Kurz vor ihrem zehnjährigen Geburtstag steht die Multikulti-Band Shadowside, deren Mitglieder entweder italienisches, deutsches, litauisches oder portugiesisches Blut in ihren Adern fließen haben. Was alle Vier gemeinsam haben, ist, dass sie traditionellen Metal lieben, alle in Brasilien aufgewachsen sind und dort auch zusammen gefunden haben. Bereits im Gründungsjahr 2001 erschien die EP "Shadowside" und fortan waren die Brasilianer (schreib' ich jetzt der Einfachheit halber mal) nicht mehr aufzuhalten. Als 2006 dann das Debüt-Album "Theatre Of Shadows" erschien, eilte der Band ihr Ruf bereits so weit voraus, dass ohne jegliche Werbung oder Promotion direkt am ersten Tag 2000 Exemplare abgesetzt werden konnten. In der Folge tourten Shadowside dann mit Bands wie Sepultura, Kittie oder Temple Of Brutality, was den Bekanntheitsgrad natürlich noch mehr in die Höhe schraubte.
Und das Quartett hat Lunte gerochen. Mann, was sind die heiß und holen zu einer Attacke aus, die sich gewaschen hat. Bereits mit dem Opener "Nation Hollow Mind" wird ein granatenmäßiger Nackenbrecher aufgefahren. Fette Riffs, die alles niederwalzen zu wollen scheinen, Soli, die sich wie Nadelstiche in die Haut bohren und eine wahnsinnig kompakte Rhythmusabteilung, die nichts als verbrannte Erde zurücklässt, halten einen direkt vom ersten Song an gefangen. Dazu kommt, dass die Scheibe auch noch mit einem richtig schön dreckigen, also alles andere als glatt polierten Sound produziert wurde.
Ja, und schließlich wäre da noch Dani Nolden am Mikro, die nicht nur über die beste weibliche Metal-Stimme verfügt, die mir seit langer, langer Zeit vor die Flinte gekommen ist, sondern es auch versteht, manchmal einschmeichelnd wie ein Schoßhündchen und direkt im Anschluss wie der räudigste Straßenköter zu klingen. Wohlgemerkt ohne auf irgendwelche Growls zurückzugreifen. Fantastisch, was dieser Vierer für einen Dampf macht und ganz nebenbei auch noch für hochkalibrige Melodien am Start hat. "In The Night" ist zum Beispiel so ein Fall, bei dem einfach alles stimmt. Ebenso interessant ist übrigens festzustellen, dass Dani Nolden nicht nur sämtliche Texte geschrieben, sondern auch etwa 85 % der Musik komponiert hat. Stark, die Frau!
Auch "Baby In The Dark" glänzt mit einem überdurchschnittlich guten Refrain und mitreißenden Solo-Einlagen von Raphael Mattos an den sechs Saiten. Über allem steht aber die ungemeine Power, über die Shadowside zweifelsfrei verfügen. Der absolute Hammer dieses Albums ist "Memories", bei dem die Frontfrau mit einer Macht und einer so geilen Gesangsmelodie über den Hörer hereinfällt, dass man aus dem Rübeschütteln und der Gänsehaut gar nicht mehr rauskommt. Leider ist die Nummer viel zu schnell schon wieder vorbei, was den Rest der Scheibe aber nicht davon abhält, das gesetzte Qualitätslevel locker zu halten. Denn das direkt anschließende "Wings Of Freedom" ist eine weitere Granate, die nichts zu wünschen übrig lässt.
Mit "Time To Say Goodbye" hat doch tatsächlich noch eine Ballade Platz auf "Dare To Dream" gefunden, bestimmt von der Akustikgitarre und dem hier butterweichen, glasklaren und gefühlvollen Gesang der Nolden. Klasse auch der Titelsong. Die Brasilianer rocken hier locker drauf los und der Gesang lenkt den Dampfer in die richtige Richtung. Reinhörpflicht besteht unbedingt für "Memories", "Wings Of Freedom", "In The Night" und "Baby In The Dark". Aber das Zweitwerk dieses Quartetts ist ein insgesamt sehr kurzweiliges Album, das durchgängig Spaß und sehr viel Laune macht.
Über deutsche Autobahnen sind Shadowside bisher noch nicht gefahren. Ein Zustand, der sich hoffentlich sehr bald ändern wird. Denn ich glaube nicht zu viel zu versprechen, wenn ich sage, dass diese Truppe live ein absolutes Ereignis sein wird. Vergesst mir aber bloß eure Anschnallgurte nicht. Power, Dreck unter den Fingernägeln, starke Melodien und eine Spielfreude, die man sogar diesem Studioprodukt anhören kann, sprechen für die Brasilianer. Und das nicht zu knapp. "Dare To Dream" hat mit Innovation nicht viel am Hut, nein, diese Truppe will Spaß mit ihrer Musik haben, was auch hervorragend rüberkommt. Und dieser Fakt - kombiniert mit dem starken Songwriting - ergibt dann am Ende einen absoluten Gewinner.
Line-up
Dani Nolden (vocals)
Raphael Mattos (guitars)
Ricardo Piccoli (bass)
Fabio Buitvidas (drums)
Tracklist |
01:Nation Hollow Mind
02:In The Night
03:Last Thoughts
04:Hideaway
05:Baby In The Dark
06:Ready Or Not
07:Memories
08:Wings Of Freedom
09:Time To Say Goodbye
10:Life Denied
11:Dare To Dream
12:Everlasting Sun
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