song gab es Verstärkung durch den Jazz-Gitarristen Chris Poland, bekannt durch seine Arbeit in den Achtzigern bei Megadeth.
"Grooveyard Jam" ist wohl eine Art Dank ans Label und ja, es jammt in bester Rock-Jazz (diese Reihenfolge ist wichtig) Manier. Bass und Schlagwerke befeuern Teil eins der Partitur, den Rest erledigen die beiden Sechssaiter. "Dinsdale", läßt sich am besten so umschreiben: Countrymäßiges, durchsetzt mit Uptempo Jazz- und Rockgitarren. Eine Nummer, bei der Cowboys, ob des Tempos der Soli, leicht vom Bronco stürzen können.
Die Übernummer "Kåkbrinken 11a" läßt mich nun aber auch etwas Kritik anbringen, denn mit vier Minuten ist dieser Song leider viel zu kurz. Es hat keine aberwitzigen Soli - das Tempo ist, im Vergleich zum bisher gebotenen, extrem heruntergenommen. Der Besen streichelt das Becken, die Gitarren jaulen langsame Soli, man driftet ab und beginnt zu träumen. Und wenn die Reise am schönsten, ist "Kåkbrinken 11a" auch schon verstummt.
Die Band, ich sagte es bereits an anderes Stelle, braucht keinen Sänger. Sie schafft es, alleine durch instrumentalen Einsatz, den (Rock)Hörer zu fesseln. Die Musik folgt (erst mal) keinem Schema, aber wenn man sich darauf eingestellt hat, dass eben kein Break in Form eines Refrains kommt, dann kann man ohne Ballast die plötzlich doch vorhandenen Strukturen identifizieren und genießen. Gitarrenfans werden das eh' ab Beginn des ersten Taktes tun. Wie auch "3" sind die "Rare Tracks 1998-2005" hervorragend geeignet, sich der Musik hinzugeben und sich treiben zu lassen.
Plankton eben!
Spielzeit: 47:00, Medium: CD, Grooveyard Records, 2006
1:Remember Me? 2:Precis som i onödan 3:Baboon 4:The Man With No Name 5:F.U.B.B. 6:Crow Jazz 7:Pimp Cocktail 8.Fårklänning 9.Grooveyard Jam (feat. Chris Poland on lead guitar) 10:Dinsdale 11:Kåkbrinken 11a
Ulli Heiser, 16.05.2006
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