Savatage / Still The Orchestra Plays
(Greatest Hits Vol. 1 & 2)
Still The Orchestra Plays Spielzeit: 62:41 (CD 1), 66:21 (CD 2), 92:00 (DVD)
Medium: Do-CD + DVD (Box-Set)
Label: E.a.r. Music/Edel, 2010
Stil: Prog/Power Metal

Review vom 26.03.2010


Ilka Heiser
Harte Zeiten brechen demnächst für alle Savatage-Fans an, denn ihr Geldbeutel wird wohl in der kommenden Zeit arg strapaziert werden [Zitat Waschzettel: »earMUSIC, das internationale Rocklabel der Edel AG in Hamburg, verkündet stolz den gesamten Katalog der legendären US Metal-Band Savatage in einem erweiterten und neu gemasterten Gewand präsentieren zu dürfen.«]
Ihr wollt wissen, was das bedeutet? Also, die Scheiben sollen komplett neu überarbeitet sowie mit Bonus-Songs ausgestattet auf den Markt kommen. Dazu hat der 'Mountain King' - wie Jon Oliva liebevoll von seinen Fans bezeichnet wird - versprochen, dass es noch das eine oder andere Schmankerl geben wird. So zum Beispiel exklusive Audio-Kommentare und diverses Extra-Material, das ganz speziell von der Band zusammengestellt wurde. Man gibt sich also nicht nur mit einem schnöden Remastering zufrieden, sondern möchte den Fans was ganz Besonderes bieten.
Schaun wir mal, was für Überraschungen Jon und seine Mannen aus ihrer Wundertruhe ans Tageslicht befördern werden. Vielleicht hat ja doch noch das eine oder andere 'Schätzchen' in den Tiefen der Truhe geschlummert und wird nun im Zuge der Remasterings 'unters Volk gestreut'.
Fangt derweil schon mal an, fleißig die Euronen zu stapeln.
Eröffnet wird der Reigen zunächst mit der Anthologie "Still The Orchestra Plays Vol 1 & 2", die mir als limitiertes Digipak inklusive der DVD "Live In Japan '94" vorliegt. Letztere wurde erstmals 1995 als VHS-Version veröffentlicht.
Die 'abgespeckte' Form ist übrigens eine Doppel-CD-Edition im Jewel Case.
Auf den beiden CDs befinden sich neben neuen Master-Versionen der Savatage-Klassiker auch drei Akustik-Tracks.
Savatage, deren Geschichte 1981 ihren Anfang nahm, haben bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2007 immerhin an die 17 Platten veröffentlicht, unter denen Meilensteine wie Hall Of The Mountain King, "Gutter Ballet" oder auch das Konzeptalbum "Streets - A Rock Opera" zu finden sind.
Das 95er Album "From The Gutter To The Stage" (mit 15 Songs auf zwei CDs) könnte man fast schon als 'Best Of' bezeichnen, beeinhaltete es doch bereits einige ihrer größten 'Kracher', genauso wie "The Best And The Rest" von 1997.
Es grenzt fast schon an Schwerstarbeit, aus solche einer Fülle von Material einen repräsentativen Querschnitt zu machen, der auch für Savatage-Neuentdecker einen guten Einblick in das Schaffen der Band bieten könnte. Dass da die 'üblichen Verdächtigen' nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst. Überschneidungen mit der jetzigen Box sind also nicht ganz von der Hand zu weisen.
Ein Blick in die Tracklist zeigt, dass die frühen Werke wie "Sirens" (1983), "Power Of The Night" (1985) sowie "Fight For The Rock" (1986) nur mit je einem Song vertreten sind, "The Dungeons Are Calling" (1984) fand dagegen gar keine Berücksichtigung.
Aus den Folgewerken, beginnend mit dem 87er "The Hall Of Mountain King", wurden mindestens zwei bis drei Stücke gewählt. Kein Wunder, hatte die Band mit dieser Platte, veredelt von Producer Paul O'Neill, endlich den ersehnten Durchbruch geschafft und das 91er Konzeptalbum "Streets" eroberte sogar den japanischen Markt im Sturm. Nach der "Streets"-Tour musste der 'Mountain King' den Job als Sänger an den Nagel hängen, denn seine doch recht extreme Art zu singen forderte so nach und nach ihren gesundheitlichen Tribut. Zachary Stevens übernahm ab sofort das Mikro und stand mit seinen vokalistischen Leistungen seinem Vorgänger in nichts nach. Leider blieb er Savatage nur bis zum Jahre 2000 erhalten.
2001, mit dem Erscheinen von "Poets And Madmen", dem mittlerweile vierten Konzeptalbum der Band nach besagten "Streets", "Dead Winter Dead" (1995) und "The Wake of Magellan" (1998) musste Oliva notgedrungen wieder als Sänger fungieren, da noch immer kein passender Ersatz gefunden wurde.
Am 19. Dezember 2007 verkündete Jon Oliva offiziell das Ende von Savatage, denn seine beiden Nebenprojekte, das Trans-Siberian Orchestra sowie Jon Oliva's Pain, hatten sich mittlerweile zu ungeahnter Größe entwickelt. Ohne eine Abschiedstour wurde Savatage, sehr zum Leidweisen der Fans, zu Grabe getragen.
So viel zur Kurzgeschichte. Wenden wir uns wieder dem diesjährigen 'Lebenszeichen' der Band zu:
Logisch, dass Perlen wie das gleichnamige "The Hall Of Mountain King", "Power Of The Night", "24 Hours Ago", "Gutter Bullet", "Handful Of Rain" und viele andere ein unabdingbares MUSS auf einer Greatest Hits-Veröffentlichung der Amerikaner sind, die mit übrigens knapp 63 bzw. 66 Minuten ordentlich vollgestopft wurden.
Dazu gesellen sich die drei bereits o.a., völlig neuen Akustik-Versionen von "Anymore", "Not What You See" und "Out On The Streets", die von Jon Oliva im Juli 2009 produziert und nur mit Piano und Akustik-Gitarre eingespielt wurden.
Natürlich wird es immer Meckerer geben, die IHREN Lieblings-Song vermissen werden (jaaa jaaa, ich hätte mir zum Beispiel "Believe", "Mozart And Madness" oder auch "This Is Where You Should Be" gewünscht), aber es bleibt zu hoffen, dass neben der derzeit erschienenen "Volume 1 & 2" vielleicht noch eine "3 & 4" folgen könnte, wer weiß schon, was uns noch erwarten wird?
Ohne Frage ist diese Veröffentlichung klangmäßig, verglichen mit meinen 'alten' Scheiben im Regal, ein absoluter Hörgenuss.
Savatage-Neueinsteiger sowie alle diejenigen, die nur einige wenige Platten der Truppe im Regal haben, sollten sich das Digipack mit beiliegender "Japan Live '94"-DVD, aufgezeichnet im Club Citta in Kawasaki, leisten, denn auch dieser Silberling hat seine Reize. Die Bildqualität ist zwar nicht herausragend (dahingehend hat man sich vermutlich die Überarbeitung erspart, was sehr, sehr schade ist), der Ton ist dafür um so besser.
Trotz des kleinen Bildmankos ist es ein Genuss, sich das alte Material mal wieder reinzuziehen. Irgendwie fühlt man sich selbst mitten drin im Konzert. Und Jon Oliva im Duett mit Zachary Stevens singen, oder sich mit Alex Skolnick ein Gitarrenduell liefern zu sehen, das ist doch einfach nur geil!
Nach 92 Minuten und den beiden obligatorischen Zugaben ("Gutter Ballet" und "Hall Of The Mountain King") wird ein glücklich grinsendes (japanisches) Publikum in die Nacht entlassen.
Ja, selbst ich als Fernsehsessel-Zuschauer fühlte mich doch glattweg wie bei einer Zeitreise und genoss die magischen Momente, die die fünf Musiker auf die Bühne zauberten.
Zum Abspann gibt es noch ein paar Rückblicke "In Memories Of Christopher Oliva" (dem dieses Video übrigens gewidmet ist), sowie einige kurze Backstage-Sequenzen.
Als Krönung hat man der Box noch ein feines Booklet mit beigelegt, in dem alle Songtexte sowie einige kleine Fotos enthalten sind. Ein Schmuckstück, dass eine dicke Kaufempfehlung verdient hat!
Line-up DVD:
Zachary Stevens (vocals)
Jon Oliva (keyboard, klavier, guitar, vocals)
Alex Skolnick (guitar)
Johnny Lee Middleton (bass)
Jeff Plate (drums)
Tracklist
CD 1:
01:Power Of The Night
02:Hall Of The Mountain King
03:24 Hours Ago
04:Legions
05:Gutter Ballet
06:Summer's Rain
07:When The Crowds Are Gone
08:Ghost In The Ruins
09:If I Go Away
10:NYC Don't Mean Nothing
11:Edge Of Thorns
12:All That I Bleed
CD 2:
01:Handful Of Rain
02:Chance
03:One Child
04:I Am
05:Anymore
06:Hourglass
07:The Wake Of Magellan
08:Morphine Child

Bonus Tracks:
09:Anymore (acoustic)
10:Not What You See (acoustic)
11:Out On The Streets (acoustic)
DVD:
01:Taunting Cobras
02:Edge Of Thorns
03:Chance
04:Conversation Piece
05:Nothing Going On
06:He Carves His Stone
07:Jesus Saves
08:Watching You Fall
09:Castles Burning
10:All That I Bleed
11:Stare Into The Sun
12:Damien
13:Handful Of Rain
14:Sirens
15:Gutter Ballet
16:Hall Of The Mountain King
Externe Links: