'Hölle noch mal', war mein erster Gedanke beim Lauschen von Saint Judes Debütalbum "Diary Of A Soul Fiend", 'haben wir hier das englische Pendant zu den Black Crowes?'. Wobei sich dann aber auch wieder die Gretchen-Frage stellt, ob denn nun die Henne oder das Ei zuerst da war, denn schließlich wollen und können ja auch die 'Krähen' ihre starken Einflüsse von britischen Truppen wie The Faces oder den Rolling Stones keinesfalls verbergen.
Auf jeden Fall kommen Saint Jude mehr oder weniger aus dem Nichts und knallen uns hier ein Classic Rock-Album vor den Latz, dessen Entstehen man - wäre der Sound nicht up to date - auch gut und gerne im Jahr 1973 vermuten könnte. Einer der ganz großen Trümpfe des Quintetts ist die Front-Lady Lynne Jackaman, die mit ihren angerauten, mal souligen, mal zornigen, mal flehenden Vocals eine absolute Wohltat für die Ohren ist und mich immer wieder an die großartigen Maggie Bell ( Stone The Crows) oder Elkie Brooks (zu Vinegar Joe-Zeiten) erinnert. Den Rest erledigen die Instrumentalisten, die hier eingängige Tracks mit haufenweise Ecken und Kanten vom Stapel lassen.
Während der ersten halben Minute des Openers "Soul On Fire" glaubt man tatsächlich, es mit einem verschollenen Crowes-Song zu tun zu haben, bis die Jackaman dann ihre ersten Textzeilen in die Runde schmeißt. Ein nahezu perfekter Rock-Song, der auch über Zutaten der Art Bläserbegleitung (im Hintergrund) und ein rollendes Piano verfügt. Für das nachfolgende "Garden Of Eden" soll angeblich Ronnie Wood unterstützend in die Saiten gegriffen haben. Hmm, im Booklet ist er nicht aufgeführt. Es sei denn, dass er dort mit dem Synonym Arte Bratton 'verkleidet' wurde. Auf jeden Fall geht es hier nach wie vor sehr rockig zu, dazu verfügt die Nummer auch noch über einen so starken und sehr eingängigen Refrain, dass sie sich für eine Single geradezu anbietet. Und gegen Ende des Stücks knallen einem die Gitarrensoli dermaßen um die Ohren, dass es eine wahre Pracht ist.
Mann, dreht die Jackaman danach bei "Little Queen" auf. Spätestens mit diesem dritten Song der Scheibe hat mich die Lady vollkommen überzeugt. Zu fetzenden Gitarren-Riffs und ganz starkem Piano bearbeitet die Sängerin ihr Mikro hier mit äußerster Intensität und Power. Definitiv einer der Höhepunkte dieses Debüts. Durchschnaufen der verschärften Form ist danach mit "Down This Road" angesagt, bei dem die Engländerin zeigt, dass sie es auch sehr viel ruhiger, mit tonnenweise Feeling und wunderschönen Melodien kann. Für "Down And Out" verweilt die Band in eher ruhigeren, souligeren Gefilden. Klasse Songwriting, von aufkommender Langeweile nicht mal der Ansatz einer Spur.
Nach den zwei ruhigeren Titeln ist es dann allerdings wieder an der Zeit zu rocken. Und tatsächlich, "Pleased To Meet You" kommt in den Strophen mit feiner Humble Pie-Schlagseite ("Stone Cold Fever") um die Ecke, während man sich dann beim Refrain eher wieder auf Crowes-Pfaden befindet. So geil das Ganze ist, muss man allerdings während des gesamten Albums feststellen, dass sämtliche vorgenannten Einflüsse mal mehr, mal weniger deutlich zitiert werden. Da sich Saint Jude dessen aber selbst bewusst sind und dies auch gerne immer wieder erwähnen, kann man der Band daraus auch keinen wirklichen Vorwurf machen. Bei "Angels" drehen die 'Krähen' einmal mehr ihre gemütlichen Runden am Firmament, wobei sich Saint Jude allerdings alleine durch den Gesang ihren fairen Anteil an Eigenständigkeit bewahren.
Nicht vergessen zu erwähnen will ich auch, dass die Produzenten-Legende Chris Kimsey (u.a. The Rolling Stones) hier einen ganz feinen, lebhaften Sound hingezaubert hat, der lupenrein und anstandsfrei durchgeht. In der zweiten Hälfte des Albums wird das Tempo dann doch etwas rausgenommen, was dem Gesamteindruck aber keinesfalls schadet. Richtig klasse gegroovt wird bei "Parallel Life" und mit "Southern Bells" sind wir bereits bei der letzten Nummer angelangt. Noch mal ein fetter Rocker mit einer coolen, warmen Orgel, Gitarren-Riffs und einer Lynne Jackaman in Höchstform.
Wenn man glauben darf, was man so alles über die Band im Netz lesen kann, dann räumt sie mit ihren Konzerten immer granatenmässig ab. Nach dem Genuss dieses Albums habe ich diesbezüglich auch nicht den geringsten Anlass zum Zweifel. "Diary Of A Soul Fiend" ist zwar ein sehr geiles Album geworden, ein Überhammer ist es allerdings noch nicht. Und dennoch kann man sehr gespannt in die Zukunft blicken. Diese Band - wenn sie denn zusammen bleibt und sich entwickeln kann - wird uns in den nächsten Jahren noch ganz Grosses bieten, da bin ich mir sicher!
Line-up:
Lynne Jackaman (lead vocals, percussion)
Adam Greene (guitars, background vocals)
Joe Glossop (keyboards)
Colin Palmer Kellogg (bass, background vocals)
Lee Cook (drums)
Mit:
Arte Bratton (guitars)
Sam Flowers (horns)
Brad Gable (horns)
T. Bratton (percussion)
Cole Campbell (background vocals)
Tiffany Harris (background vocals)
Jeffrey Beatty Jr. (background vocals)
| Tracklist |
01:Soul On Fire
02:Garden Of Eden
03:Little Queen
04:Down This Road
05:Down And Out
06:Pleased To Meet You
07:Angels
08:Rivers And Streams
09:Parallel Life
10:Southern Bells
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