Sahg / I
Sahg
DOOM OR BE DOOMED!
Mit diesen Worten schloss Stefan vor ein paar Wochen bei seinem Spiritus Mortis-Review, und ich möchte mit ihnen beginnen, denn nach Fallen steht mit "I" von Sahg das nächste vielversprechende Doom-Album in den Startlöchern.
Aus Mitgliedern von Audrey Horne, Manngard sowie Gorgoroth setzt sich das 2004 gegründete Quartett zusammen. Der geneigte RockTimes-Leser mag jetzt zusammenzucken, aber keine Angst: Hardcore-Ausflüge gibt es auf "I" nicht.
Vielmehr spielen die Norweger den Doom, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Einziger Nebeneffekt der Hauptbeschäftigung der Jungs: Es gibt zwar Gitarrensoli, die allerdings sehr schwach ausfallen.
…Nun, nicht ganz der Einzige. Denn man muss bedenken, dass diese Musiker aus Bereichen des Metal kommen, die die natürlichen Grenzen des guten Geschmacks nicht kennen und in denen Groteskes und Extremes zur Tagesordnung gehört sowie ein Großteil der Musiker, unter anderem auch bei Gorgoroth, praktizierende Satanisten sind.
Es ist jedoch trotz allem 'echter' Doom, und mit welcher Einstellung die Extrem-Metaller auch immer an die Sache herangehen - sie spielen ihn richtig. Die Gitarre sowie der Bass sind bis knapp über der Infraschallgrenze tiefer gestimmt und haben einen matschigen Old-School-Mix verpasst bekommen. Dazu passend ist der klagende Gesang, der durch eine spezielle, ständige Verzerrung und die bewusst so angelegten Melodien extrem an den Ozzy früherer Zeiten erinnert.
Anders als Spiritus Mortis, bei denen noch Hard Rock-Wurzeln zu finden sind, sind Sahg 100% Doom. Weil sie keine Wurzeln haben, möchten böse Zungen behaupten. Da sie aus dem Black- und Death Metal-Bereich nichts zu Sahg mitnehmen konnten, kleben sie schematisch an der Düsternis, die sie krampfhaft herbeiführen und von der sie nie auch nur einen Millimeter abweichen, um ja ihr ach so bitterböses Image keinen Schaden nehmen zu lassen. 'King ov Hell' und seine Kumpels nehmen den Doom zu ernst.
Trotz dieser Kritik, die sich keinesfalls auf das Hörerlebnis niederschlagen muss, haben wir es mit einem erstklassigen Album zu tun, das sich "Fallen" nur knapp geschlagen geben muss. Das Songwriting ist konservativ, hat aber einen eigenen Stil und ist gespickt mit auflockernden Einfällen. Die wabernden Sounds und die Akustikpassagen, wenn auch teilweise etwas kindisch, sind stimmig; dadurch wird das Grundgerüst vielfältig ausstaffiert - auch wenn der Gesang den Wunsch an die echten Black Sabbath aufkommen lässt, die so satanistisch wie eine Tafel Schokolade waren.


Spielzeit: 48:26, Medium: CD, Regain Records, 2006
1:Intro: Parade Macabre(2:01) 2:Repent(7:26) 3:The Executioner Undead(4:34) 4:The Alchemist(5:02) 5:Rivers Running Dry(5:18) 6:Whisper Of Abaddon(1:28) 7:Godless Faith(6:23) 8:Soul Exile(4:39) 9:Boundless Demise(4:35) 10:Black Passage(6:57)
Christoph Segebard, 18.04.2006