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Durch diese Rezension hat RockTimes eine Verabredung mit Eryn Shewell. Die im amerikanischen East Windsor beheimatetet Sängerin legt mit "4th & Broadway" ihr erst zweites Album vor und abermals macht sich die Zusammenarbeit mit Hemifrån bezahlt.
Eryn Shewell singt seit ihrer Kindheit, kommt aus einer sehr musikalischen Familie, stand schon mit zehn Jahren auf der Bühne und vier Jahre später brachte sie ihre ersten Songs zu Papier. Als Autodidaktin lernte sie Gitarre spielen und war auch als Soundtechnikerin aktiv. Kein Wunder also, dass sie vorliegendes Album produzierte. Nicht ganz alleine, denn seit 2007 verbindet sie eine musikalische Partnerschaft mit dem Gitarristen Pat Ruh, den man auch auf dem Plattencover im Hintergrund als eine Art Straßenmusiker sehen kann. Im Duo hat man fast alle Songs des Albums geschrieben und beide sind an den Sechsaitern, verstärkt wie auch akustisch zu hören.
Was zunächst mit einem flockig lockeren Opener beginnt, steigert sich nach dem Start in nicht zu vermutende Dimensionen. Schon "Beloved Goobyes" offenbart, welch eine klasse Sängerin die Shewell ist. Hingebungsvoll und mit viel Soul auf den Stimmbändern liefert sie eine überzeugende Leistung ab. Der Song hat ein herrliches Ambiente und auch die E-Gitarre sowie Akustische können betören. Arne Wendt hat seine Keyboards auf Piano eingestellt und serviert perfekt passende Fills.
Shewells Musik wird aus diversen Richtungen infiltiert. In "Already Wrote The Song" ist es der Blues. Da ist sofort eine Dobro zur Stelle, die im Verlauf auch mit dem Bootleneck gespielt wird. Obendrauf gibt es noch eine elektrische Gitarre, die genüsslich ihre Kreis zieht und dann steigen die Bläser zunächst als Untermalung ein. Wenn Antonio Gambrell dann zum Solo anhebt, gehen der Blues mit dem Jazz eine erotische Allianz ein. Oh Mann, diesen Track habe ich mir gleich mehrmals reingezogen!
Die Frau hat ein überzeugendes Talent. Was den Hörer zunächst als Popballade umgarnt, entwickelt sich zu einem tollen Song mit aufsteigender Dynamik und dann schlagen die Bläser wieder einen Haken zum Jazz. Vorhersehbar ist bei Shewells Musik nichts.
Ein Song mit dem Titel "Satellite" ist ja seit Lena Meyer-Landrut in allen Ohren. Erya Shewell hat so etwas auch in ihrer Tracklist, allerdings rockt und funkt es hier durch die Gassen. Alleine schon, wie die Nummer eröffnet wird, ist großartig. Einige E-Gitarrenriffs lassen noch nicht erahnen, was geschehen wird. Handtrommeln gesellen sich dazu und dann geht die Post ab. Die Riffs werden aufdringlicher und über dem flirrenden Rhythmus thront Shewells Stimme. Nach einem Break nimmt man den Faden wieder auf und dann stehen die Backing Vocals für einen Moment in Spotlight. Hatte ich die Holz-, Blechbläser und das klasse E-Gitarrensolo schon erwähnt? Hölle, hier ist was los! Shewell & Co. zeigen, wie ein Satellit anders rotieren kann.
"I Would Wait Forever" geht geschmeidig in Richtung Country und kann ebenfalls überzeugen. "300 Miles" braucht es nicht, um Gefallen an einem weiteren Song aus diesem Genre zu finden. Es liegt wohl an dem Quäntchen mehr an Herzschmerz, das Shewell hineinlegt und der Pedal Steel, die den Track besser dastehen lässt. Ein zentrales Stück der Platte, das man auf keinen Fall verpassen darf.
Dem Slow Blues wendet sich die Protagonistin wieder zu, wenn es "Work So Hard" heißt. Werden die Bläser aktiv, handelt es sich um großformatigen 12-Takter. Haben die Streicher eher das Sagen, wirkt der Song, als würde er aus einer Bar kommen. Beides passt hervorragend zusammen. Das Trompetensolo ist das i-Tüpfelchen, ohne den schmachtenden E-Gitarren-Alleingang mindern zu wollen.
Der CD-Abgang ist etwas ganz Besonderes. Diese Nummer hat fast den Anschein, als sei sie aus einer spontanen Session entstanden. Bester Blues im Duett mit Curtis King ( Bob Dylan, Dr. John, Meat Loaf, Billy Joel, Black Crowes, Bruce Springsteen, Al Cooper, Bobby McFerrin und andere). Tja, die Frau hat quasi schon in der Pflicht überzeugt und legt uns mit dem letzten Track ihre Kür zu Füßen.
Eryn Shewells zweites Album ist eine Spitzenleistung! Möchte man das Design des bedruckten Papiers mit in die Wertung einbeziehen, gibt es nur für das Coverbild einen Punkt Abzug, denn es steht schon im Kontrast zur gebotenen Musik.
Line-up:
Eryn Shewell (vocals, guitar, percussion, backing vocals)
Pat Ruh (guitars, mandolin, bass - #11)
Sam Getz (pedal steel)
Arne Wendt (keyboards)
Tanya Peterson (strings, backing vocals - #3,4,5,9)
Antonio Gambrell (trumpet, backing vocals - #3,,5,9)
Andy Citkowicz (saxophone)
Steve Johnson (bass - #1,2,6,8,10)
Apolinar Padilla Jr. (bass - #4,7,9)
Bernhard Lackner (bass - #3,5,12)
Tom Cottone (drums)
Chuggy Carter (percussion)
Curtis King (lead vocals - #12, backing vocals - #3)
Jon Hall (backing vocals - #3,5,9)
Herbie Freeman (backing vocals - #3,5,9)
Alice Leon (backing vocals - #3,4,5,9)
| Tracklist |
01:Beloved Goobyes (4:44)
02:Already Wrote The Song (3:57)
03:Don't You See (4:05)
04:Moment (4:36)
05:Satellite (5:17)
06:I Would Wait Forever (4:03)
07:300 Miles (3:49)
08:Candle (4:14)
09:Work So Hard (6:12)
10:My Soul (3:34)
11:Perfection (5:03)
12:Whiskey Devil (4:22)
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Externe Links:
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