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Die amerikanische Band Richmond Fontaine gibt es schon eine gefühlte Ewigkeit. 1994 vom Frontmann Willy Vlautin und Bassist David Harding gegründet, wurde die Gruppe bald schon zu einem Quartett erweitert. Nach vielen Gigs wurden regelmäßig Alben veröffentlicht, die allesamt sehr gute Kritiken bekamen. Mittlerweile hat der Vierer in Portland, Oregon seine Heimat gefunden und "The High Country" ist bereits ihre zehnte Platte.
Vlautin ist ebenfalls Roman-Autor und er hatte sein Debüt als solcher 2006 mit "The Motel Life". Dieses Buch ist die Vorlage für einen Film, bei dem die Polsky Brothers Regie führen. In den Hauptrollen werden Stephen Dorff, Dakota Fanning sowie Kris Kristofferson zu sehen sein. Da verwundert es kaum, dass "The High Country" ein Konzeptalbum geworden ist.
Erzählt wird die Geschichte einer heimlichen Liebe zwischen einen Mechaniker und einer Verkäuferin in einem Laden für Autoteile. Die Hauptpersonen leben in einer ländlichen Gemeinschaft, geprägt von der Holzwirtschaft. Aber auch dort gibt es alle Fassetten von Großstadt-Charakteren. Romantik ist nur ein Teil der Story. An und für sich handelt es sich um eine grausliche Liebesgeschichte, in der es letztendlich um Eifersucht, Flucht und Mord geht.
Aus diesem Szenario heraus ist "The High Country" so etwas wie ein Film ohne Bilder oder ein Hörbuch. Während sich das Liebes-Drama schrittweise entwickelt, werden in ziemlich kurzen Nummern unter anderem die Personen der Handlung vorgestellt. Romantische Balladen treffen auf hart aufspielende Gitarren, die ihre Power im Grunge getankt haben.
Durch die Instrumentierung mit zum Beispiel Cello, Pedal Steel oder Akkordeon werden faszinierende Klanglandschaften erzeugt. Gesanglich übernimmt die Rolle der Frau Deborah Kelly von der Band The Damnations. Kelly arbeitete bereits vorher schon mit Richmond Fontaine und verfügt über eine bezaubernd-sympathische Stimme.
Die Storyline als auch die musikalische Umsetzung sind perfekt. Wie bei einem werbefreien Film sollte man sich die knapp fünfzig Minuten Zeit nehmen und das komplette Album hören. Ungemein intime und intensive Songs machen sowohl in der balladesken Ausrichtung ("Let Me Dream Of The High Country") als auch heftig rockend ("Angus King Tries To Leave The House") die Runde.
Die Musik pendelt zwischen Singer/Songwriter, Americana und bereits erwähnten grungigen Elementen. Manchmal glaubt man, es bei diesem Opus mit nicht nur einer Band zu tun zu haben. "Driving Home To The Chainsaw Sea" stellt eine Autofahrt dar und es wird im Radio gesurft. Schnipsel von Country-Songs, die den Insassen nicht gefallen, sind zu hören und am Ende des Tracks läuft dann der Anfang des folgenden Rockers "Lost In The Trees". Diese Nummer ist der einzige Song, der nicht in die Story eingebettet ist. Mit einem ganzen Wald an Gitarren wird hier hemmungslos gerockt, dass die Wände wackeln. Hüsker Dü wurden von der Band früher als Einfluss genannt und mit dieser Komposition lehnt man sich durchaus an die Alternative-Combo an.
Richmond Fontaine ist mit "The High Country" ein ungewöhnliches Konzept-Album gelungen. Filmmusik zu einem Streifen, den es gar nicht gibt. Allerdings läuft die Vorführmaschine für das Kopfkino ganze fünfzig Minuten perfekt.
Line-up:
Willy Vlautin (vocals, guitar)
Dan Eccles (guitar)
Dave Harding (bass, guitar, vocals)
Sean Oldham (percussion, keyboards, guitar, vocals)
Joined By;
Deborah Kelly (vocals)
Paul Brainard (pedal steel)
Dave Huntley (keyboards, accordion)
Collin Oldham (cello, cellomobo)
| Tracklist |
01:Inventory (3:32)
02:The Girl On The Logging Road (1:46)
03:The Chainsaw Sea (4:23)
04:Let Me Dream Of The High Country (2:13)
05:The Mechanic Falls In Love With The Girl (1:36)
06:The Mechanic's Life (3:16)
07:Angus King Tries To Leave The House (3:17)
08:The Meeting On The Logging Road (1:44)
09:Claude Murray's Breakdown (3:23)
10:The Eagles Lodge (3:14)
11:Driving Back To The Chainsaw Sea (1:23)
12:Lost In The Trees (3:36)
13:On A Spree (2:40)
14:Deciding To Run (2:48)
15:I Can See A Room (2:33)
16:The Escape (3:31)
17:Leaving (4:30)
(all songs written by Richmond Fontaine)
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Externe Links:
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