Raoul And The Big Time / Hollywood Blvd
Hollywood Blvd Spielzeit: 45:07
Medium: CD
Label: Big Time Records, 2014
Stil: Blues

Review vom 16.05.2014


Joachim 'Joe' Brookes
Raoul Bhaneja ist Schauspieler und Musiker. Die Band Raoul And The Big Time wurde im Sommer 1998 gegründet und bereits ein Jahr später gab es einen Maple Blues Award für die beste neue Band. Respekt, denn zu dem Zeitpunkt war das Debütalbum "Big Time Blues" (2000) noch gar nicht auf dem Markt. Es folgten "Cold Outside" (2004), "You My People" (2009) und "Blue Midnight" (2010). Das letztgenannte Album ist eine Livescheibe, die ganz im Zeichen von Little Walter Jacobs steht. Wohl kein Wunder, denn das Instrument des Frontmannes Raoul Bhaneja ist die Mundharmonika.
Seine Band The Big Time besteht aus dem Gitarristen Darren Gallen, Tom Bona (Schlagzeug) und Terry Wilkins am Bass. Was sich auf der zweiten beziehungsweise dritten Platte bereits andeutete, wurde für die vorliegende Scheibe weiter ausgebaut. Waren vorher zum Beispiel The Sojourners oder Junior Watson Gäste, ist die Liste nun um einige Musiker erweitert worden. Unter anderem wirken so bekannte Musiker wie Franck Goldwasser, Rick Holmstrom, Richard Innes, Fred Kaplan, Larry Taylor oder Curtis Salgado mit.
In der Tracklist gibt es dann auch einen wunderschönen Instrumental-Blues-Schleicher namens "Curtis Charm" mit ... dem Harper Curtis Salgado. Wenn man die überschaubare Liste der Pianisten zur Kenntnis nimmt, dann kann man sich vorstellen, wer bei dem feinen Lounge-Blues mit Jazz-Temperierung "Left Coast Fred" im Zentrum des Tracks steht. Allerdings sollte man auch auf das Rhythmus-Duo Larry Taylor (mit einem Kontrabasssolo) und Richard Innes achten, der mit seinen Jazzbesen jede Menge Groove produziert.
Acht der zwölf Songs hat Raoul Bhaneja geschrieben. "Someday" dürfte man von Bobby 'Blue' Bland her kennen, der provokante Titel "Get Out Of My Life Woman" stammt von Alain Toussaint, für "Why (Am I Treated So Bad)" gehören die Credits Roebuck Staples (The Staple Singers) und "In The Shadow Of The Pine" ist ein Traditional. Spürbar ist bis in die eigenen vier Wände ein klasse Sound der Nummern, denn die Tracks wurden aufgenommen »on two inch tape, live off the floor with minimal overdubs [...]«.
Bei den Balladen, allen voran "Tired", reißt man sich vor lauter Emotionalität, die da aus den Lautsprechern strömt, das Hemd in Stücke. Der Slow Blues ist eines der hervorstechenden Merkmale von Raoul And The Big Time. Herrlich auch der mit etwas Akkordeon-Country und Violine angereicherte ruhige Rausschmeißer "In The Shadow Of The Pine". Da legt man sich zum Träumen doch gerne unter die Pinie und lässt die Seele baumeln.
Dem Opener kann man eine gewisse Rauheit nicht absprechen. Der Rhythmus rumpelt und Rick Holmstrom spielt dazu eine zwischen energisch und relaxt pendelnde E-Gitarre. Die Harp-Einschübe von Raoul Bhaneja sorgen für Spannung. Das Titelstück "Hollywood Blvd" ist eine Angelegenheit von Pianist Fred Kaplan, der sich zum Einstieg ein wenig Dave Brubecks "Take Five" nähert. Die insgesamt vier Stücke ohne Gesang sind ebenfalls echte Highlights bei denen diverse Instrumente eine wichtige Rolle spielen.
Bei den vielen Musikern könnte man auf die Idee kommen, dass hier vielleicht zu viele Köche den Brei verderben. Dem ist aber nicht so, denn Raoul Bhaneja hat quasi mit drei Bands (The Big Time mitgezählt) gearbeitet. Aufgenommen wurde konsequenterweise in nur zwei Studios. Einerseits war es The Rogue (Toronto), andererseits die Clear Lake Recording Studios in Burbank, Kalifornien. Im Rahmen des musikalischen Verständnisses des Protagonisten wird auf "Hollywood Blvd" auch gerockt und wenn in drei Nummern die Bläsergemeinschaft aus den Saxofonisten Pat Carey sowie Alison Young und Trompeter Jake Wilkinson für unterschiedlich emotionale Action sorgt, kann der Hörer nur noch zufriedener dreinschauen.
In den zwölf Liedern bringt Raoul Bhaneja verdammt viel unter einen Hut. Das Album ist wie aus einem Guss und bietet viele Gelegenheiten, auf Entdeckungsreise zu gehen. Das Songwriting ist klasse und die Arrangements verfügen über Pfiff, das gewisse Etwas.
Line-up:
Raoul Bhaneja (vocals - #1,3,4,6,8-10, harmonica – 1,2,4,5,7,9,10)
Darren Gallen (electric guitar - #3,6)
Terry Wilkins (electric bass - #3, upright bass - #6)
Tom Bona (drums - #3)
Rick Holmstrom (guitar - #1,5,8)
Junior Watson (guitar - #2,4,7,9,10)
Franck Goldwasser (electric guitar - #3)
Rusty Zinn (electric guitar - #6)
Fred Kaplan (piano - #2,4,7,9,10)
Tyler Yarema (piano - #6)
Pat Carey (saxophone - #3,6)
Alison Young (saxophone - #3,6)
Jake Wilkinson (trumpet - #3,6)
Jeff Turmes (electric bass - #1,5,8)
Larry Taylor (upright bass - #2,4,7,9,10)
Stephen Hodges (drums - #1,5,8)
Richard Innes (drums - #2,4,7,9,10)
Mark Mariash (drums - #6)
Donny Gerrard (backing vocals - #1,5,8)
Tracklist
01:Nothin' Gonna Take Me Down (4:52)
02:Hollywood Blvd (3:55)
03:Someday (2:10)
04:High Roller (3:00)
05:Amphetamine (2:51)
06:Get Out Of My Life Woman (3:32)
07:Left Coast Fred (3:30)
08:Why [Am I Treated So Bad] (4:21)
09:Tired (5:52)
10:Spoken For (4:35)
11:Curtis Charm (3:02)
12:In The Shadow Of The Pine (3:28)
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