Redline / Pure Liebe
Pure Liebe Spielzeit: 40:51
Medium: CD
Label: Ank Music, 2007
Stil: Rock

Review vom 13.11.2007


Ilka Heiser
Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber wenn ich in unseren Städten durch die Einkaufsstraßen laufe, bin ich mir manchmal nicht mehr so ganz sicher, ob ich wirklich noch in Deutschland, oder schon in den USA befinde. Der Anglizismus greift immer mehr um sich und mir schwillt im Angesicht von Sale (statt Schlussverkauf), Open (statt geöffnet), Store (statt Geschäft) - die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen - immer mehr der Kamm.
'Was hat dieses Thema mit Musik zu tun' - wird sich der eine oder andere Leser (berechtigterweise) fragen. Nun, ganz einfach: Ich stelle immer wieder fest, dass ich Bands mit englischen Texten, die vermutlich auch schon mal den allergrößten Mist zusammensingen, leichter für eine Besprechung vom Tisch bekomme, als eine Truppe die es wagt, in deutscher Sprache zu singen, mögen die Verse auch noch so intelligent sein. Und da ich (gezwungenermaßen) mit deutschsprachigem Rock aufgewachsen bin - man nennt es heute Ostrock - hab ich wohl die wenigsten Probleme damit.
Natürlich kann man argumentieren: Was soll der Text, auf den Sound kommt es an, das muss schnackeln und ins Ohr gehen. Sicherlich ein Argument, das nicht von der Hand zu weisen ist.
Aber ich ziehe ganz offen den Hut vor solchen Bands, die beides beherrschen, nämlich sowohl hörbare Musik als auch gute Texte unters Volk zu bringen.
Aber kommen wir zum Eigentlichen, nämlich Redline, einer noch jungen Band aus München, die in ihrer Musik die verschiedensten Facetten wie Punk, Metal, Elektronik und sogar eine Prise Pop verarbeiten. Und ich habe bereits nach den ersten Hördurchgängen ihres Debüts feststellen können, dass diese Formation zu denen gehört, die es fertigbringen, sowohl textliche als auch musikalische Ergebnisse abzuliefern, die mich unvermittelt aufhorchen lassen.
Natürlich zieht sich das allseits beliebte Thema Liebe, wie der berühmte 'rote Faden' durch das Album. Da geht es um Sehnsucht nach der 'endgültigen Erfüllung', wie in dem flotten Opener "Keine Heilung", dem fetzig rockenden "Honig" sowie dem Kracher "Versteckspiel".
Das im mittleren Tempo gehaltene "Meine Droge" erzählt von der ganz großen Verliebtheit. Die zerbrochene Liebe wird in "Pure Liebe" ebenso besungen, wie in dem ruhigen, fast balladenartigen Stück "Silberträne".
In ein akustisches Gewand wird die Liebesballade "Porzellen" verpackt und "Mach den Mund auf"! beschreibt Sex in höchster Vollendung - ein Midtempokracher in ebenfalls höchster Vollendung.
Aber auch andere Themen werden behandelt. Da ist die Sehnsucht, wie ein Vorgel fliegen zu können, um das Leben in der Stadt von oben zu betrachten. Amüsant ist das narzistische "Spiegelbild", dessen Sound sogar ein bisschen was von The Cure hat.
Sehr nachdenklich wirkt dagegen "Magnet", bei dem man unweigerlich an Drogensucht denkt.
Fazit: Ein wirklich hörenswertes, ehrliches Rock-Album, welches nicht wie die Kopie von Band XY klingt. Der Sound ist knackig und kommt fett aus den Boxen, die Songs sind interessant und musikalisch abwechslungsreich.
Redline haben mit ihrem Debüt bewiesen, dass jede Menge Potenzial in ihnen steckt, denn der Weg bis zum endgültigen Durchbruch ist noch weit. Sie werden aber ihren Weg gehen, davon bin ich überzeugt.
Line-up:
Ricq (Gesang)
Andy (Gitarre)
Carry (Schlagzeug)
Smuf (Bass und Gesang)
FaB (Keyboards und Piano)

Gäste:
Caro Bomhardt (Gesang - #1,3,5)
Jens Windau (Cello - #12)
Wolfgang Kotsowilis (Schlagzeug - #12)
Heiko Hinze (Synthesizer)
Tracklist
01:Keine Heilung
02:Meine Droge
03:Unsterblich
04:Pure Liebe
05:Magnet
06:Silberträne
07:Spiegelbild
08:Freier Fall
09:Honig
10:Versteckspiel
11:Mach den Mund auf
12:Porzellan
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