Porcupine Tree / Arriving Somewhere
Arriving Somewhere... Spielzeit: 95:00 (DVD 1), 46:00 (DVD 2)
Medium: DVD
Label: Snapper Music, 2006
Tonformat: Dolby Digital 5.1, PCM Stereo 2.0,
Dolby Surround DTS, DTS
Sprache: Englisch
Region-Code: 2
Stil: New Artrock


Review vom 03.11.2006


Ralf 'Jogi' Ruhenstroth
Der Mann ist noch keine 40 Jahre alt, zählt aber zu denjenigen, die bereits umfangreiche und nachhaltige Eindrücke bei den Fans hinterlassen haben. Die Rede ist von Steven Wilson und sein berühmtestes Projekt ist Porcupine Tree. Der letzte Output "Deadwing", der von Teilen der Fachpresse zum Album des Jahres 2005 gewählt wurde, hatte dafür gesorgt, dass auch die passende Tour mehr als gut besucht war. Und das nicht nur in Europa. Am 11. und 12.10.2005 traten Porcupine Tree im Park West, Chicago, auf. Leslie Hoyle wurde damit beauftragt, die beiden Gigs zu filmen. Und da ich mich bis jetzt mit den Fernsehaufnahmen eines Rockpalast-Auftrittes begnügen musste, freue ich mich, nun eine richtige und offizielle DVD anschauen zu können.
In einem schmucken Outfit kommt diese ins Haus und beinhaltet zwei Scheiben. Auf Disc 1 können wir den Auftritt bewundern, während die Disc 2 gewohntermaßen Bonusmaterial bietet. Fangen wir mit dem Konzert an:

Wie beschrieben handelt es sich um die 'Deadwing-Tour'. Porcupine Tree sind bekanntermaßen eine sehr gute Live-Band. Um es vorweg zu nehmen: Genau das beweisen sie auch an diesem Abend. Die Halle ist nicht übermäßig groß, die Stage wirkt gut aufgeräumt. Oberhalb der Bühne zieren Leinwände das Bild und machen so einen tollen Gesamteindruck. Mit dem von "Deadwing" stammenden "Open Car" wird die Show eröffnet. Steven Wilson zeigt kaum Emotionen, sondern konzentriert sich von Anfang an auf das Repertoire. Die Bässe wummern und auch die Drums knallen, was das Zeug hält. Als Gastmusiker steht an der zweiten Gitarre John Wesley mit auf der Bühne. Eines wird gleich zu Beginn klar: Die Band harmoniert und trägt ihre Stücke mit absoluter Perfektion vor. Da "Deadwing", wie ich finde, etwas härter als gewohnt ausgefallen war, wirkte die Single-Auskoppelung "Lazarus" auf dem Studiowerk irgendwie ein bisschen fremd. Hier im Konzert geht die Taktik voll auf. Klasse, wie John Wesley in dieser doch eher ruhigen Nummer die Akustik-Gitarre bedient.
Beim "Hatesong" entlockt Richard Barbieri wahrlich tolle Töne aus den Synthies und Gavin Harrison zeigt mit seinen vielen Breaks und seiner Performance, was für eine grandioser Schlagzeuger er ist. Wilson quetscht dabei die Gitarre aus und zelebriert stellenweise aggressive Töne. Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente ergibt ein kleines Kunstwerk. Langgezogene solistische Einlagen bestimmen anschließend "Don't Hate Me".
Die Lightshow wird anfangs noch etwas spärlich eingesetzt, entfaltet aber bei "Mother And Child Devided" ihre ganze Wirkung, in dem sich die Scheinwerfer endlich in Bewegung setzen. Der Synthesizer kommt stellenweise psychedelisch beim Hörer an. Das Beste an Groove, was ich in der letzten Zeit gehört habe, offenbart sich dann bei "So Called Friend". Extravagantes Beckenspiel von Gavin Harrison und tolle Bassläufe von Colin Edwin.
Ein ganz beeindruckendes Werk innerhalb der Setlist ist das ca. 12-minütige "Arriving Somewhere", welches schon auf "Deadwing" bei mir das Verlangen ausgelöst hatte, die Scheibe immer und immer wieder zu hören. Diese Stimmungs- und Tempowechsel machen einfach das Salz in der Suppe aus. Unglaublich, wie exakt Steven Wilson hier die Gitarre bedient. Und gerade die harten Töne lassen es einfach richtig krachen.
Die Songauswahl ist einfach gelungen, denn mit "Heartattack In A Layby" wird es traurig und sphärisch. Der Gesang bei "The Start Of Something Beautiful" ist leider etwas dünn. Aber bei "Halo" merkt man förmlich, wie die Formation die Musik offensichtlich lebt. Dem auf der Leinwand leuchtenden "Pain" wird soundtechnisch alle Ehre gemacht.
Der Zugabenteil beinhaltet dann noch mal ein ungewohntes Highlight. Als Steven Wilson bei "Trains" mitten im Stück eine Saite auf der Akustik-Gitarre reißt, lässt er sich tatsächlich zu einem kleinen Lächeln hinreißen und beweist, dass er doch über Humor verfügt. Die Gitarre wird getauscht und es geht ein unheimlich intensives Konzert zu Ende.
Diese DVD ist wirklich ein Kunstwerk. Was mir nicht gefällt, sind die schwarz/weißen Einblendungen. Das der Film Körner aufweist, nun ja, da gab es schon viel Schlimmeres. Der Sound hingegen ist einfach top, so dass "Arriving Somewhere..." auch ein Klangerlebnis ist. Man durchlebt Gefühlswelten, die warm und kalt, aber auch sanft und wild sind. Das Teil ist unbedingt zu empfehlen.
In der Bonussektion gibt es noch "Futile" und "Radioactive Toy" live im Rockpalast als Ergänzung. Ein ganz netter Einfall ist der "Cymbal Song" von Gavin Harrison. Da man die Filme oberhalb der Bühne auf der Konzertaufnahme mehr schlecht als recht mitverfolgen kann, gibt es als Bonus noch Teile der "Live Projections".
Line-up:
Steven Wilson (guitars, vocals)
Colin Edwin (bass)
Richard Barbieri (keyboards)
Gavin Harrison (drums)

Guest-Musician:
John Wesley (guitars, vocals)
Tracklist
CD 1:
01:Revenant
02:Open Car
03:Blackest Eyes
04:Lazarus
05:Hatesong
06:Don't Hate Me
07:Mother And Child Devided
08:Buying New Soul
09:So Called Friend
10:Arrving Somewhere But Not Here
11:Heartattack In A Layby
12:The Start Of Something Beautiful
13:Halo
14:The Sound Of Muzak
15:Even Less
16:Trains
17:End Credits
CD 2:
01:Futile (Live Im Rockpalast)
02:Radioactive Toy (Live Im Rockpalast)
03:Lazarus (Promo Clip)
04:The Start Of Something Beautiful (Live Film)
05:Halo (Live Film)
06:Mother And Child Devided (Live Film)
07:Cymbal Song (Gavin Harrison)
08:Photo Gallery
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