Jeremy Spencer / Bend In The Road
Bend In The Road Spielzeit: 60:10
Medium: CD
Label: Propelz, 2012
Stil: Blues, Country, Folk

Review vom 23.09.2012


Joachim 'Joe' Brookes
Ja, Fleetwood Mac hatte den Blues ... in der Anfangsphase der Band-Karriere. Zusammen mit Peter Green gehörte der damals noch keine zwanzig Jahre alte Jeremy Spencer zu den Gründungsmitgliedern der Combo. Green verließ eines der damalige Flagschiffe des britischen Blues Rock 1970. Nachdem "Kilnhouse" im Kasten war und 1971 mit einer Staaten-Tour promotet werden sollte, war Spencer plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Er tauchte bei der religiösen Gemeinschaft Children Of God wieder auf und gab seine Trennung von Fleetwood Mac bekannt.
1970 veröffentlichte der durch sein famoses Slidespiel geliebte Gitarrist als erster der Band-Genossen das Soloalbum "Jeremy Spencer". Es folgte "Jeremy Spencer And The Children" (1972) und Ende der Siebzigerjahre "Flee". Spencer spielte unter anderem bei Phil May und seiner Band The Fallen Angels. Eine gefühlte Ewigkeit später veröffentlichte er 2006 einen Tonträger mit dem Titel "Precious Little" und nun heißt es "Bend In The Road". Die als CD vorliegende Platte ist als Doppel-LP bereits seit Anfang 2012 mit einem von Spencer gezeichneten Coverbild auf dem Markt. Die Tracklists der beiden Ausgaben sind nicht identisch. "Jumbo", "Strange Woman", "The Sun Is Shining" und "Blind Lover" sind Tracks, die es nur auf der LP gibt. Diese Rolle kommt "Homework" in Bezug auf die CD zu.
"Bend In The Road" fängt mit einem tollen Bluessong an und man muss nicht unbedingt betonen, dass Spencer von Beginn an das Bottleneck in Betrieb hat - natürlich nicht nur im Opener. Irgendwie muss man schon nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen suchen, um ihn ohne Metallröhrchen zu hören. Außerdem ist er auf dieser Platte am Piano und der Orgel.
Jeremy Spencer spielt den Blues, allerdings nicht ausschließlich. Er begibt sich nicht selten auf Counrty- oder Folk-Terrain und serviert uns darüber hinaus einige Instrumentals. Ob der Hörer nun durchgängig an allen Nummern Gefallen findet, muss er selbst entscheiden. Mir kommt die Platte nicht in allen Phasen der Stunde Gesamtspielzeit gelungen vor.
Genauso selbstverständlich, wie der Gitarrenklang eines Spencers mit dem Bottleneck verbunden ist, wäre es schon verwunderlich gewesen, wenn der Protagonist auf dieser CD keinen
Elmore James-Titel auf Lager gehabt hätte. "Stranger Blues", nicht gerade einer der unbekannten Tracks, kommt rockend und mit einem Latin-Flair daher. Da weht frischer Wind durch die Segel der Platte. Die James-Nummer peppt den Hörer wieder auf, denn vorher gab es hier und da doch etwas dahin plätschernde Musik des Ex-Fleetwood Mac-Gitarristen. Auch das weitere an James orientierte "Cry For You Baby" kommt mit seinem klasse Piano sehr gut an. Das folgende "Whispering Fields" kann den musikalischen Standard aus meiner Sicht nicht halten.
Für die Auswahl der Songs zu diesem Album hat Spencer tief, zum Teil sehr tief in seinem Fundus gegraben. Einige Nummern stammen aus den Zeiten der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre. So ist "Aphrodite" ein Stück, das seine Wurzel noch aus der Zusammenarbeit mit Peter Green während ihrer Mac-Phase hat und definitiv kein Blues ist. Diese Nummer gehört noch zu den schöneren Instrumentals, weil sie mit seinen Pianoläufen und der herrlichen akustischen Gitarre viel Weite spüren lässt.
Wie aus Spencers Biografie, auf seiner Homepage als Steckbrief aufgezogen, hervor geht, kann er nicht schwimmen, hat aber mit "Mercyful Sea" das Highlight der Platte vorzuweisen. Durch viel wunderschönes Piano, gepaart mit sehr dezentem Schlagzeug und wenig Gitarre, kann der mittlerweile zweifache Urgroßvater voll überzeugen.
"Bend In The Road", den Titeltrack des Albums gibt es ganz zum Schluss und in diesem Stück hören wir ein wunderschönes Duett mit Rachel May, die ansonsten tolle Backing Vocals singt. Um es blumig auszudrücken, befindet sich hinter der 'Straßenkurve' eine hügelige Landschaft. Dort gibt es Erhebungen, die einem den Blick für die herrliche Weite eröffnet und auch kleine Täler, die einen eher einschränken. "Bend In The Road" ist somit nicht durchweg sehr gut, hat aber seine Höhepunkte.
Line-up:
Jeremy Spencer (vocals, slide guitar, Resonator, acoustic guitar, piano, organ)
Brett Lucas (electric guitar, acoustic guitar, 12-string guitar, Resonator, back-up vocals)
James Simonson (electric bass, stand-up bass)
Todd Glass (drums, percussion)
Rachel May (vocals)
Molly Hughes (violin)
Mimi Morris (cello)
Stefan Koch (cello)
Duncan McMillan (accordion)
Tracklist
01:Homesick (3:53)
02:Cry For Me Baby (4:05)
03:Whispering Fields (3:19)
04:Walked A Mile (4:20)
05:Earthquake (3:27)
06:Aphrodite (4:01)
07:Secret Sorrow (3:58)
08:Stranger Blues (6:05)
09:Homework (3:53)
10:Desired Haven (4:03)
11:Come To Me (3:40)
12:Merciful Sea (4:34)
13:Refugees (5:45)
14:Bend In The Road (5:07)
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