Scream Silence / Aphelia
Aphelia Spielzeit: 70:50
Medium: CD
Label: Plainsong Records, 2007
Stil: Dark Rock

Review vom 09.04.2007


Daniel Daus
Da wollte ich mal wieder guten Willen beweisen, und angesichts der uns überflutenden Promo-Welle die Kollegen ein wenig entlasten, im Irrglauben, bei Scream Silence handelt es sich um eine Melodic Rock-Band. Weit gefehlt, wie ich nach Erhalt bemerkte, es handelt sich um eine der angesagtesten Bands der Dark Rock-Szene. Eigentlich gar nicht mein Metier. Gut, ab und zu werde ich schon mal von einem Freund mit Samplern bedacht, auf denen zumindest angrenzendes Material vertreten ist, und so ist das dann doch nicht wie mit der Jungfrau und dem Kinde, aber ein bisschen komme ich mir schon vor, wie der Tourist, der durch Siebenbürgen reist, vom rechten Weg abkommt und auf Schloss Dracula landet.
"Aphelia" heißt das gute Stück, was übersetzt soviel wie Sonnenferne bedeutet. Es ist das sechste Werk der Truppe, ihr drittes auf eigenem Label. Zehn Studio-Tracks, sowie als Bonus noch drei Live-Stücke, die im Berliner K17 (ich vermute mal das Stammlokal von Klaus Wowereit...) eingespielt wurden und deutlich untermauern, dass die Band auch vor Publikum mit instrumentellem Geschick düstere musikalische Szenarien präsentieren kann. Allerdings haben die Songs im Studio meiner Ansicht nach eine wesentlich atmosphärischere Dichte.
Die Stimme von Sänger Hardy Fieting hat diesen typisch britischen 80er-Jahre-Esprit (erinnert mich an eine Mischung aus Talk Talks Mark Hollis, Simple Minds Jim Kerr oder The Cures Robert Smith, nur in der etwas böseren Variante), den meine Lauscher eigentlich weniger mögen, passt aber doch ganz gut zum Instrumentalgewand der einzelnen Stücke. Das ist durchaus Musik, die man sich in horizonterweiterungswütigen Momenten mal gut zu Gemüte führen kann, da sie recht entspannt und nicht schwer verträglich daher kommt.
Die Lieder bewegen sich zwischen balladeskem und etwas schnellerem Midtempo. Sie werden in der Regel von Fietings Gesang dominiert, der von einem Soundteppich aus ineinander verschachteltem E-Gitarren- und Keyboard-Rhythmus (Piano/Synthesizer) bei recht einfühlsamem Drumming getragen wird. Mir gefällt am besten der episch anmutende Opener "In My Eyes" mit dezent progressivem Einschlag, oder das vermutlich fast schon Disco-taugliche, düster pop-rockige "Kerosene", mit seinen interessanten und gut dosierten Wave-Elementen, das sicherlich auch für die breite Masse geeignet ist. Klasse auch das mit einer schönen Akustikgitarre verzierte, entspannte "Nothingness" (was für ein Titel...), bei dem Fieting mitten drin mal so richtig weltuntergangsmäßig aggressiv und düster dazwischen bölkt.
Fazit: Scream Silence haben mit "Aphelia" ein melodisches, in sich stimmiges Werk abgeliefert, dass die Band auch in kommerzieller Hinsicht entscheidend nach vorne bringen wird. Ein Muss für Freunde des Dark Rock-Genres und seiner verwandten Bereiche (z.B. der Gothic-Schiene), ideal vielleicht besonders für Einsteiger. Und natürlich auch bestens geeignet für Leute, die sich Fledermäuse als Haustiere halten, den Friedhof im Dunkeln lieben, morgens die Rolladen unten lassen, und sich zum Frühstück getoastete Krähenfüße mit einem Tässchen frisch aufgebrühtem Rattenblut genehmigen. Na dann, schönen Tag noch...
Tracklist
01:My Eyes
02:Harvest
03:Kerosene
04:The Vitriol
05:Nothingness
06:My Tenebrous Illusion
07:Unspoken
08:In Every Sin
09:Riders
10:Aphelia
Live Bonus Tracks:
11:Harvest
12:Consolation
13:Immortal
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