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Bei dem ersten Teil des Bandnamens Schizofrantik fällt mir ein T-Shirtaufdruck ein, den ich vor vielen Jahren gesehen habe. Auf der Vorderseite stand: »Ich bin schizophren«. Die Rückseite zierten nur zwei Worte: »Ich auch«. Bei dem Trio aus Süddeutschland handelt es sich um eine Band, deren Punkte man auf einer musikalischen Landkarte fast überall finden würde. Schizofrantik lässt sich nicht in eine Schublade zwängen. Martin Mayrhofer, Peter Braun und Andy Lind sind wahre Meister im Spinnen eines Netzes, das sie am Prog, Metal, Funk, Fusion und sogar dem klassischen Tango festmachen.
"The Knight On The Shark" ist eine Odyssee mit einer irren Route und vielen Stationen, bei denen man von sowohl entspannten wie auch hektisch-emotionalen Höhenflügen in Faszination versetzt wird. Wenn es in dem einen oder anderen Hafen Eindrücke von Frank Zappa oder King Crimson gibt, dann darf so etwas durchaus als Kompliment aufgefasst werden. Genauso kommen einem phasenweise die französischen Jazz-Metaller von Mörglbl in den Sinn.
Die Gruppe veröffentlichte bereits einige Alben. Unter anderem "Art Outrage" (1998), "Syntaxerror" (2000), "Schizofrantik Live" (2008) oder "Oddities" (2011). Martin Mayrhofer spielte früher auch in der Formation Mortality und einige Kompositionen wie zum Beispiel "Marching Through The Meadow" oder Fragmente von "Psychic Scars" stammen aus der Zeit bei dieser Combo.
Die Idee zum Plattentitel und dem Opener "The Knight On The Shark Beside The Ship Which Is Not Sunken Yet" stammt von einem Bild, das Martin Mayrhofers Neffe gemalt hatte. Im fein gestalteten Booklet gibt der Schizofrantik-Mastermind Informationen zur Entstehung sowie Entwicklung der einzelnen Nummern und außerdem sind die Songtexte abgedruckt.
Bei den sieben Tracks von "The Knight On The Shark" begibt sich der Hörer in ein, gelinde ausgedrückt, musikalisches Labyrinth, bei dem es sinnlos ist, mit Hilfe eines Navigationssystems den Ausgang zu finden. Das Trio hält einen quasi gefangen, hat viel zu viele Gänge konstruiert. Vielleicht passt hier eher der Vergleich zu einer Achterbahnfahrt, die man zur Erhöhung des Nervenkitzels mit geschlossenen Augen macht. Heftig rockende Phasen drücken einen in den Sitz, nur Blitzlichter entfernt von luftigen Momenten, die einem Gelegenheit zum Durchatmen geben. Dann wird man in die Dunkelheit der Emotionen entführt und kann sich während der Fahrt auch noch an den akustischen Klängen erfreuen.
Kommt man dem Ziel näher, entlässt Schizofrantik einen nach einer furiosen Exkursion mit einem Stück, das man tief in den Wohlklang sphärischer Zutaten getunkt hat. Die knapp sieben Minuten "Thanx Dog" sind die berechtigte Wellness-Oase, bei der man sich zurücklehnen und träumen kann/darf. Das instrumentale Stück wurde ausschließlich von Martin Mayrhofer eingespielt. Die Gitarren-Sounds schweben mit wohltuendem Ideenreichtum am geistigen Auge vorbei und erklimmen nach und nach immer höhere Ebenen. Die Nummer ist ein Beleg dafür, wie toll Balladen, auch ohne Text, klingen können. Die Entspanntheit hat auf diesem Album einen Namen und der heißt "Thanx Dog".
Der avantgardistische Schmelztiegel von Schizofrantik ist bis zum Bersten gefüllt mit wahnsinnigen Klangkaskaden und der Freude an überraschenden Wendungen innerhalb der Kompositionen. Aus meiner Sicht ist "The Human Slaughter Tango", das ebenfalls aus Martin Mayrhofers Mortality-Zeit stammt, eine der herausragenden Nummern der Platte. Hier schaut man teilweise hinüber zum karibischen Reggaerhythmus und vermischt diesen im Vergleich dazu mit geradezu traditionell-erotischem Tango. Dieses Szenario wird eindeutig durch Helmut Sinz am Akkordeon verstärkt. Hammer!
Eine derartige Mischung, wie auf "The Knight On The Shark" präsentiert, ist unzweifelhaft kein Schonkost-Futter für die Nerven, aber höchst interessant und infizierend. Schizofrantik eben. Dieses Album ist ein Wirbelwind und erhält das Prädikat 'gelungen'.
Line-up:
Martin Mayrhofer (guitars, vocals, keyboard, programming, drums)
Peter Braun (bass)
Andy Lind (drums)
With:
Helmut Sinz (accordion - #3)
Joschi Joachimsthaler (guitars - #4,6)
| Tracklist |
01:The Knight On The Shark Beside The Ship Which Is Not Sunken Yet (10:20)
02:Marching Through The Meadow (6:57)
03:The Human Slaughter Tango (6:59)
04:Nazis On LSD (6:38)
05:Psychic Scars (5:37)
06:Liquid Light (5:43)
07:Thanx Dog (6:45)
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