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Texas scheint ein unversiegbare Quelle für Musiker zu sein, deren Schaffen gerne unter dem Begriff Americana zusammengefasst wird. Im Falle von Mike Sanford schauen die Zutaten wie folgt aus: viel Country, Singer/Songwriter-Ambitionen, dann noch Rock, etwas Tex-Mex und fertig ist die Brühe.
Ein Teil der Suppe schmeckt aber irgendwie anders: Der Opener und besonders der letzte Song (zu diesem Stück ausführlicher weiter unten) rocken im Vergleich zum Rest so hart, dass man sich gar nicht in einem vergessenen Kaff des Llano Estacado fühlt. Mit "Cold Steel Lines" geht es dann in Richtung akustischen Country und die Stärke dieser Platte kommt zum Vorschein: Die reiche Instrumentierung, die bei fast jeder Nummer mit einem anderen Akzent aufwarten kann und das schöne Arrangement der Gitarren, in diesem Fall in akustischer Ausführung. Einer der Höhepunkte der Platte ist eindeutig das dezent rockige "Hard Country", der mit geheimnisvollen Native Flute-Einlagen und Slide-Gitarre aufwarten kann.
Abwechslung wird hier großgeschrieben: "Timing Isn't Right" ist ein netter Jazz-Pop-Oldie, während beim epischen, wahrlich großartigen "South Of The Border" mehr als nur ein Hauch von Tex-Mex weht: Akkordeon-Töne und latin-inspierierte Akustik-Gitarren bestimmen das Geschehen, während eine Western-Story erzählt wird. Auch sonst scheinen die Songtexte vom texanischen Universum inspiriert worden zu sein. Es gibt nur ein kleines Problem bei der Umsetzung - Sanford versucht, einen gewissen Country-Twang zu reproduzieren, aber daran scheitert, weil er von der Anlage eher über eine Mainstream-Rock-Stimme verfügt und die auch nicht gerade das Nonplusultra ist.
Ansonsten ist Mike S. ein netter Bursche von nebenan, wirklich. Er liebt Jesus, seine Frau, seine Mom, seine Kinder und seinen Dad. Oh, und er ist sogar patriotisch, wie man es im Land der begrenzten Unmöglichkeiten zu sagen pflegt. Zum Glück gibt er von seinem lyrischen Chauvinismus nur im letzten, absolut deplazierten Hardrock-Song eine Kostprobe:
»(...) Now some commie pinko bastard wants to take all of my guns And won't stand behind our red, white, and bluett If it was up to me I'd stick a nuke up the Taliban's ass (...)«
So viel farbenfrohe Poesie würde ich nicht mal Charlie Daniels zutrauen. Apropos, auch von dieser Stelle nachträglich Alles Gute dem 'Uneasy Rider'... ähem, 'Redneck Fiddlin' Man' zum 70. Geburtstag.
Wer sich von einem solchen Nebenkriegsschauplatz nicht abschrecken lässt, bekommt ein angenehmes und abwechslungsreiches Stück Americana mit reicher Instrumentierung geboten. Wäre Sanford ein guter Sänger, hätte aus dieser CD sogar ein Meisterwerk werden können.
Line-up:
Mike Sanford (vocals, electric/acoustic guitars, harmonica)
Jake Dredla (bass, harmony vocals)
Jessie Esquivel (drums)
Roberto Montelongo (drums)
Matt Baker (lead guitar, B-3 hammond organ, rhythm guitars, piano)
Haydn Vitera (fiddle, accordian, harmony vocals)
Mike Daily (pedal steel guitar)
Michael Eaglebear (native flute)
| Tracklist |
01:Out of My Mind (3:22)
02:Cold Steel Lines (4:20)
03:Hard Country (3:43)
04:Timing Isn't Right (4:29)
05:Dust To Dust (4:56)
06:Mockingbird (2:45)
07:World Spinning Round (4:00)
08:Blue Texas Skies (3:21)
09:Barbwire (3:19)
10:South Of The Border (6:09)
11:Never Hit The Ground (3:57)
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