The Riffsurfers / Cockaigne Decisions
Cockaigne Decisions Spielzeit: 58:41
Medium: CD
Label: P.f.P. Records, 2010
Stil: Crossover

Review vom 25.05.2010


Norbert Neugebauer
Strange …

in jeder Hinsicht.
Mit ihrem zweiten Album haben die Kronacher Riffsurfers den gängigen Formaten herkömmlicher Musik ein ohrenbetäubendes 'Servus' hingerockt. Nicht nur die anzüglichen Wortspielereien beim Album- und einigen Songtiteln (bei weitem nicht der einzige Grund für den wohl etwas kokettierenden Aufkleber »Parental Advisory Explicit Content«), die surreale, infernohafte Cover-Art (Robert Reich), die wilden Soundcollagen, einschließlich vorgetäuschter Pressfehler und Pausen, die extremen Gitarreneinsätze, die oft wenig songähnlichen Strukturen ohne zunächst erkennbare herkömmliche Stilistiken, der mitunter unmelodische, herausgebellte Sprechgesang mit eindeutigem Inhalt, Verfremdungen und psychedelische Abgedrehtheiten fordern den Hörer - "Cockaigne Decisions" klingt wie eine Jam-Session der Enkel von Jimi Hendrix, der Doors, der Mothers, von
Pink Floyd, Black Sabbath und Vanilla Fudge mit den Kindern von Nirvana, Steve Vai und Dream Theater nach einem grandiosen Acid-Test.
Dass die drei Jungs, die seit 2004 zusammen spielen, ihren zunächst als »bluesigen Jazz-Funk-Rock« postulierten Bandsound in den letzten Monaten bei den Arbeiten an diesem Album noch weiter ins Extreme geschraubt haben, wird sofort deutlich. Nach Schulglocken-Intro und einem kurzen verbalen Vorgeplänkel im Studio gerät die erste Nummer schnell aus dem Takt und überschlägt sich bis zum Kollaps - wer das erstmal überstanden hat, den maschinengewehrmäßigen Stakkato-Funk von "Kattay" und die Aussetzer am Ende des vierten Titels (Nr. 3, "Old John's Magik Mushroom Palace" dazwischen - ein schräger Blues à la Captain Beefheart - klingt dagegen richtig 'gängig'), der ist wirklich reif für dieses Album und diese Band!
Im Folgenden behalten die Riffsurfers ihren harten Kurs bei. Aggressive Kracher oftmals knapp am Rand des Verträglichen, dann wieder Stücke herkömmlicherer Machart, Funk, Blues, zuweilen sogar ausgesprochen Melodisches. Und Schräges wie "La Bossa Primavera". Der Hörer bleibt aber immer auf der Hut vor der nächsten Soundgranate, die ihm das Kleinhirn zerlegt.
"Cockaigne Decisions" ist kein einfaches Werk. Es verbindet die ganzen Abgedrehtheiten der Spätsechziger/Frühsiebziger mit heutigem Musik-Verständnis (in der Extremauslage) und aktueller Technik. Die Riffsurfers sind drei erwachsen gewordene Musiker, die sich enorm weiterentwickelt haben. Hinter der vorgeblichen Ausgeflipptheit und Abgefucktheit, der Experimentierfreude und der Lust an extremen Sounds, steckt profundes Können und harte gemeinsame Arbeit. Nach wie vor teilen sich Matthias Amm und Christian Pietz die hevorragende Saitenarbeit; wer welche Parts hier spielt, lässt sich deshalb nur vermuten. Ebenso den Platz am Mikro. Positiv ergänzen auf jeden Fall die zusätzlichen Keyboards (meist herkömmlich als E-Piano oder Orgel gespielt) das Bandgefüge. Das wird von Philipp Sammet, der mittlerweile an der Hochschule für Musik und Theater in München Schlagwerk studiert, hervorragend mit seinen Trommeln und Becken zusammen gehalten und strukturiert.
Die zweite CD der Riffsurfers ist ein großer Schritt nach vorn und als Eigenproduktion respektabel, klangmäßig absolut einwandfrei. Ein externer Produzent würde sicher so manche Skurrilität herausgeschliffen und das Werk damit wohl auch ein Stück leichter konsumierbar gemacht haben. So wird es wohl etliche Hördurchgänge brauchen, bis jedes Detail verstanden und "Cockaigne Decisions" in seiner Gesamtheit erfasst ist. Als Anspieltipp empfehlen wir "Don't You Think"/"My Love".
Ein solches Album auf die Beine zu stellen, dazu gehört nicht nur Kreativität, sondern auch eine große Portion Verrücktheit, die wohl nur in der eigenen Souveränität ohne fremde Mitbestimmung möglich ist. Gut, dass es noch solche Bands gibt, die 'ihr Ding' machen!
"Cockaigne Decisions" ist frisch aus der Presse und wurde jüngst den Fans von den Riffsurfers in ihrer Heimatstadt vorgestellt. RockTimes bleibt der Band auf den Fersen, wie sie das live auf die Bühne bringt!
Line-up:
Matthias Amm (guitars, bass, vocals)
Christian Pietz (guitars, keys, bass, vocals)
Philipp Sammet (drums, percussion)
Tracklist
01:Introitus Interruptus
02:Kattay
03:Old John's Magik Mushroom Palace
04:Left Untidy
05:Get Naked
06:Mister T
07:Amanda
08:Messin' Up
09:Don't You Think
10:My Love
11:I Found Out
12:La Bossa Primavera
13:Disco Chixxx
Bonus Track:
Messin' Up (Guitar Demo)
Externe Links: