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Chile. Spontan fällt mir da Los Vascos ein. Ein leckerer Cabernet Sauvignon. Baron Eric de Rothschild bzw. Lafite-Rothschild zeichnet für diesen schmackhaften Roten und wenn es so ist, dass ein Franzose gut für Chile ist, dann ist das Gesetz einer Gleichung im Falle des chilenischen Trios Scomic erfüllt. Dieses hatte 2010 die Möglichkeit auf der Musikmesse Midem (Marché international de l'édition musicale) in Cannes teilzunehmen.
Zu der Zeit beinhaltete das Portfolio der Band die EP "Siento Luego Existo" und dank dieser wurde Scomic nach Cannes eingeladen. Dabei begann alles eigentlich mit ein paar Problemen. Scott Kevin Sáez widmete sich im Alter von dreizehn Jahren dem Punk und wechselte dann zu Post Hardcore. In allen Bands, in denen er tätig war, sang er und spielte die Gitarre. Mangels Glück bei der Suche nach einem Drummer, versuchte er sich auch selbst an den Fellen. Gleichzeitig spielten die beiden Brüder Esteban und Tito Domic zu Hause in der Garage. Es war irgendwie schwer, in Chile zusammenzufinden, denn von einer landesweiten Musikszene war im Gegensatz zu Europa und Nordamerika nicht zu sprechen.
Aber die drei lernten sich an der Uniacc-Universität in Santiago schließlich kennen und fortan wurde zu dritt musiziert. Vor etwa drei Jahren begann die Arbeit an ihrem nun vorliegenden Debütalbum. Die in Chile nicht unbekannten Musiker und Produzenten Javier Bassino und José Miguel Alfaro nahmen sich der Produktion an. Und, so viel kann man sagen, die Scheibe ist eine runde und stimmige Angelegenheit. Tolle Gitarrenarbeit, die in Verbindung mit der nicht minder gekonnten Fellbearbeitung stets für Spannung sorgt. Nachdem die Platte im Kasten war, flog Drummer Tito nach Berlin an die Schlagzeug-Akademie Drumtrainer, um seine Fertigkeiten auszubauen. Das hat geklappt, denn ob er feine Songstrukturen dezent begleitet oder aber bei den metallischen und powervollen Momenten per Doublebass gewaltig knüppelt ... er kann es.
In Berlin war dann auch irgendwann der Rest der Truppe angekommen und schnell in die Berliner Musikszene integriert. Und es dauerte auch nicht lange, bis Artist Station sich Scomic annahm und wir daher unser Plattenregal mit einer chilenischen Band erweitern können.
Musikalisch fällt erst einmal die wirklich interessante Mischung aus ausgefeilten Nummern auf. War es beim ersten Hören noch so, dass man nicht so recht wusste, was die stilistisch so treiben, kristalliserte sich nach weiteren Hördurchgängen heraus, dass da eine gute Hand und ein guter Fuß dahinterstecken. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Stars des Albums sind Gitarren- und Schlagzeugspiel. Selbst in den etwas ruhigeren Momenten des hervorragenden Songwritings passt jede Note perfekt ins Geschehen. Wenn sich Powerchords und Doublebass dann zur gischtigen Brandung auftürmen, strömen die Glückshormone.
Modern Rock und Modern Metal fallen im Möbelgeschäft der mit Schubladen übersäten Kommoden. Vielleicht täte es auch ein einfaches Modell der Marke Alternative. Zu vielschichtig sind die Kompositionen, als dass man sie einfach mit dem Label Rock oder Metal versehen könnte. Ein weiteres Highlight ist die Sprache, denn Spanisch hat eine sehr melodische Phonetik und Scott kann sie klasse einsetzen. Wenn ich nun so begeistert von Gitarre und Drums spreche, dann - bitteschön - habe ich den Bass nicht vergessen. Es ist nur so, dass diese beiden Instrumente die 'Stars' sind. Das sind sie aber nur, weil Estebans Tiefgebrabbel stets die adäquate Balance hält.
Fest steht: In Chile wird keinen Deut schlechter musiziert, als im besser erforschten Teil der Musikwelt. Hinzu kommt, dass die drei Musiker noch sehr jung sind. Kann sein, dass da noch einiges kommen wird. Das Debüt jedenfalls ist schon mal sehr gelungen.
Line-up:
Scott Kevin Sáez (vocals, guitar)
Esteban Domic (bass)
Tito Domic (drums)
| Tracklist |
01:Metamorfosis (3:35)
02:Siento Luego Existo (3:26)
03:Luces (3:23)
04:Sofia (3:53)
05:Juntos (3:52)
06:Sin Nada (2:59)
07:Dance (3:22)
08:Eco 4:35)
09:Triciclo (3:41)
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