Reverse Cowgirls / Bucking
Bucking Spielzeit: 37:45
Medium: CD
Label: Off Label Records, 2014
Stil: Countrybilly, Cowpunk

Review vom 16.10.2014


Steve Braun
Wir haben die Ehre, an dieser Stelle eine ziemlich durchgeknallte Truppe vorzustellen. Wie behämmert, fällt sogleich beim Studium des Begleitschreibens auf, das wahrscheinlich erst ab 1,5 Promille lesbar wird, und setzt sich beim Bandfoto fort. Zwei Gitarristen, der eine zusätzlich mit einer Bassdrum - der andere mit Fußpedal-Snare und einer Hi-Hat bewaffnet, und ein Kontrabassist. Fertig ist der Lack.
Bandname und Coverfoto verraten es wohl auch einem Tauben: Hier wird Countrybilly und Cowpunk, angereichert mit den üblichen Zutaten, wie Rock'n'Roll und den drei Heiligen Billys (Rock-, Psycho- und Hillbilly), zelebriert. Vielleicht nicht ganz so rotzig wie bei den Hickoids, aber trotzdem auf Spitzenniveau angesiedelt!
Humor verschütten die drei Holländer von Reverse Cowgirl gleich eimerweise. Die Musik 'buckelt' mindestens genauso widerborstig wie es Albumtitel und -cover versprechen - die Texte sind teilweise zum Schreien komisch. Alle zwölf Songs von "Bucking" kommen ehrlich-rau, handgemacht und direkt daher. Die Band dürfte also live ziemlich genauso klingen wie auf diesem Tonträger.
Die oben genannten 'Cerealien' werden - szenetypisch - in ziemlich kompakten Songs runtergerockt und -geprügelt. Dabei lüften gerade "Damn The Damage" und "Looose" ähnlich gnadenlos die Hirnschale wie "Black Valley River" von den Labelkollegen Dinosaur Truckers, um mal einen prägnanten Vergleich zu bemühen. Genauso atemberaubend präsentieren sich die Hillbilly-Knaller "Rosemary" und "Chickenstew". Das Tanzbein zuckt, die Schmalztolle wippt zu Rock-a-Rollern wie "Professional Feeder" oder Uptempo-Bluegrass-Nummern wie "Bad Luck & Trouble".
Aber die Reverse Cowgirl können beileibe mehr als nur blödeln: Die beiden glutvollen Rootsrocker "Prairie Road" oder "Down South" gehören ganz klar zum Besten, was aus dieser Ecke in diesem Jahr zu hören war! Durch die gleiche Furche zieht "Homemade Rust", wenn auch nicht ganz so packend. Bärenstark auch der 'Rausschmeißer' "Alligator", ein - nomen est omen - lupenreiner Swamprocker.
Nicht ein kompositorischer Ausfall ist für "Bucking" zu verzeichnen. Die Musik packt beherzt 'zwischen die Schenkel' - die beiden Sänger, Joost Dijkema und Michiel Hoving verfügen über das genau passende 'Mundwerk'.
Wer Szene-Legenden wie The Waltons oder The Cramps, meinetwegen auch die unnachahmlichen White Cowbell Oklahoma und die anderen Konsorten, über alle Maßen schätzt, sollte den Reverse Cowgirls mal dringend mindestens eines seiner Ohren leihen...
Line-up:
Harry Kingma (double bass)
Joost Dijkema (vocals, acoustic guitar, banjo, harmonicas, snaredrum, crash cymbal)
Michiel Hoving (vocals, electric guitars, bass drum, hi-hat)
Tracklist
01:Damn The Damage (2:24)
02:Professional Feeder (3:23)
03:Common Order (2:44)
04:Bad Luck & Trouble (3:11)
05:Prairie Road (4:00)
06:Down South (4:33)
07:Bad Trip (2:57)
08:Looose (2:13)
09:Rosemary (2:22)
10:Homemade Rust (3:06)
11:Chickenstew (2:17)
12:Alligator (4:16)
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