Gordon Reeves / The Rising Tide
The Rising Tide Spielzeit: 38:40
Medium: CD
Label: Tonetoaster/Alive, 2009
Stil: Singer/Songwriter

Review vom 20.04.2009


Norbert Neugebauer
Zu Jahresbeginn 2008 hatte ich mal von einer Renaissance der Liedermacher gesprochen, mittlerweile scheint ein wahrer Boom ausgebrochen zu sein. Kaum eine Woche vergeht, in der uns nicht neue Veröffentlichungen dieses Genres in die Player flattern. Ob die alle geneigte Ohren, sprich Käufer und Konzertbesucher finden, lässt sich schwer abschätzen. Für die Live-Kleinkunstszene in Deutschland bedeutet das jedoch ein sehr vielfältiges Angebot, das gerade jetzt im Frühjahr für Gigs an jeder Ecke sorgt. Parallel dazu erscheinen die neuen Alben, die den Künstlern bei ihren Touren den eigentlichen Verdienst neben den Kleingagen verschaffen. Es lohnt allemal, sich in der lokalen Szene (so's die noch gibt) umzuschauen, wer grad auf der Bühne ist und bei unbekannten Namen mal wieder den eigenen Horizont zu erweitern.
Gordon Reeves ist in diesen Tagen erstmals mit seiner Gitarre und einer aktuellen Scheibe bei uns unterwegs, allerdings gab es schon frühere Gigs, die ihm sein Label organisierte. Der 1977 geborene Nordire hat sich ausgiebig in der Welt umgesehen und sein breites Berufsspektrum reicht lt. PR-Info vom Gärtner über Kinderunterhalter bis zum Promi-Frisör. Entdeckt wurde er von dem deutschen Label-Chef Frank Scheller von Tonetoaster zufällig in Australien. Uns interessiert natürlich in erster Linie, was er musikalisch drauf hat und das lässt sich allemal hören. Eine warme kräftige Stimme mit rauem Timbre, Marke Ladykiller, gutes Gitarrenspiel, interessante Songs angesiedelt zwischen Folk, Rock und Blues, die sich zunächst einmal recht angenehm und (meist) erfreulich eigenständig anhören. Und knackig.
Die Scheibe wurde im westfälischen Langenberg aufgenommen und hat einen deutlichen, durchgehenden "Live-Charakter", obwohl sie in mehreren Sessions über Monate eingespielt wurde. Das spricht für die Arbeit des Teams Thiesmann/Scheller von PP-Recording. Die Arrangements bleiben meist sparsam, das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf den variablen Vocals. Aber auch die Gäste, mir allesamt unbekannt, tragen zum runden Gesamtergebnis bei.
Der Titeltrack und Opener sorgt schon mal für die Aufmerksamkeit, die dieses Album wert ist. Reeves fängt den Hörer mit seiner charismatischen Stimme ein, die nur von der Akustikgitarre und einer Mandoline(?) begleitet wird. Dass er durchaus auch rocken und riffen kann, stellt er mit "Icebreaker" klar, das von einem kräftigen Gewitter umdonnert wird (der Anspieltipp für die Blues Rock-Fraktion!). Auch "Let Me Go" ist von der kräftigeren Sorte und Reeves präsentiert erstmals seine 'Röhre'. Der "Old Desire Blues" schleicht sich vom Kopf langsam in die Eingeweide, das süße Gift wird mit sanften Orgelklängen kaschiert. Ein melancholisches Zwischenspiel mit Cello erwartet uns mit "Now That You Are Leaving" / "Why Is It Taking So Long".
"Please Be" - nach dem dritten Hören hatte ich es:
»Spent my days with a woman unkind,
Smoked my stuff and drank all my wine.
Made up my mind to make a new start,
Going to california with an aching in my heart…«

Aber mit den Credits haben es die Herren Page/Plant ja früher auch nicht so genau genommen, gell!
Damit wird es wieder folkiger, nachdenklicher, träumerischer. Und "Dance Back To The Dark" beschert uns einen richtig schaurigen Totentanz. Am Ende hören wir das bekannte irische Traditional "The Auld Triangle" in einer unbegleiteten Version, bei der Reeves nochmal seine markante Stimme bestens zur Geltung bringt. Ob der Song aus strategischen Gründen mit auf die Scheibe musste oder ob es dem Singer/Songwriter aus Dublin ein Herzensbedürfnis war, auch seine Folkloretauglichkeit unter Beweis zu stellen, lassen wir mal offen. Aber die 'Celtic Magic' funktioniert natürlich auch hier.

Gordon Reeves ist demnächst in eurem Club. Hört ihn euch an!
Line-up:
Gordon Reeves (vocals, guitar)

Additional Musicians:
Andreas Bohnenkamp (drums, percussion)
Blue Sid (piano, organ, keyboards)
Markus Scheller (electric guitar)
Frank Scheller (bass)
Kathrin Schoene-Meyer / Phillip Gand (cello)
Frank Thiesmann (electric guitar)
Miriam Brandtoenies / Melanie Funke / Stephanie Funke / Christian Severin (choir)
Tracklist
01:The Rising Tide
02:Icebraker
03:Let Me Go
04:Old Desire Blues
05:Another Year
06:Now That You Are Leaving
07:Why Is Taking So Long
08:Please Be
09:Goodnight Sweet Dreams
10:Till The Angels Appear
11:Dance Back To The Dark
12:The Auld Triangle
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