Im Musikbusiness ist es nicht anders als manchmal im privaten Leben. Man muss eben zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Für die italienische Künstlerin Linda Sutti aus Piacenza war es der Sommer 2013 beim Blues Festival in Narcao, zum dem sie von den Organisatoren eingeladen wurde, dort auftrat und Henrik Freischlader traf.
Vorher war Linda Sutti musikalisch schon aktiv, hatte in einigen Bands gespielt. Janis Joplin, Donovan und Fairport Convention hatten es ihr angetan und trotzdem wollte der Funke ihrer Begeisterung nicht auf die Öffentlichkeit überspringen. Einige Jobs brachten Geld in die Kasse und jetzt möchte die Singer/Songwriterin mit "Wild Skies" ihren Kühlschrank füllen.
Musik machen und beim Publikum damit ankommen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Das Fußkleid darf nicht zu groß ausfallen, muss stabil sein, sprich, auch Dauerbelastungen stand halten und zur Person passen.
In erster Linie präsentiert sich Linda Sutti auf "Wild Skies" als eine Singer/Songwriterin, die sich in den Verästelungen der Roots Music bestens auskennt. Zur Persönlichkeitsbildung gehört auch, dass sie die Musik zusammen mit Henrik Freischlader geschrieben hat. Wobei "For The Thrill" nur von ihr und "Dear Mr. So-And So" ausschließlich Henrik Freischladers kompositorische Idee war.
Die Texte wurden von der Protagonistin geschrieben. An den Worten von "Try" war man gemeinsam tätig und mit den Credits für "Dear Mr. So-And So" stellt sich heraus, dass diese Nummer eine Henrik Freischlader-Eigenkomposition ist.
Die italienisch-deutsche Kooperation zeigt sich in zarten Song-Blüten und dürfte für die Zukunft Früchte tragen. Weil Linda Suttis "Wild Skies" auf Henrik Freischladers Label Cabel Car Records erschienen ist, muss nicht meinen, man bekäme hier den Blues oder seine rockige Variante geboten. "Wild Skies" ist kein Blues-Album. Es ist sehr wohl ein Album mit Blues-Fundament. Allerdings benötigen einige Songs dieses Fundament gar nicht. Linda Sutti steht für gefühlvoll-sinnliche Lieder aus dem Singer/Songwriter-Metier.
In dem Becken schwimmen bekanntlich viele Bands/Künstler und die Aufgabe besteht darin, durch authentisch-individuelle Merkmale zu überzeugen. Linda Sutti überzeugt. Bei der Qualität der elf Lieder kann man gar nicht nachvollziehen, warum man nicht schon früher in der Weise auf sie aufmerksam wurde.
Nichtsdestotrotz ... jetzt ist es soweit und wie individuell die Italienerin ist, belegt zum Beispiel das Stück "Every Tick Of Our Time". Eine in blumige Worte gefasste Liebeserklärung, die mit echten Streichern in Person von Christopher Huber (Violine) und Cornelius Thiem (Violoncello) in anmutige Stimmung umgesetzt wurde. Eine leicht cineastische Einleitung mag an Filme wie "Casablanca" erinnern, aber das ist nur ein Blitzlicht.
Wenn Linda Sutti mit ihrer Gitarre und Stimme einsetzt, wird die Atmosphäre viel persönlicher. Da ist der Hörer ganz nah bei der Protagonistin und kann deren zum Teil geflüsterten Gefühlsausdrücke nachvollziehen. Omer Klein sorgt mit seinem Tastensolo für einen gewissen Perspektivwechsel im Vergleich zu den Streichern. Hauchzart ist der Schmelz seiner Klangwelt, fast schon zu filigran, zerbrechlich.
Bereits erwähntes "For The Thrill" entsprang ja Linda Suttis eigenen Ideenwelt und hier ist sie auch mit Gesang und akustischer Gitarre quasi solo zu hören, vielleicht angereichert durch einige Farbtupfer von Henrik Freischlader. Dieses Stück ist sehr persönlich, stellt in seiner zurückhaltenden Instrumentierung die unter die Haut gehende Stimme von Linda Sutti in den Vordergrund. Bei der Henrik Freischlader-Komposition "Dear Mr. So-And-So" kommt der Blues zum Vorschein und der kann so herrlich swingen. Ja, die jazzigen Keyboard-Elemente bringen den Pfiff und so muss man wohl zugestehen, dass der Songwriter der Künstlerin maßgeschneidert ein Lied auf den Leib geschrieben hat.
Die Elektro-Gitarre-Singer/Songwriter-Nummer "No Fear" kann man wörtlich nehmen. Hier liefert der musikalische Mann an Linda Suttis Seite eines seiner energetischen Soli ab. Mit "Wild Skies" im Gepäck muss die Künstlerin keine Angst vor der Zukunft haben. Obwohl der Himmel hier nicht immer wild ist, sieht er an vielen Stellen rosig aus.
Line-up:
Linda Sutti (vocals, guitar)
Henrik Freischlader (guitar, bass, drums, backing vocals)
Omer Klein (keyboards)
Christopher Huber (violin)
Cornelius Thiem (violoncello)
Johannes Krayer (pedal steel guitar)
| Tracklist |
01:Hurry (3:56)
02:Try (5:15)
03:Wild Skies (4:15)
04:Every Tick Of Our Time (4:30)
05:Down On The Road (3:56)
06:For The Thrill (2:58)
07:Silence (3:44)
08:Prince Coffee (4:10)
09:Ordinary Life (4:22)
10:Dear Mr. So-And-So (5:08)
11:No Fear (3:15)
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